Freitag, 5. Juni 2015

Sensationelle Malinois für nur 250 Euro bei ebay

Ein Modehund wird erschwinglich.

Das Angebot gilt so lange der Vorrat reicht und reicht der Vorrat nicht mehr, wird so schnell wie möglich neu produziert. Auch hier bestimmt die Nachfrage das Angebot und die Nachfrage ist zurzeit hoch.

Die Rassehunde, die bevorzugt als Diensthunde bei Polizei und Militär eingesetzt werden, finden immer mehr Fans. Darunter auch Menschen, die einfach nicht einsehen, weshalb sie enorme Summen beim Züchter zahlen sollen. Es geht ja immer auch billiger!

Auch in Mönchengladbach gibt es Anbieter, die sich auf den Malinoisverkauf über ebay spezialisiert haben und den Markt mit Welpen fluten.

Der erhobene Zeige- oder Mittelfinger hilft da wenig. Zu viele Kunden sind mit den Billigwelpen glücklich und ziehen durch die Landschaft und empfehlen den Anbieter weiter. Der Aufschrei, dass die Hunde alle Verhaltensprobleme haben und krank werden, wird leider ignoriert, weil immer wieder Beispiele gesunder und unproblematischer Hunde vorgezeigt werden.

Was der glückliche Neuhundebesitzer häufig nicht sieht oder nicht sehen will, ist der Schaden, der dadurch angerichtet wird, dass nicht gezielt auf Wesen und Gesundheit gezüchtet wird. Bei zahlreichen Welpen, die jedes Jahr von den Taschengeldvermehrern hergestellt werden, gibt es natürlich auch einige, die stabil sind und auch nicht krank werden. Was geschieht aber mit den restlichen Hunden, die nicht so ein Glücksgriff sind?

In der Regel werden auch diese Hunde vermittelt.

Einige von ihnen werden zur Goldgrube für Tierärzte, andere wandern von Halter zu Halter und viele treffen dann nach kurzer Zeit ihre Geschwister im Tierheim wieder.

Sollte der Züchter dann doch mal einen Welpen nicht vermitteln können, wird sofort überlegt, ob dieser nicht für Nachschub in der Welpenfabrik sorgen könnte. Voraussetzung ist natürlich, dass das Tier keine Probleme macht. Häufig führt das Aggressionsverhalten der Malinois dazu, dass das Tier einfach der Natur übergeben wird und über diesen Weg als Fundtier ins Tierheim kommt. Der Verdacht ist begründet, weil häufiger schon Malinois als Fundtier ins Tierheim kamen, die in der Nähe eines bekannten Wohnzimmerzüchters gefunden wurden.

Das Geschäft mit den Welpen ist natürlich nicht auf den Malinois beschränkt. Hütehunde und Chihuahua sind auch sehr beliebt. Der Malinois landet aber häufiger im Tierheim, weil er nicht nur sportlich ist, was viele suchen, sondern auch sehr impulsiv sein kann. Viele Menschen können damit nicht umgehen. Optisch schön sind die Malinois auf jeden Fall.

Natürlich gibt es auch seriöse Privatanbieter, die beispielsweise Welpen eines ungewollten Wurfes in gute Hände geben wollen oder aus persönlichen Gründen einen Welpen wieder abgeben müssen. Doch leider verstecken sich auch die Geldmacher hinter solchen Geschichten.

Traurige Tatsache ist, dass unseriöse Angebote nicht immer leicht zu erkennen sind.

Schon die Anfrage bei unseriösen Anbietern motiviert zur Zucht.

Der Schaden, der durch solche Anbieter verursacht wird, ist enorm, weil immer mehr "Problemfälle" in die Tierheime kommen, für die es schwierig ist, einen geeigneten Halter zu finden.

Langfristig kann das Problem nur über Wissenvermittlung gelöst werden. Hundehalter vor der Anschaffung zu beraten, ist eine alte und längst überfällig Forderung.

Ich appelliere an Hundeschulen und Tierschutzorganisationen, solche Beratungen anzubieten.

Der zukünftige Hundehalter ist sicher nicht schlecht beraten, wenn er Kleinanzeigen in Tageszeitungen und Internet meidet oder zumindest sehr skeptisch betrachtet.



Montag, 27. April 2015

Piper - Rasse: Malinois / Kategorie: Knallerbse

Sie kam nach ihrer Vermittlung zurück ins Tierheim in Mönchengladbach.

In der kurzen Zeit, in der sie vermittelt war, wurde viel geschmust, viel gelacht, viel erlebt, viel gehofft und viel geweint.

Am Ende konnte ihre Familie nicht noch mehr leisten. Die Rückgabe ins Tierheim wurde für Piper und ihre Menschen traurige Realität.

Für Piper ist das Tierheim aber keine Endstation, sondern eine neue Chance.

Jetzt suchen wir eine neue Familie für eine wunderbare Knallerbse.


Piper ist wie ein kleiner Rennwagen mit gelegentlicher Fehlzündung.
Sie zu führen bedeutet Gas geben und rechtzeitig bremsen. Mit Ruhe und Gefühl. Sie kann von Null auf Hundert und umgekehrt, im Bruchteil einer Sekunde.

Sie ist eine Tänzerin, die der Rhythmus des Lebens auch schon mal aus der Reihe tanzen lässt. Sie braucht einfach einen Tanzpartner, der sie führen kann.

Ihre Gefühle können so stark sein, dass sie ihr bis in die Zähne steigen, was in der Vergangenheit auch schon zu blauen Flecken und beschädigten Kleidungsstücken geführt hat.

Sie liest Bewegungen, sie hört die Flöhe husten und reagiert blitzschnell.



Abwarten ist für sie noch ein Fremdwort.

In vertrauter Umgebung in der Wohnung oder im Garten mit vertrauten Menschen ist Piper entspannt, verschmust und ihrem Alter entsprechend neugierig und verspielt.

Auf Spaziergänge genießt sie das Leben und hat Freude an ihrer scheinbar grenzenlosen Energie.
Piper bedeutet: Rennen, Springen, Wälzen, Buddeln - Hundeleben pur erleben.

Die gelegentliche Fehlzündung und das Tanzen aus der Reihe erfordert allerdings auch das sichere und verantwortungsvolle Führen des Hundes, wenn es die Situation erfordert.

Bei Begegnungen mit fremden Menschen und bei Begegnungen mit fremden Hunden muss Piper kontrolliert werden. Dies bedeutet, dass sie dann an die Leine kommt und einen Maulkorb trägt. Kritisches Verhalten ist erzieherisch zu unterbinden!

Piper wurde sehr gut an einen Maulkorb gewöhnt. Sie trägt ihn völlig entspannt und wenn man ein schönes farbiges Modell kauft, entspannen sich vielleicht auch die Menschen beim Anblick eines Hundes mit Maulkorb.


Im Kontakt mit sicheren Rüden zeigt sich Piper meist etwas zu aufdringlich, sehr verspielt aber völlig sozialverträglich. Sollten sichere und bereits gut erzogene Rüden in der Familie sein, ist eine Mehrhundehaltung mit Piper sehr gut vorstellbar.
Bei unsicheren Hunden hat Piper richtigen Spaß am Pöbeln, was selbstverständlich nicht geduldet werden darf. Bisher hatte sie sich auch im Kontakt mit Weibchen immer wieder rüpelhaft verhalten.

Trainingsziel für Hundebegegnungen ist ein entspanntes Gehen an der Leine.

