Freitag, 16. April 2010

Der hundepolitischer Abend in Düsseldorf (14.04.2010)

Am 14.04.10 trafen sich Dr. Udo Gansloßer und Günther Bloch in Düsseldorf, um über Hundepolitik in Deutschland zu sprechen und die Verantwortlichen zu informieren.

Auf die Frage, wie viele Politiker im Saal sind, meldete sich nur eine Politikerin.
"Die wissen alles und können alles...", scherzte Bloch.

Dr. Udo Gansloßer sprach über Sinn und Unsinn eines Wesenstests. Es wurde schnell klar, wie komplex das Thema Wesen und Wesenstest aus wissenschaftlicher Sicht ist. Was zur Zeit in Deutschland als Wesenstest durchgeführt wird ist wissenschaftlicher Unfug, teilweise tierschutzrelevant und gefährlich.
Diese Kernaussage untermauerte Gansloßer mit wissenschaftlichen Untersuchungen.

Von Gansloßer konnte man dann erfahren, wie wenig Verhalten vererbt wird und was das für die angenommene Gefährlichkeit bestimmter Hunderassen bedeutet.

Konstruktive Ansätze für einen sinnvollen Wesenstest waren zu erkennen, als Gansloßer ein einfaches Modell der "Charakter"analyse und ein komplexeres Modell (aus der Humanpsychologie) beschrieb.

Abgerundet wurde der Vortag durch witzige Anekdoten über Gerichtsurteile und politische Entscheidungen, die ganz klar erkennen lassen, weshalb es in Deutschland so schwierig ist an bestehenden Vorschriften etwas zu ändern bzw. sinnvolle Gesetze und Verordnungen zu schaffen.

Günther Bloch erinnerte die Anwesenden daran, was Demokratie ist oder wie Demokratie sein sollte.

"Schreiben Sie noch heute Abend ihre Landtagsabgeordnete an!", ermutigte er.

Ich werde hier im Blog darüber berichten, wer geantwortet hat und welche Antworten ich von den Abgeordneten in Mönchengladbach bekommen habe.

Der Vortrag von Bloch war auch Wasser auf die Mühlen vieler, die das Verhalten der Hundehalter in der Öffentlichkeit zu Recht kritisieren. Deutlich sprach er davon, wie rücksichtslos und egoistisch mancher Hundehalter seinen Hund führt. In der Öffentlichkeit hat der Hund sich zu benehmen! Dies war eine wichtige Aussage von Günther Bloch!

Natürlich konnte Bloch es nicht lassen auch über Erziehung und über den Wolf zu sprechen, was aber in diesem Zusammenhang auch nicht am Thema vorbei ging!

Generelle Leinenpflicht wird bei vielen Hunden zu Problemen führen. Hunde sollten nach Möglichkeit da frei laufen, wo sie keinen gefährden oder belästigen können. Dies heißt nicht, dass ein Hund nicht auch mal an die Leine zu nehmen ist, wenn es die Situation erfordert.

Zu kleine Auslaufflächen steigert die Auseinandersetzung der Hunde untereinander. Deshalb ist eine kleine Hundewiese nicht immer eine sinnvolle Lösung. Die erforderliche Größe eines Hundeauslaufgebietes ist abhängig von der Hundedichte, vom Hund (Rasse, groß oder klein) aber auch von der Struktur des Gebietes. So kann ein abwechslungsreiches Gebiet mit Versteckmöglichkeiten, Anhöhen, Bäumen etc. kleiner sein, als eine ebene Hundewiese.

Beeindruckend fand ich, die Überlegung einen Hund, von dem eine gesteigerte Gefahr ausgeht, mit Maulkorb zu führen aber die generelle Leinenpflicht zu erlassen.

Das Argument war einleuchtend: Weshalb soll ein Hund, der durch einen Maulkorb gesichert ist auch noch an der kurzen Leine geführt werden? Das ständige führen an der Leine kann stärkere Probleme verursachen.

Auf die Rasseliste bezogen wurde noch einmal ganz deutlich erklärt, wie sinnlos eine solche Liste ist und die damit verbundenen Auflagen sind.

Das Thema großer und kleiner Hund, wurde auch angesprochen. So sieht Bloch die Forderung "Große Hunde aus der Stadt raus und kleine Hunde in die Stadt rein", als völliger Unsinn an. Der große Hund ist häufig ruhiger und langsamer, er fällt nicht durch gesteigertes Beutefangverhalten auf und ist häufig toleranter, da widerstandsfähiger, wenn sich ein Kind mal auf ihn drauf stürzt.

Das gesteigerte und unkontrollierte Beutefangverhalten beschrieb Bloch, als eine ernstzunehmende Gefahr. Es sind nicht unbedingt Aggressionen, die für das Beißen verantwortlich sind. Der Auslöser kann auch aus dem Funktionskreis des Beutefangverhaltens kommen. Günther Bloch erinnert noch mal daran, wie bei einem Hund durch pausenloses Stöckchenwerfen das Beutefangverhalten gesteigert werden kann und welche Verantwortung der Hundehalter hier hat.

Etwas verantworten zu können, setzt Fachwissen voraus. Beratung und Sachkundetest VOR dem Hundekauf sind dringend erforderlich.

Der Abend endete mit einer kurzen Diskussion. Hier beklagten sich viele Hundehalter über Hundehalter und es wurde noch mal einiges über den Maulkorb gesagt. Udo Gansloßer versprach einmal zu untersuchen, ob ein Hund, der gut an einen Maulkorb gewöhnt wurde, durch einen vernünftigen (!!!) Maulkorb beeinträchtigt wird. Daniela Sommerfeld, Leiterin der Hundepension Eifel berichtete über ihre Erfahrungen mit Maulkörben. Hunde können trinken, hecheln, sogar an Stöcken knabbern, werden selten von anderen Hunden als "befremdlich" angesehen. Bei Auseinandersetzungen haben auch Hunde im Maulkorb die Möglichkeit sich zu wehren. Eine Auseinandersetzung unter Hunden setzt nicht die Fähigkeit zum Beißen voraus. Betonen möchte ich, dass ich den Eindruck hatte, Bloch ist falsch verstanden wurden. Es ging ausschließlich um Hunde, die ein erhöhtes Gefahrenpotential haben. Er plädiert nicht für eine generelle Maulkorbpflicht, da dies ja auch absolut nicht notwendig ist.

Zum Schluss versprachen Dr. Udo Gansloßer und Günther Bloch noch eine Forderung zu verfassen, die sie auf die Seite der PET Group stellen werden. Mit dieser Forderung können Bürger Unterschriften sammeln. Sobald Bloch und Gansloßer ihr Versprechen eingelöst haben, werde ich hier im Blog berichten.

Bis dahin kann ich nur die Kernaussage der Veranstaltung wiederholen:

"Informieren über das Thema und Fax, Brief oder eMail an die Politiker, noch vor der Landtagswahl!"