Donnerstag, 22. April 2010

Protest gegen den Verein Tierschutz-Mönchengladbach

Der Verein Tierschutz-Mönchengladbach e.V. mit seiner ersten Vorsitzenden Charlotte Kaufmann steht zur Zeit im Kreuzfeuer der Kritik.

Die Sachlage aus verschiedenen Presseartikeln und Internetforen zusammenfassend:

Ein Vereinsmitglied des Tierschutz-Mönchengladbach e.V. schrieb einen Bief mit zahlreichen Vorwürfen gegen Frau Kaufmann und den Verein und schickte ihn an mehrere offizielle Stellen.

Dieser Brief führte dazu, dass diesem Vereinsmitglied, nach Wahl der stimmberechtigten Mitglieder, die Mitgliedschaft gekündigt wurde.

Das gekündigte Mitglied ging in die Öffentlichkeit und erhob Vorwürfe gegen Frau Kaufmann, die als "20 Fragen an Frau Kaufmann" in einigen Internetforen erschienen.

Im Zuge interner Auseinandersetzungen im Verein wurde drei weiteren Vereinsmitgliedern die Mitgliedschaft gekündigt.

Die demokratischen Prozesse im Verein werden kritisiert. Es heißt alle wahlberechtigten Mitglieder des Vereins Tierschutz-Mönchengladbach e.V. sind mit Frau Kaufmann befreundet
oder von ihr abhängig und folgen blind ihren Anweisungen. Kritiker werden abgewählt oder gekündigt.

Herr Kohberger, ehemaliger Leiter des Tierheims, hat Frau Kaufmann beim Veterinäramt angezeigt, weil diese Kaninchen ausgesetzt haben soll. Aufgrund dieser Anzeige wurde Kohberger gekündigt.

Einige Tage später unterzeichnen einige Mitarbeiter des Tierheims einen Brief an den Bürgermeister mit der Bitte um Unterstützung.

Frau Kaufmann wird ein diktatorischer Führungsstil vorgewurfen. Tierheimmitarbeiter hatten Angst um ihren Arbeitsplatz und haben deshalb Mißstände nicht zur Sprache gebracht und sind regelrecht zu positiven Äußerungen gezwungen wurden.

Zur Zeit wird von Bürgern öffentlich protestiert und es werden Unterschriften gesammelt. Von der Stadt Mönchengladbach wird verlangt zu reagieren.

Hier geht es zu einigen Zeitungsartikeln (rp-online), die sich mit dem Thema beschäftigen. Stimmungen geben die Leserkommentare wieder.

Vorstand schadet dem Tierheim

Zoff im Tierheim

Nach Tierheim Zoff - Kritik wächst

Ehemalige Tierheimleiterin erstattet Anzeige

Tierheim: Ringen um Lösungen

Der Streit im Tierheim eskaliert


Tierheim Streit - Klage gegen die Vorsitzende?


Nach Streit: Neuer Leiter für das Tierheim

Tierheim-Streit eskaliert

Tierheim-Vorsitzende setzte Kaninchen aus

Tierheimleiter gefeuert



Hilferuf aus dem Tierheim


Tierfreunde wollen Tierheim retten

Mich störte, wie wenig Frau Kaufmann zu diesen ganzen Vorwürfen gesagt hat. Ich denke, auch die Menschen, die zur Zeit kritisieren, wünschen sich eine Stellungsnahme von Frau Kaufmann.

Aus diesem Grund habe ich Frau Kaufmann um ein Interview gebeten. Hier können Sie lesen, wie Frau Kaufmann die Dinge sieht:


Frau Kaufmann, wieso haben Sie so lange zu den Vorwürfen geschwiegen und gehen jetzt erst an die Öffentlichkeit?

C.K.
Auseinandersetzungen im Tierschutz sind nicht selten. Vorwürfe werden häufig gemacht. Solange es nur Vorwürfe sind, die nicht bewiesen werden können, will ich mich nicht mit jeden Vorwurf
auseinandersetzen.
Es bringt ja auch nichts! Im Internet können Sie sehen, wie sachlich manche Leute urteilen. Bei jedem der skeptisch ist oder sogar positives schreibt wird gesagt, er sei abhängig von mir,
eingeschüchtert oder naiv.



Gut! Aber weshalb reagieren sie jetzt?