Piper kann man sehr gut beeindrucken, wenn man ihr verständlich macht, dass ein Verhalten nicht erwünscht ist. Da sie mit ihren 15 kg sehr leicht ist, kann man sie auch noch gut halten, wenn sie sich mal erregt in die Leine hängt.


Was benötigt Piper?

Piper benötigt eine neue Familie, in der die Menschen Spaß an impulsiven Hunden haben.

Piper benötigt KEINE altdeutsche Erziehung, in denen Ausdrücke wie "Dominanz", "Alphawolf", "Rudelführer" usw. das Programm sind.

Piper benötigt KEINE Erziehung, in der ausschließlich zwanglos gearbeitet wird.

Piper benötigt KEINE Erziehungsratgeber aus dem Fernsehen.

Piper benötigt ein konsequentes Unterbinden ihres Fehlverhaltens - aber mit Gefühl für Timing und Intensität.

Piper benötigt eine Schleppleine, eine Führleine, eine Box für die Wohnung und einen Maulkorb in einigen Situationen.

Piper benötigt einen Wasser- und Futternapf, den sie nicht umwerfen kann, denn das ist ein großes Hobby von ihr.

Piper benötigt Schilddrüsenmedikamente und regelmäßige Blutkontrolle, wegen ihrer Schilddrüsenunterfunktion.

Piper benötigt bei Bedarf auch Schmerzmittel wegen einer leichten HD.

Piper benötigt aktuell ca. 2 kg Gewicht mehr auf den Rippen. (Ruhe und Futter)

Piper benötigt eventuell eine weiterführende Betreuung des Halters durch einen guten Trainer oder eine gute Trainerin.

Was benötigt der zukünftige Halter?

Die Bereitschaft Piper unbefangen zu treffen und mit ihr vertraut zu werden.

Die Bereitschaft sich anleiten zu lassen und den Umgang mit Piper zu lernen.

Die Akzeptanz, dass Piper (erst einmal) nicht mit auf die Gartenparty des Freundes gehen kann.

Die Akzeptanz, dass Piper nicht Jedermann und Jederhund Liebling sein wird.

Die nötigen Nerven, um auf die Frage, warum der Hund einen Maulkorb trägt, immer wieder geduldig zu antworten.

Was bekommt ihr zukünftiger Halter?

Intensive Einführung im Umgang mit Piper und langsame Gewöhnung an das Leben mit Piper, durch das Tierheim.

Einen Hund, der das Leben liebt und das auch deutlich zeigt.

Einen Hund, der nicht jeden liebt und das auch deutlich zeigt.


Fakten im Überblick:

Piper

Malinoishündin

Als Fundtier im Alter von ca. 1 Jahr ins Tierheim Mönchengladbach gebracht.
Gescheiterte Vermittlung wegen Verhaltensauffälligkeit.

Jetziges Alter: ca. 2 Jahre

Medikamentös eingestellte Schilddrüsenunterfunktion
Leichte HD links

Fehlende Impulskontrolle. Schnell und impulsiv.
Neigt zur Übersprungshandlung.
Leicht zu beeindrucken, bei richtigem Timing und richtiger Intensität.
Benötigt Ruhe und ruhige Beschäftigung, dosierte Bewegung.
Benötigt situationsbedingt Sicherung mit Leine und Maulkorb und erzieherisches Eingreifen.
Gewöhnung an eine Hundebox im Haus.

Vermittlung erfolgt auf Probe mit Betreuung und Anleitung durch das Tierheim Mönchengladbach.

Gute Auslastung und Beschäftigung für Piper sind mit Sicherheit das “Longieren mit Hund“ und auch die “Objektsuche“ (siehe auch: Thomas Baumann ZOS).

Ernstgemeinte Anfragen bitte an mich: frankgilka@gmail.com

Donnerstag, 5. Februar 2015

Tierheim Krefeld - Eine Stadt will Kosten sparen

Die Stadt Krefeld will Steuergelder sparen und wird deshalb in Zukunft das städtische Tierheim selbst führen.

Der Tierschutzverein, der bisher das Tierheim im Auftrag der Stadt führte, wollte für drei Jahre 939000 Euro haben. Die Stadt hat gerechnet und ist davon überzeugt, dass sie ein Tierheim selbst für 804000 Euro führen können.

Immerhin ein jährliche Steuereinsparung von 45000 Euro!

Ein zusätzlicher Vorteil wäre auch, dass die Mitarbeiter des Tierheims dann Angestellte der Stadt Krefeld sind und als solche sicher mehr Geld bekommen.

Ihr Arbeitsplatz wäre auch sicherer, weil die Stadt immer Gehälter zahlen kann. Die Stadt benötigt kein Geld von tierlieben Spendern. Bei der Stadt läuft alles über Steuern und die kann man im Notfall erhöhen. Notfalls holt man das Geld über eine Erhöhung der Hundesteuer wieder rein. Das geht immer!

Auch wenn die Stadt sich verrechnet hat, braucht sie nicht um Geld zu betteln, wie ein Tierschutzverein.

Verrechnen geht schnell, wenn der Einblick in den Tierheimbetrieb fehlt. Häufig ist es dann nicht so einfach, wie es theoretisch sein sollte.

Nicht selten kommen Fundtiere krank ins Tierheim. Der Besitzer ist nicht mehr auffindbar und die Tiere können erst nach medizinischer Behandlung vermittelt werden. Für verhaltensproblematische Tiere ist es nicht einfach, einen geeigneten neuen Halter zu finden.

Solche Tiere bleiben im Durchschnitt 60 bis 90 Tage im Tierheim. Manche Tiere sogar mehrere Jahre!

Die Kosten für die dauerhafte Unterbringung dieser Tiere sind enorm.

Hat die Stadt Krefeld solche Dinge in ihrer Kalkulation berücksichtigt? Hat die Stadt Krefeld berücksichtigt, dass die tatsächlichen Kosten sehr stark davon abhängen, welche Tiere im Tierheim untergebracht werden müssen? Falls nicht, könnte die mögliche Einsparung eine theoretische Einsparung bleiben.

Eventuell käme der Stadt die artgerechte Versorgung der Tiere sogar teurer, weil sie kaum mit Leuten rechnen kann, die ehrenamtlich arbeiten. Fraglich ist auch, ob die Stadt einen Tierarzt findet, der in einem, rein städtischen Betrieb, für eine Pauschale arbeitet.

Spender und freiwillige Helfer sind wichtige Faktoren, die es erst möglich machen, den Tieren mehr zu bieten, als eine vorübergehende Unterbringung mit medizinischer Betreuung.

Genau an dieser Stelle wird das Geldthema auch zu einem Tierschutzthema.

Tierheime können durch Spenden ein Tier auch dann noch beherbergen, wenn es kaum noch Hoffnung auf erfolgreiche Vermittlung gibt.

Ein Tierheim, das alleine von der Stadt geführt wird, wird sich diesen Luxus nicht leisten können.

Ich kann mir vorstellen, dass der wirtschaftliche Druck langfristig auch Auswirkung auf das Wohlergehen der Tiere hat.

Ohne Tierschutzvereine werden sich Haltungsbedingungen verschlechtern, denn alles was über die Vorschriften hinaus in Tierheimen gemacht wird, gehört nicht zum Aufgabenbereich der Stadt. Zwangsläufig kommt zu einer Minimalversorgung.

Die Vorstellung ist für viele Tierschützer schrecklich! Gerade deshalb versuchen die Vereine häufig ihre Dienstleistung den Städten so günstig wie möglich anzubieten.

Eine Einrichtung, die hunderte Tiere beherbergt, Angestellte hat und von Kosten in Höhe von 300000 Euro spricht ist aber kein Hobby mehr.

Jedes mittelgroße Tierheim muss als Unternehmen gesehen werden und ist auch unternehmerisch zu führen.

Monatliche Kostenkontrolle, ein Geschäftsplan, Umsatzsteigerung, kurzfristigen und langfristigen Einsparmöglichkeiten sollten keine Fremdwörter sein.

Nur Zahlen und Statistiken ermöglichen eine wirtschaftliche Bewertung des Betriebs. Solche Zahlen helfen dann auch den Städten beim Kalkulieren und Planen.

Es ist schrecklich, dass Tierheime häufig nicht wie Unternehmen geführt werden und Dienstleistungen auch nicht ausreichend vergütet werden.

Sparen scheint höchstes Ziel zu sein!

Gebäudearbeiten werden gemieden, aus Papierabfall werden kleine Notizzettel geschnitten, EDV soll immer möglichst billig oder kostenlos sein, Personal wird auf ein Minimum reduziert und bekommt kaum mehr als den Mindestlohn.

Tierheime machen aufwändige Aktionen und freuen sich über 1000 Euro mehr in der Kasse. Ein ermüdender Kampf um das kleine Geld, wenn auf der anderen Seite Kosten in Höhe von 300000 Euro lauern.

Profiteure sind die Städte und Gemeinden, die wie in Krefeld dann auch noch glauben, sie könnten es noch billiger machen.

Als wäre es nicht schon billig genug!

Kaum habe ich die letzten Zeilen geschrieben, lese ich im Internet, dass die Stadt Krefeld zumindest noch einen Monat die Hilfe des Tierschutzvereins in Anspruch nimmt. Zumindest bis zum 28.02.2015 und dann? Dann wird bestimmt wieder gerechnet! Oder?

Donnerstag, 18. September 2014

Arbeitsgemeinschaft §11 TierSchG

Am 16.09.2014 habe ich hier im Blog über die Probleme mit dem Paragraph 11 berichtet.

Heute wurde ich auf die Arbeitsgemeinschaft §11 TierschG aufmerksam.

Die Arbeitsgemeinschaft ist ein Team aus unabhängigen und renomierten Hundetrainern, Fachbuchautoren, Tierärzten und Wissenschaftlern.

Nadin Matthews (Fachbuchautorin, Dozentin), Thomas Baumann (Fachbuchautor, Sachverständiger), Sophie Strodtbeck (berat. Tierärztin, Dozentin), Gerd Leder (Hundetrainer, Referent) , PD Dr. Dr. Udo Gansloßer (Zoologe mit Schwerpunkt Verhaltens- und Säugetierbiologie), Mirko Tomasini (Hundetrainer, Fachbuchautor), Normen Mrozinski (Hundetrainer, Autor), Sami El Ayachi, LL.M. (Rechtsanwalt, Hundetrainer), Alexandra Grunow (Fachbuchautorin, Ausbilderin), Rovena Langkau (Fachbuchautorin, Ausbilderin), Anita Balser (Hundetrainerin, Dozentin), Günther Bloch (Kanidenforscher, Fachbuchautor), Angelika Lanzerath (Hundetrainerin, Sachverständige), Michael Eichhorn (Hundetrainer, Dozent), Andrea Kühne (Rechtsanwältin, Fachfrau für Kynotherapie)

(Es ist in meinen Augen etwas besonderes, dass so viele Fachleute aus der Hundewelt sich einig sind.)


Am 16.09.2014 hat diese Arbeitsgemeinschaft einen offenen Brief an den Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft Christian Schmidt verfasst.

Im Kern geht es um zahlreiche Kritikpunkte, was die Umsetzung des Paragraph 11 betrifft. Weiter wird die Überarbeitung gefordert.

Eine Erläuterung zu diesem Brief ist hier veröffentlicht.



Dienstag, 16. September 2014

Paragraph 11 - Ein (Alb)traum wird wahr?

Über viele Jahre wurde von der Hundefachwelt und von Tierschutzgruppen kritisiert, dass in Deutschland sich jeder Hundetrainer nennen darf.

Vor dreißig Jahren lernten die Hundespezialisten noch ihr Handwerk durch Erfahrung und Austausch mit Wissenschaftlern und Kollegen. Nicht selten war es die Liebe zum Hund aber auch der Zufall, der zur Gründung einer Hundeschule führte.

Unter den Trainern waren natürlich auch “schwarze Schafe“, die hauptsächlich über Schmerzreize trainierten. Im Grunde genommen, war das in Deutschland eine gängige Trainingsstrategie und die Trainer, die Alternativen suchten, wurden häufig belächelt.

Durch die immer stärkere Ausbreitung von Hunden in den Ballungsgebieten der Städte, hatten die Hundehalter auch immer höhere Anforderungen an die Erziehung der Hunde. Die Nachfrage nach Trainern und Hundepensionen stieg an.

Und immer mehr Trainer gingen von Mund zu Mund Propaganda zur Werbung über und schrieben sich ihre Qualifikationen auf die Fahne.

Aus dem Lernen in kleinen Gruppen und dem partnerschaftlichen Austausch mit Wissenschaftlern sind längst große Ausbildungsstätten geworden.
Studiengänge, Fernlehrgänge, Zertifizierungen, Wochenendseminare, Gruppen und Berufsverbände überfluten den Markt mit Hundetrainern.

Als ich im Januar 2010 angefangen habe im Internet über Hunde zu schreiben, war meine Motivation, dass ich zwei Mal von Hundetrainern falsch beraten wurde.
In einer Hundeschule wurde mein Problem übergangen, weil man keinen Trainingsansatz hatte.
Im zweiten Fall wurde mir in tierschutzwidriger Weise das völlige Ignorieren meines Hundes über einen Zeitraum von einer Woche zum vorbereitenden Trainingsaufbau empfohlen.

In beiden Fällen kamen die Trainer aus großen und bekannten Hundetrainerausbildungsbetrieben.

Ich sah deshalb nur die Möglichkeit mich selbst über Hunde zu informieren und diese Informationen auch an andere Hundehalter weiter zu geben, damit schwarze Schafe und falsche Berater von den Hundehaltern möglichst schnell erkannt werden.

Ab dem 01.08.2014 verlangt der Gesetzgeber eine Erlaubnispflicht für die Ausbildung von Hunden und die gewerbsmäßige Anleitung des Tierhalters zur Hundeausbildung.

Die Tätigkeit als Hundetrainer soll nun vom Veterinäramt genehmigt werden und die Sachkunde des Trainers soll durch Prüfungen nachgewiesen werden.

Eigentlich sollte damit genau das erreicht sein, was Tierschützer und Hundeexperten schon lange fordern.

Wenn sich der Gesetzgeber auch überlegt hätte, wer die nötige Bewertung von Hundetrainern durchführen soll und auch durchführen kann.

Teilweise werden bereits im Schnellverfahren Tierärzte geschult und mit der Prüfung erfahrener Hundetrainer beauftragt.
In den Prüfungsgremien einiger Bundesländer soll, nach Aussage einiger geprüfter Trainer, nicht nur Fachwissen, sondern auch Ideologien und Strömungen vertreten sein.
Institutionen verkaufen bereits Seminare, die für viel Geld auf die Prüfung vorbereiten sollen.
Zur intensiven Lobbyarbeit dieser Kursanbieter gehört es, dass sie teilweise selbst in den Prüfungskommissionen sitzen. Die nötige Unabhängigkeit muss hier zumindest stark angezweifelt werden!