C.K.
Um zumindest die Menschen zu erreichen, die auch die andere Seite betrachten wollen und sich dann, wenn sie alles gehört haben, eine Meinung bilden. Die Angriffe hören ja auch nicht auf.


Welche Aufgaben im Tierheim übernimmt der Verein, was macht die Stadt, wem gehört das Grundstück?

C.K.
Der Verein ist Träger des Tierheims! Die Stadt unterstützt uns finanziell, was aber nur einen Teil der Gesamtkosten deckt. Das Grundstück gehört der Stadt! Die Stadt kann dem Verein keine Anweisungen geben. Natürlich ist es der Stadt möglich, den Mietvertrag zu kündigen, die finanzielle Unterstützung einzustellen und das Tierheim selbst zu leiten oder an einen anderen Verein zu übergeben. Das verlangen ja mancher Kritiker von der Stadt.

Möchten Sie was zum Vorwurf sagen, Sie hätten die Anweisung gegeben Kaninchen auszusetzen und damit deren Tod riskiert?

C.K.
Möchte ich nicht, denn die Anweisung hat Frau Dickmanns gegeben.

Jasmin Dickmanns:
Das stimmt! Die beiden Kaninchen sind Hauskaninchen, die sich mit Wildkaninchen verpaart haben. Das kommt vor!

(Erläuterung: Die beiden Kaninchen sind keine Hauskaninchen, die sich (im Tierheim) verpaart haben. Die beiden Kaninchen sind Mischlinge!
Eine Mischung aus Haus- und Wildkaninchen, die im Tierheim abgegeben wurden. Auf den irreführenden Satz machte mich ein Leser aufmerksam. Ich wollte den Originaltext aber nicht mehr ändern. Mein Fehler! Da habe ich etwas aus dem Zusammenhang gerissen bzw. zitiert.)

Die Kaninchen waren nicht verträglich mit Hauskaninchen. Wegen dem Anteil Wildkaninchen hätte ich die Tiere auch nicht in einen kleinen Käfig sperren können.
Das wäre in meinen Augen ein Verstoss gegen den Tierschutz gewesen. Ich habe die Kaninchen umgesiedelt, auf eine Wiese hier im Tierheim. Da sitzen die immer noch.


C.K.
Der Amtstierarzt ermittelt in dieser Sache. Er entscheidet, ob wir mit der Umsiedlung die Tiere gefährdet haben. Sollte das so sein, dann wurde ein Fehler gemacht und wir werden dann für die Kaninchen einen anderen Platz suchen müssen.


Der Leiter des Tierheims hat Sie (Frau Kaufmann) beim Veterinäramt angezeigt, weil Sie die Anweisung gegeben hätten, die Kaninchen auszusetzen. Nach der Anzeige kam es zur Kündigung des
Tierheimleiters. Damit war einerseits zu rechnen aber auf der anderen Seite, ganz nüchtern
betrachtet, wäre es doch erfreulich, wenn jeder Tierheimleiter Mißstände zur Anzeige bringen kann, ohne seinen Job zu verlieren. Warum die Kündigung?

C.K.
Ich verlange von unseren Mitarbeitern, erst das Gespräch zu suchen und dann den offiziellen Weg zu gehen. Das ist nicht ungewöhnlich in einem Betrieb. Bei einer Anzeige sollte der Mitarbeiter auch darauf achten die richtige Person zu beschuldigen und er sollte seine Vorwürfe beweisen können.
Ausschlaggebend für die Kündigung war aber ein Gespräch mit den betroffenen Personen. Dabei war zu erkennen, dass eine weitere Zusammenarbeit nicht mehr sinnvoll ist.



Weshalb hat sich der Verein entschieden den drei Vorstandsmitgliedern die Mitgliedschaft zu kündigen?

C.K.
Vereinsinterne Streitigkeiten! Der Vorstand war in zwei Lager gespalten! Für die Mehrheit der Vorstandsmitglieder war zu erkennen, dass einige Vorstandsmitglieder versuchten die Stimmenmehrheit zu bekommen. Welches Ziel sie damit erreichen wollten ist nicht ganz klar. Uns war auch nicht klar, wie die abgewählten Vorstandsmitglieder zu dem Brief des ehemaligen
Vorstandsmitglied standen. Der Brief war voller Vorwürfe gegen den Verein und XXX wurde sogar persönlich und beleidigend. Mit der fehlenden Distanzierung von diesem Brief und den Versuchen die Stimmmenmehrheit im Verein zu bekommen, war das Vertrauen zu den Vorstandsmitgliedern so gestört, dass sie vom übrigen Vorstand abgewählt wurden.