Denkbar ist sogar, dass beispielsweise der renommierte Hundefachmann und wolfsforscher Günther Bloch, der 1975 in die Hundeszene eingestiegen ist, Schäferhunde gezüchtet hat, sich sein Wissen durch den Austausch mit renommierten Wissenschaftlern wie Eberhard Trumler oder Erik Zimen erworben hat, der bereits 1979 seine Arbeit als Hundetrainer begonnen hat und zahlreiche Bücher über Hunde und Wölfe veröffentlichte, demnächst in Deutschland keine Vorträge und Seminare mehr geben darf.
Es sei denn, er lässt sich von Tierärzten prüfen, die sich ihr nötiges Wissen in einigen Seminaren angeeignet haben und sogar selbst Bücher von Bloch im Regal stehen haben.

Durch dieses Beispiel wird das Problem gut erkennbar:

Da es bisher keinen vorgeschriebenen Werdegang zum Hundetrainer in Deutschland gab, müssen erst einmal gleiche Bedingungen für alle Trainer gelten, was den Nachweis ihrer Qualifikation betrifft.

Es darf nicht sein, dass Trainer, die bestimmten Organisationen oder Berufsverbänden angehören, einen Vorteil bei der Genehmigung haben.
Ich befürchte, die Zeit ist noch nicht reif, für einen Qualitätsstandard.

In den letzten Jahren kam es zu sinnlosen Auseinandersetzungen in der Hundeszene. Es wurde gestritten, ob der Hund besser Geschirr oder Halsband tragen soll, ob man Aggression durch Einwirken am Halti unterbrechen kann oder unerwünschtes Verhalten zu ignorieren ist.
Hundeverhalten wurde nicht analysiert sondern interpretiert und zum angeborenen Schicksal erklärt (Rudelstellung), Trainer wurden als Gewalttäter bezeichnet, wenn sie nur wagten an der Leine zu rucken (Pulsen).
Die ewigen Bedenkenträger, die alles wissen und alles können, schwören auf längst überholte Alphawolftheorien und wollen Probleme über dominantes Auftreten lösen. Der Rudelführer zeigt keine Schwächen!

Wer soll bei dieser Fülle an Strömungen und Uneinigkeiten wen nach welchen Kriterien prüfen?

Es kann doch nicht sein, dass die Gruppen die Standards definieren, die über Jahre die bessere Lobbyarbeit betrieben haben oder einfach nur bereits ein etabliertes Berufsbild vorweisen können (Tierärzte).

Die Beurteilung von Hundetrainern sollte bundesweit einheitlich erfolgen, nachvollziehbar sein und eine wissenschaftliche Grundlage haben.

Um ein solches Beurteilungsverfahren zu schaffen, sollte als erster Schritt ein unabhängiges Gremium gebildet werden, in denen kompetente Hundetrainer, Tierärzte und Wissenschaftler eine bundeseinheitliche Prüfung erarbeiten.
Dazu sollten verschiedene Videoaufnahmen von dieser Expertengruppe gesichtet werden, die dann unabhängig voneinander die Kommunikation Mensch-Hund und Hund-Hund beurteilen.
Nur die Punkte, in denen sich die Experten bei der Beurteilung einig sind, sollten zum Bestandteil der Prüfung werden.
Theoretisches Wissen kann als Multiple Choice Test geprüft werden.
Hierbei sollte vom Expertenrat eine Literaturliste zusammengestellt werden, mit der sich jeder Hundetrainer das nötige Wissen aneignen kann.
Auf aus wissenschaftlicher Sicht fragwürdige Literatur, sollte dabei verzichtet werden.
Abschließend könnten noch verschiedene Kundengespräche aber auch Trainingssequenzen gezeigt werden, um die Kommunikation zwischen Trainer und Hundehalter zu beurteilen. Auch in diesem Bereich sollten die Videos vorher von der Expertengruppe beurteilt werden und nur Ergebnisse zählen, in denen sich die Experten weitgehend einig sind.

Ziel ist es, eine ideologiefreie Prüfung zu schaffen, die eine faire und nachvollziehbare Beurteilung ermöglicht.

Dieser Beurteilung sollten sich dann aber auch alle stellen, die mit Hunden arbeiten und nicht nur die, die damit ihr Geld verdienen. Wenn es wirklich um Tierschutz geht, sollte es konsequent umgesetzt werden.

Dienstag, 2. September 2014

Neues vom Hundetrainerlehrgang mit Yvonne Wagner

Schon vor über einen Monat hat sich Yvonne Wagner bei mir gemeldet, um weiter von ihrer Ausbildung zur Hundetrainerin zu berichten.

Nun habe ich die Zeit gefunden, um Ihre Erzählungen ins Internet zu bringen.

Fangen wir ganz klein an - beim Welpen und dem Sinn und Unsinn von Welpenspielgruppen. Für Hundeschulen ist es sicherlich ein Selbstläufer, wenn der frischgebackene Hundehalter glaubt, sein Hund hätte ohne einen Welpenerziehungskurs keine Chance zum Überleben in unserer Gesellschaft.

Als während der Ausbildung von Yvonne eine Liste mit Dingen erstellt wurde, was ein Hund lernen sollte und was er in einer Welpenspielstunde von den anderen Hunden lernen kann, fand man nur wenige Punkte für die der Welpe andere Welpen braucht. Trotzdem werden in Deutschland immer noch zahlreiche Kurse
angeboten, in denen sich sehr viele Hunde zum ausgelassenen Spiel treffen und die Menschen in dieser Zeit sich mit anderen Hundehaltern austauschen.

Tatsächlich lernen die Welpen ständig und die meiste Zeit außerhalb der Welpenstunde, wenn der Trainer nicht anwesend ist. Deshalb sollte das Unterrichten des Halters erstes Ziel in der Welpengruppe sein und nicht nur das ausgelassenes Spiel mit Sitz, Platz und Fuß.

Kommandos werden immer noch mit Erziehung verwechselt. Teilweise wird in Welpenkursen angestrebt, dass ein Hund mit 15 Wochen ordentlich an der Leine geht und auch fremden Menschen bedingungslos folgt.

Diese Entwicklung findet Yvonne völlig verkehrt.

Sie zieht als Dogwalkerin die Konsequenz und wird keine Hunde mehr ausführen, die nicht mindestens vier Monate alt sind.

Yvonne Wagner nutzte die von ihr besuchten Kurse auch zur Sozialstudie und beobachtete das Verhalten von Menschen. Sie sah Hundehalter mit fragenden Gesichtern, Frust, Ärger und häufiges Vergleichen, ob der eigene Hund sich nun besser oder schlechter verhält, als der Hund der anderen Kursteilnehmer.

Guter Hund oder böser Hund - Stolz oder Scham!

Eine der stärksten Fähigkeiten des Menschen, den Humor, findet man kaum. Dabei bietet gerade der Humor, die Möglichkeit sich zu entspannen um mit Fehlverhalten souverän umzugehen.

Was aber ist Fehlverhalten? Der Hund, der dem fremden Kind im Park das Eis klauen will zeigt sicher kein Fehlverhalten im Sinne eines fehlerhaften Verhaltens oder einer Verhaltensstörung.

Da helfen auch Sitz, Fuss und Platz wenig, wenn die Signale nicht verpflichtend für den Hund sind. Ein gutes verpflichtendes Abbruchsignal wird schon
besser funktionieren oder ein schnelles körperliches Eingreifen, durch das der Hund lernen kann, dass dieses Verhalten kein Fehlverhalten ist aber ganz klar unerwünscht.

Die Antwort auf die Frage, welche Kommandos ein Hund können sollte, ist sehr individuell. Der Hund, der im Dorf ohne Leine täglich viele Stunden mit seinem Halter durch das Feld läuft, wird sicher nicht so viel lernen müssen, wie der Hund, der in der Großstadt in allen Situationen seinen Menschen begleitet. Daran sollten sich besonders die Hundeschulen orientieren, die mit individuelle Trainingskonzepte werben.

Denken hilft und neben der Vermittlung von Wissen, ist das Hinterfragen von Gegebenheiten ein wichtiger Bestandteil der Hundetrainerausbildung.

Dabei darf natürlich auch nicht fehlen, über die tragische Rolle des Hundes als Buhmann der Nation nachzudenken.

Vor Jahren fragte der Bürger noch, ob ein Hund lieb oder böse sei. Mittlerweile drückt sich der besorgte Mitbürger sehr fachmännisch aus und erkundigt sich, ob der Hund sich denn aggressiv verhält.

Selbst in amtlichen Gutachten ist zu lesen, dass ein aggressives Verhalten des Hundes nicht ausgeschlossen werden kann. Eine wirklich lächerliche Aussage, denn Aggressionsverhalten gehört zum Normalverhalten des Hundes. Was zählt ist, ob das Verhalten angemessen oder unangemessen ist.

Auch da sind Hundeschulen gefragt, den Haltern zu vermitteln, ob und wie man bei einem unerwünschten Aggressionsverhalten eingreifen soll.

Die vermenschlichende Sicht, die sich eine gesellschaftsfähige grundsätzliche Freundlichkeit wünscht, kann vom Hund nicht geteilt werden.

Vermenschlichende Sicht sorgt häufig auch zum Eskalieren einer Situation, die ohne Eingreifen völlig entspannt verlaufen würde.

Viel zu selten wird auf die Zeichen des Hundes reagiert.

Ein Hund soll bei Fuß gehen und kommt jemand der ihn dazu veranlasst einen Bogen zu machen, dann hat er aus der Sicht seines Besitzers wieder nicht "gehört". Dabei hat er nur ein deeskalatierendes Verhalten gezeigt.

Die Kunst besteht darin, die Aggression und deren Auslöser als Teil hündischen Verhaltens zu verstehen und diese in vertretbare Bahnen zu lenken. Eine gute Beziehung zum Hund und ein grundlegendes Wissen über Hundeverhalten mit der Fähigkeit mit dem Hund wirkungsvoll zu kommunizieren sind die Handwerkzeuge, an
denen Hundeschulen mit ihren Kunden arbeiten sollten.

Natürlich nicht verbissen, sondern mit einem großen Anteil Spaß und Humor

Freitag, 11. April 2014

Auf dem Weg zum Hundetrainer - Gedanken zu Beschäftigung und Bindung

Alles neu hinterfragen, was bisher gemacht wurde, ist das Fazit, der vergangenen Hundetrainerwoche von Yvonne Wagner.

Als sie Dr. Udo Gansloßer fragte, wann dieses ständige Hinterfragen und Umorientieren denn ein Ende hat, antwortete Dr. Gansloßer mit nur
zwei Worten:

"Hoffentlich nie!"


Im Vortrag und Seminar beleuchtete Gansloßer im Rahmen der Hundetrainerwoche die Themen "Stress beim Hund" und "Bindung / Beziehung zum Hund".

Als Wissenschaftler verzichtet er auf Ansichtssachen und orientiert sich an Fakten, die im Meer der verschiedenen Strömungen mittlerweile schon die Funktion einer Rettungsinsel haben.

Reden schwingen, über fehlende Auslastung und sinnvolle Beschäftigung des Hundes können viele Hundeschulenbetreiber. Dadurch wird ein künstlicher Bedarf erzeugt der mit verschiedenen Beschäftigungsmodellen von den Hundeschulen gedeckt werden.

Wie viel Ruhe und wie viel sinnvolle Auslastung der Hund aber wirklich benötigt, interessiert selten. Mittlerweile warnen schon viele Hundeexperten, dass unsere Hunde überbeschäftigt sind und an fehlender Ruhe leiden.

Yvonne Wagner stellt sich die Frage, ob sie als zukünftige Hundetrainerin an diesem Beschäftigungswahn teilnehmen will.
Schließlich können gerade die beliebten und geldbringenden Gruppenkurse keine individuelle Auslastung für Mensch und Hund gewährleisten.

Rückblickend auf ihre damalige Schäferhündin fragt sich Yvonne, ob diese nicht gerade deshalb so ein normaler Hund war, weil kein Auslastungssport betrieben wurde. Sie war einfach immer dabei!

In einer Gesellschaft, in der Techniken und Hilfsmittel überall benutzt werden, fehlt der natürliche und hundgerechte Umgang mit dem Hund.

Die moderne Hundeschule sollte Antworten auf die Fragen geben:

-wie man mit einem Hund spielt ohne einen Ball in der Tasche zu haben

-wie man für seinen Hund attraktiv wird

-wie ich erkenne was für eine Typ mein Hund ist und wie ich ihm ein Leben mit für ihn angepassten Situationen biete

-wie helfe ich meinem Hund in unserer Gesellschaft klar zu kommen

Diese Fragen lassen sich nicht über klassische oder operante Konditionierung beantworten. Hier hilft die Rütteldose nicht und auch der Spezialist im "Zeigen und Bennenen" wird schnell an seine technischen Grenzen kommen.

Beziehung und Bindung sind kein technisches Problem. Nur mit einer gefestigten Beziehung ist sinnvolle Erziehung machbar.

Wie funktioniert aber diese Beziehung und was macht sie aus?

Yvonne Wagner sagt ganz treffend: " Mir wurde schnell klar, wir verlangen viel und geben wenig."

Vertrauen, Verlässlichkeit, Planbarkeit sind die Schlüsselfaktoren für eine gute Beziehung zum Hund.
Rituale und Regeln braucht der Hund, ab und an was auf die Mütze aber auch viele Freiheiten.

Wir leben miteinander in einer Gemeinschaft und so sollte es sich auch anfühlen.


Diesen Umgang mit Hunden ist älter als jedes Erziehungssystem. Hat der Mensch erst mal wieder einen Zugang zum Hund, wird es auch mit der Beziehung und der Erziehung wieder einfacher werden. Garantiert methoden- und hilfsmittelfrei.

Die Aufgabe einer modernen Hundeschule besteht zu einem großen Teil darin, den Menschen und den Hund zu verstehen. Das geht nicht in Gruppenkursen, weil jedes Mensch-Hund Team anders ist.

Wurde Mensch und Hund in seinen Eigenarten akzeptiert, kann versucht werden einen gemeinsamen Nenner zu finden.

Meist ist es notwendig die Sichtweise des Menschen zu verändern. Dies funktioniert aber nur, wenn der Mensch die Bereitschaft zeigt, sich auf Lösungen einzulassen. Wie schwierig das sein kann, wird jeder wissen, der mal versucht hat mit alten Gewohnheiten zu brechen. Noch schwieriger ist es, einen anderen Menschen von alten Gewohnheiten abzubringen.

Als Augenoptikermeisterin kennt sich Yvonne Wagner mit den Grenzen und Möglichkeiten einer Beratung aus. Überreden bringt nur kurzfristige Erfolge. Langfristig ist der Kunde nur zufrieden, wenn ihm Wahlmöglichkeiten geboten werden und er dann selbst die Entscheidung treffen kann. Auch hier helfen psychologische Techniken wenig, wenn vorher keine Beziehung aufgebaut wurde.

Es gibt keine Rezepte für eine gute Beziehung zum Hund. Es gibt nur einen Hinweis, den auch Günther Bloch immer wieder gibt:

"Wer einen Hund hält, sollte auch Hund leben."

Donnerstag, 20. Februar 2014

Der Maulkorb im Kopf

Im Film "Schweigen der Lämmer" wurde der gefährliche Psychopath “Hannibal Lector“ mit Zwangsjacke und Maulkorb für den sicheren Transport gefesselt.

Hollywood weiß es: Maulkörbe sind Symbol für das Unberechenbare und Gefährliche.
Ein Maulkorb löst bei vielen Menschen schlechte Gefühle aus.

Die tief sitzende Abneigung führt zu vielen Probleme mit Hunden, die einen Maulkorb tragen oder tragen sollten:

Menschen wechseln die Straßenseite und sprechen von Euthanasie, sobald sie einem Hund mit Maulkorb begegnen.

Tierheimhunde sind kaum vermittelbar, wenn das Wort "Maulkorb" im Vermittlungsgespräch ausgesprochen wird.

Der Maulkorb wird von einigen Tierschützern als Folterinstrument gesehen.

Einige Hundetrainer warnen pauschal vor eingeschränkter Kommunikationsmöglichkeit und sprechen davon, dass sich der Hund nicht wehren kann, wenn er angegriffen wird.


Daniela Sommerfeld, Leiterin der Hundepension auf der Hund-Farm Eifel, hat da ganz andere Erfahrungen mit Maulkörben gemacht:


In unserer Hundepension praktizieren wir seit 1977 die Gruppenhaltung von Hunden.

Durch unsere Erfahrung mit verschiedenen Hundetypen können wir sagen, dass Hunde die einen Maulkorb tragen, sehr gut damit zurecht kommen.

Maulkorbhunde zeigen in der Regel keine Auffälligkeiten in der Kommunikation mit anderen Hunden.

Sie meistern Konflikte mit anderen Hunden sehr gut, denn Hunde benötigen dafür nicht unbedingt ihre Zähne. Gerade der Maulkorb bietet
die Möglichkeit hündische Kommunikation ohne Angst auch mal gelassen zu betrachten.

In einer wissenschaftlichen Untersuchung, die von Nicole Elsing und Ivonne Spitzley (mit Unterstützung von Dr. Udo Gansloßer) durchgeführt wurde, konnte kein erhöhter Cortisolwert (Stresshormon) bei Maulkorbhunden festgestellt werden.

Es kann also davon ausgegangen werden, dass ein Maulkorb nicht zur erhöhten Belastung bei Hunden führt.

Voraussetzung ist natürlich, dass der Hund langsam und fachgerecht an den Maulkorb gewöhnt wurde. Ziel der Gewöhnung ist, dass der Hund den Maulkorb so selbstverständlich trägt, wie sein Halsband.

Diese Argumente sollten aber nicht als Argumente für eine generelle Maulkorbpflicht missbraucht werden.

Durch den Maulkorb wird zumindest das mimische Ausdrucksverhalten beim Hund eingeschränkt. Kampfspiele und Maulringen sind durch den Korb nur noch eingeschränkt möglich.

Schon deshalb sollte von einer generellen Maulkorbpflicht, wie sie immer wieder von schlecht informierten Politikern gefordert wird, Abstand genommen werden.

Jenseits solcher hysterischen Forderungen ist der Maulkorb aber ein nützliches Hilfsmittel.

Stress und Schmerzen können dazu führen, dass ein Hund beim Tierarzt den behandelnden Arzt oder auch seinen Besitzer beißt. Dies ist ein völlig normales und nachvollziehbares Hundeverhalten.

Leider benutzen Tierärzte zur Absicherung sehr häufig Röhren aus Nylon, die über den Fang des Hundes gezogen werden. Diese Röhren drücken den Fang zusammen und erschweren die Atmung.

Viel einfacher wäre es, wenn der Hundehalter mit seinem Hund vorbeugend und rechtzeitig ein Maulkorbtraining macht und der Hund den Korb auch schon mal in erfreulichen Sitzationen tragen würde.

Diese vorbeugende Maßnahme erleichtert auch den Umgang mit dem Hund im Falle einer plötzlich auftretenden Verhaltensveränderung.
Beißt der Hund plötzlich, dann kann erst der Maulkorb die nötige Sicherheit im Umgang mit dem Hund gewährleisten.

Am Ende ist es häufig so, dass nicht die Angst vor dem Hund, sondern die Angst vor dem Maulkorb zur unnötigen Abgabe oder sogar zur Euthanasie eines Hundes führt.

Tierheimhunde, die einen Maulkorb tragen müssen, sind schwer vermittelbar.
Der Grund dafür ist häufig noch nicht einmal Problemverhalten des Hundes, sondern die Tatsache, dass der Hund in manchen Situationen einen Maulkorb tragen soll.
Der gleiche Hund könnte häufig ohne Hinweis auf einen Maulkorb schneller vermittelt werden.

Wie sollen Tierheime einen Hund rechtssicher vermitteln, wenn der nötige Hinweis auf den Maulkorb schon abschreckt? Wie soll ein Hund, der sich erfolgreich durch Beißen durchsetzen kann, ein neues Verhalten lernen?

Nach dem ersten Schnappen reicht dann meist schon ein leichtes Drohen, um den Hundehalter in Angst zu versetzen. Am Ende kommt der Hund mit seiner aggressiven Kommunikation zum Ziel und das Verstärkt sein aggressives Verhalten.
Erst durch den Maulkorb wird diese Form der Kommunikation nicht mehr zum Erfolg führen und der Hund hat die Möglichkeit ein Alternativverhalten zu lernen oder sich an eine, als bedrohlich empfundene Situation, zu gewöhnen.

Viele Hunde, die beispielsweise nie gelernt haben, ihre Impulse zu kontrollieren, könnten mit Maulkorb sicher geführt werden.

Hunde, die im häuslichen Bereich bestimmte Ressourcen verteidigen, könnten sicher an neue Regeln im Haushalt gewöhnt werden.

Die Frage, wer auf dem Sofa liegt, könnte mit Hausleine und Maulkorb schnell beantwortet werden.


Es ist der Maulkorb im Kopf, der uns davon abhält dieses Hilfsmittel im Alltag so selbstverständlich zu nutzen, wie Leine oder Halsband.

Umdenken ist nötig, um erzieherisch eine unangemessene aggressive Reaktion des Hundes frühzeitig zu unterbinden. Das Verletzungsrisiko kann durch einen Maulkorb und einen guten Berater minimiert werden.

Sollte diese Erziehung bei einigen Hunden nicht hundertprozentig zum Ziel führen, könnten diese Hunde durch die Sicherung mit Maulkorb trotzdem noch ein glückliches Leben führen.

Mittwoch, 18. Dezember 2013

Cesar Millan: Die Glücksformel für den Hund: 98 Tipps vom Hundeflüsterer

Wer diesen Text liest, wird kein eindeutiges Statement bekommen, ob ich Cesar Millan gut finde oder nicht.

Wer Pro oder Contra sucht, wird hier nicht fündig.

Das Buch von Cesar Millan “Die Glücksformel für den Hund: 98 Tipps vom Hundeflüsterer“ ist ein Einblick in Cesars eigene Welt der Hundeerziehung.

Quellangaben fehlen und deshalb ist nicht nachvollziehbar, womit Cesar seine Aussagen begründet.

Seine Thesen, die meist im Zusammenhang mit dem “menschlichen Rudelführer“ stehen, scheinen eher persönliche Interpretation zu sein.

Trotzdem werden die von Cesar beschriebenen Methoden häufig funktionieren.
Vielen Anhängern von Cesar Millan wird es daher egal sein, ob die gelieferten Erklärungen richtig oder falsch sind.

Millan liefert in diesem Buch einfache Rezepte für den Hundehalter, die zum Erfolg führen können. Der Leser bekommt das positive Gefühl, ein Rudelführer zu sein oder einer werden zu können.

“Bewegung, Disziplin, Zuneigung“ lautet die Zauberformel. Diese Faktoren sind nicht neu und auch keine Erfindung von Cesar Millan.
Es gibt kaum einen Hundetrainer, der seinen Kunden nicht dieses Vorgehen empfiehlt.

Die Wirkung wird dadurch erzielt, dass die Veränderung im Umgang mit dem Hund eine soziale Neuorientierung des Hundes erfordert.

In dieser Umorientierungsphase kann der Hundehalter neue Regeln etablieren.

Die längeren Spaziergänge bereichern das Leben des Hundes und schaffen dadurch eine höhere Ausgeglichenheit.
Allerdings gibt es auch immer mehr Hunde, die Überbeschäftigt sind und Ruhe brauchen.

Zuneigung sparsam einsetzen ist ein einfaches Mittel, um den Wert dieser Belohnung zu erhöhen.

Ein Rudelführer, im Sinne einer Rangordnung im Wolfsrudel, wird aber kein Mensch durch die Einhaltung dieser Regeln.


Das teilweise falsche Bild vom Rudelführer ist vermutlich für den Verkauf des Buches wichtig.
Es erzählt die Geschichte vom modernen Dr. Doolittle, der als Rudelführer die Sprache der Tiere spricht. Mit den Techniken aus diesem Buch soll der Leser dies lernen können und dadurch sogar sein Leben verändern. Mich erinnert dies an amerikanische Selbsthilfebücher.

Beobachtungen an Wolfsfamilien im Freiland zeigen, dass die Rangordnung in einer Wolfsgruppe eher mit der Ordnung in einer menschlichen Familie vergleichbar ist.

Es spielt keine Rolle, wer in der Familie als erster ins Haus geht oder wer beim Spaziergang vorne läuft. Wolfsbeobachtungen zeigen, dass selbst Alphatiere im Rudel hinten laufen können ohne ihren Rang zu verlieren. Entsprechende Aussagen im Buch, die das Gegenteil behaupten, sind daher falsch.

Wem die Rangordnungsgeschichten von Cesar Millan gefallen, der darf natürlich an diesem Modell festhalten. Wer sich aber wirklich an der Natur orientieren möchte, der sollte die Bücher von Bloch und/oder Radinger lesen.

Der Wolfsforscher Günther Bloch schlägt vor, sich in der Beziehung zwischen Mensch und Hund mehr an der Beziehung zwischen Wolfseltern und Welpen zu orientieren.

Das “Modell“ der ausgeglichenen Energie, das Cesar Millan beschreibt, kann nützlich und wirkungsvoll sein. Besser fände ich es aber, wenn vom Gemütszustand des Halters gesprochen würde und nicht von einer Energie, die als etwas Übersinnliches oder magisches beschrieben wird.

Ein ruhiger und ausgeglichener Gemütszustand ist die Abwesenheit von hoher Erregung. Jede Erregung des Hundehalters wird auf den Hund übertragen und steigert häufig das Problemverhalten. In diesem Zusammenhang sind die Ratschläge von Millan durchaus brauchbar.

Ein Mensch, der Wut, Unsicherheit und Angst zeigt, der gestresst ist, wird im Einwirken auf den Hund kaum das richtige Maß finden und deshalb ist es erforderlich, dass jeder Hundehalter sich in Konfliktsituationen kontrollieren kann.

Cesar Millan gibt Hinweise, wie dieser entspannte Zustand herbeigeführt werden kann. Es werden Techniken vorgestellt, die auch von Schauspielern verwenden werden.

Leider wird die soziale Komplexität der Mensch-Hund-Beziehung durch die Rezeptstuktur des Buches, zu wenig berücksichtigt.

Cesar Millan fordert dazu auf, den Hund erst einmal als Tier zu sehen, dann als Hund, dann als Rasse und erst zum Schluss als Persönlichkeit.

Auch wenn klar wird, was der Autor damit sagen möchte, halte ich dieses Modell für problematisch, denn gerade die komplexe Persönlichkeit des Hundes ist es, die eine Erziehung auf Rezept schwierig machen kann.

Hundehalter sollten es besser umgekehrt machen und erst nach der Persönlichkeit ihres Hundes fragen. Was der Hund allgemein oder die Rasse speziell braucht, wird sich dann automatisch herausstellen.

Wer dafür ein Modell benötigt, der kann überlegen, ob sein Hund ein A-Typ oder ein B-Typ ist. Typ A ist erkundungsfreudiger und Typ B eher abwartend.

Eine weitere nützliche Einteilung ist die drei Klassengesellschaft der Hunde, wie sie Bloch beschreibt.

Da gibt es die Seelchen, das gesellige Mittelfeld und die Kopfhunde.

Im Internet findet sich hier eine gute Beschreibung zu diesen Einteilungen.


Mit wenigen Faktoren kann der Hundehalter seinen Hund Charakterisieren und erfährt sehr viel über seinen Hund, der eben doch erst mal eine Persönlichkeit ist.

Die Suche nach den Ursachen für ein Problemverhalten klammert Cesar Millan weitgehend aus.

Die Formel: “Bewegung, Disziplin, Zuneigung“ plus “ruhige Energie“ können aber nicht jedes Hundeproblem lösen.


Das in diesem Buch vorgestellte Modell kann durchaus eine nützliche Hilfe im Umgang mit dem Hund sein, wenn man es mit Sachverstand liest und nicht blind den Aussagen von Millan vertraut.

Ein Rudelführer, der alles kontrolliert und seine Rudelführerschaft durch ständiges Einschränken festigen muss, braucht keine Mensch-Hunde-Beziehung.

Entspannter geht es mit Kontrolle und Führanspruch, wo es nötig ist, weil der Mensch verantwortlich ist. Einige Regeln, die aufgestellt werden, weil der Mensch es möchte und nicht weil es ein Zeichen von Rudelführerschaft ist, können hilfreich sein.

Weil die Bücher von Cesar Millan nicht losgelöst von seinen Fernsehshows gesehen werden können, möchte ich diesbezüglich sagen, was unbedingt gesagt werden sollte:


Wer die Fernsehserien von Millan gesehen hat, der wird von den schnellen Erfolgen begeistert sein.

Die Warnung, die der Sender bei der Ausstrahlung anbringt, sollte wirklich ernst genommen werden. Ein massives Einwirken auf einen Hund, kann nur - wenn überhaupt – nach eingehender fachlicher Analyse erfolgen und sollte immer entsprechend kompensiert werden.

Dies erfordert ein hohes Fachwissen und viel Erfahrung im Umgang mit Hunden.

Dies ist eine wichtige Warnung für alle, die glauben, sie seien nach dem Lesen des Buches in der Lage mit gefährlichen Hunden zu arbeiten!

Darüber hinaus ist für mich jede Hundeerziehungsshow in erster Linie darauf ausgelegt die Massen zu unterhalten. Für die Unterhaltung der Massen und die damit verbundene Einschaltquote aber auch für den höheren Bekanntheitsgrad der Protagonisten ist scheinbar jedes Mittel erlaubt.

Früher wurden die Raubtierbändiger im Zirkus bejubelt, die ihren Kopf ins Maul des Löwen legten. Heute ist der Hund das Raubtier und man bejubelt die Wunderheilungen im Fernsehen.

Das Volk sollte unbedingt den Unterschied zwischen Realität und Zirkuswelt begreifen. Sonst kann es schnell für Hund und Mensch gefährlich werden.

Montag, 16. Dezember 2013

Zweite Woche auf dem Weg zur Hundetrainerin

Yvonne Wagner hat die zweite Woche auf dem langen Weg zur ausgebildeten Hundetrainerin hinter sich gebracht.

Wer dieses Blog verfolgt, kennt sie schon und hat die erste Woche miterlebt. Voller Zweifel und ganz bei sich selbst und ihrem Hund hat sie nach ihrer ersten Ausbildungswoche vieles hinterfragt, was bisher für sie nicht beachtenswert war.

In die zweite Woche startete sie mit mehr Selbstsicherheit und Freude und endete mit der Gewissheit, wahrscheinlich nie wieder unbefangen einen Hundehalter mit seinem Hund beobachten zu können. Auch die beliebten Hundeerziehungsunterhaltungsshow wird sie nie wieder ohne inneren Aufschrei sehen können.

Besonders groß ist ihr Aufschrei, wenn Erziehungshilfsmittel im Fernsehen, Zeitschriften oder Bücher ohne ausreichende fachliche Anleitung vorgestellt werden. Die Gefahr ist groß, dass ohne Anleitung das Hilfsmittel falsch eingesetzt wird. Nicht selten führt das zu noch größerem Problem beim Hund.

Eine wichtige Aufgabe einer Hundetrainerin besteht darin, die richtige Anwendung eines geeigneten Hilfsmittels dem Kunden zu vermitteln. Das geht nur über praktisches Üben und das kann kein Buch und keine Fernsehserie leisten.

Häufig wird das in Hundeschulen nur unzureichend gemacht und viel mehr auf kundenbindende Maßnahmen gesetzt. Die Kasse klingelt eben länger, wenn der Kunde drei Zehnerkarten Beschäftigungsprogramm kauft, als zwei Einzelstunden, wo dem Kunden der richtige Umgang mit Halti vermittelt wird.

Zugegeben kann dies nicht getrennt werden und die Beschäftigung ist häufig ein wichtiges Element eines ganzheitlichen Trainings. Neben den Hilfsmitteln in der Hundeerziehung ging es deshalb auch um die sinnvolle Auslastung eines Hundes. Sinnvoll ist für viele, eine rassespezifische Beschäftigung, was aber auch nicht immer unkritisch ist. Yvonne hat eine ganz klare Meinung, was bei ihr ein Welpe im ersten Jahr machen sollte. In Stichworten nennt sie: "Ruhe, Entspannung, körperliches Spiel beim und mit dem Menschen, Frust ertragen lernen, Eindrücke in kleine Häppchen sammeln."

Für erwachsene Hunde bevorzugt sie das Longieren und die Fährtenarbeit als geeignete Beschäftigung.

Wichtig ist ihr aber auch, dass Beschäftigung nicht immer Sport sein muss. Beim normalen Spaziergang kann vieles den Familienhund sinnvoll beschäftigen und es sollte auch keine Dauerbeschäftigung betrieben werden. Das Bedürfnis nach Ruhe und langen Schlafphasen vergessen viele Menschen, die davon überzeugt wurden, dass ihr Hund nicht ausgelastet sei.

Das Thema Beschäftigung ist ein Reizthema! Schließlich leben sehr viele Leute von Beschäftigungsangebote für Hunde(halter). Vereine haben sich gegründet und Wettbewerbe werden ausgetragen, um Hunde im Alltag zu beschäftigen. Solange es nur um harmloses Hürdenlaufen oder Treibball geht, bleibt die breite Masse beim Thema Hundesport noch unberührt. Geht es aber um die Hobbyausbildung eines Schutzhundes, dann erhitzen sich die Gemüter sehr schnell.

Noch emotionaler wird es, wenn über Hunderassen kontrovers diskutiert wird. Über Kampfhunde darf von Hundeleuten nur positiv gesprochen werden, um nicht noch Wasser auf die Idiotienmühlen mancher Politiker zu gießen. Von Qualzuchten wollen Zuchtvereine und Rassenliebhaber auch nichts wissen. Die Dinge sind aber nun mal so, wie sie sind und wenn Hunde ohne tägliche pflege oder frühe medizinische Hilfe nicht lange überleben könnten, dann handelt es sich nicht mehr um gesunde Hunde.

Welche Rasse ist denn nun die geeignete Familienrasse?

Erste Informationen bekommen zukünftige Hundebesitzer aus dem Internet. Da gibt es eine Mischung aus guten Ratschlägen, Vorurteilen und pauschale Regeln für den Welpenkauf. Der Golden Retriever gilt als der leicht erziehbare Familienhund. Yvonne ist aber davon überzeugt, dass sie einen Schäferhund aus guter Zucht viel eher in eine Familie stecken würde.

Pauschal kann wahrscheinlich keine Entscheidung alleine nach Rasse getroffen werden und bestimmt reichen einige Stunden im Internet oder der Ratschlag von Freunden nicht aus.

Häufig wird das Aussehen des Hundes und der persönliche Geschmack eine große Rolle spielen. Wichtig ist aber dann eben auch, dass die Familie die spezifischen Eigenarten einer Rasse kennt und darauf achtet, dass die Zucht gesund ist und nicht zu den Qualzuchten gehört.

Eine Woche ist vergangen, in der sch Yvonne mit unterschiedlichen Hunderassen und deren Eigenarten, mit zahlreichen Hilfsmitteln und deren Verwendung und mit dem Thema Beschäftigung auseinandergesetzt hat. Viele ihrer Ansichten zu den Themen sind kritischer geworden. Manchmal verliert sie den unbeschwerten Blick auf die Hundewelt und schnell werden ständige Kritiker zum unbeliebten Querulanten. Das ist eine große Gefahr! Leute lieben die einfachen Rezepte, die in vielen Hundeschulen, im Fernsehen oder über Bücher angeboten bekommen. Als zukünftiger Hundetrainer ist man auch gefordert, diese Beratungsgespenster wieder aus den Köpfen der Leute zu bekommen. Wie erstaunt ist mancher Kunde, wenn die Trainerin dem Border erst einmal Zwangsruhe verordnet, obwohl im Fernsehen die Sportart Treibball empfohlen wurde.

Yvonne hat keine Zweifel daran, dass sie in naher Zukunft als Hundetrainerin tätig sein wird. Das ist sie den Hunden schuldig. Wer sich das nötige Wissen angeeignet hat, sollte es nicht für sich behalten. Allerdings ist sie skeptisch, ob sie die Hundehalter überzeugen kann. Denn viele Menschen sehen die Dinge einfach anders, als ein Hundetrainer. Für diese Menschen sind die Ansichten wohl nur schwer verständlich.

Doch bevor sie sich darum Gedanken macht, macht sie erst einmal ihre Ausbildung zu Ende.