Die Öffentlichkeit reagiert auf die Kündigungen der Kritiker. Wer den Mund aufmacht fliegt raus, ist die Kernaussage. Ein guter Schritt wäre es aus diesem Grund, einen Teil der
personalentscheidungen der Stadt zu überlassen, die ja auch mit Ihren Geldern (Steuergelder) unmittelbar Teile des Personals bezahlt. Wäre es möglich zumindest die personelle Entscheidung über die Tierheimleitung an die Stadt zu übergeben?

C.K.
Nein! Unser Verein leitet das Tierheim und personelle Entscheidungen sollen auch vom Verein getroffen werden. Der zukünftige Tierheimleiter muss aber dem Amtstierarzt vorgestellt werden. Der kann seine Bedenken äußern.


Ein weiterer Schritt kann es sein, die Satzung des Vereins so zu ändern, dass der Vorstand nach einer bestimmten Zeit von allen Mitgliedern neu zu wählen ist. Was würde dagegen sprechen?

C.K.
Die wahlberechtigten Mitglieder unseres Vereins wählen den Vorstand. Dieser wird auch regelmässig neu gewählt. Das haben wir so in unserer Satzung. Innerhalb der Gruppe werden dann die Positionen 1. Vorsitzende, 2. Vorsitzende und Schatzmeister bestimmt.

Das heißt aber dann auch, dass der Vorstand den Vorstand wählt?

C.K.
Ja, so ist es! Jedes Vereinsmitglied kennt unsere Satzung schon bevor es Mitglied wird. Ich werde doch nicht Vereinsmitglied in einem Verein, in dem mir die Satzung nicht gefällt. Seltsam, wenn diese Mitglieder oder ehemaligen Mitglieder diese Satzung auf einmal kritisieren. Wir halten den Verein klein und wollen keine Vereinsmeierei! Zur Zeit sehen wir, was sogar in unserem kleinen Verein passieren kann. Die kleine Gruppe bedeutet für den Verein Sicherheit und Stabilität. Ständige Versuche den Vorstand abzuwählen, um sich selbst oder eine andere Gruppe in den Vorstand zu bringen, brauchen wir nicht.


Es wird vorgewurfen, es sind Tiere ausgesetzt oder sogar eingeschläfert wurden. Gibt es im Tierheim keinen Nachweis darüber welche Tiere reinkommen und wo die Tiere geblieben sind? Wäre eine jährliche Inventur nicht sinnvoll?

C.K.
Die gibt es! Jedes Tier wird in unsere Bücher eingetragen. Der Amtstierarzt macht Stichchproben und prüft diese Bücher.


Zurück zu den Vorwürfen! Ich habe Ihnen ja schon angekündigt, dies wird ein kritisches Interview und kein Gefälligkeitsinterview. Deshalb will ich auch alle Vorwürfe die mir bekannt sind zumindest kurz ansprechen. Deshalb stelle ich Ihnen hier die "Zwanzig Fragen an Frau Kaufmann", wie sie im Internet zu finden sind.

C.K.
Muss das wirklich sein? Der Unsinn! Ich beantworte Ihnen persönlich gerne jede Frage, möchte mich aber nicht zu einem solchen Unsinn öffentlich äußern. Jeder der etwas zu beanstanden hat, sollte - nein er muss - das sofort zur Sprache bringen. Unser Tierheim wird vom Amtstierarzt kontrolliert und im Zweifel befragen wir ihn, unser behandelnder Tierarzt hat die nötige Ausbildung, die Bilanzen können jederzeit eingesehen werden, über die Tiere wird Buch geführt. Kein Vorwurf wurde bisher bewiesen und zur Anzeige gebracht.


(Frau Kaufmann beantwortete die "Zwanzig Fragen". Ich hätte die Antworten gerne hier veröffentlicht, respektiere aber den Wunsch von Frau Kaufmann und führe deshalb die Antworten hier nicht auf.)



Raum für Positives! Was können Sie uns erzählen?

C.K.
Wir haben die Gruppenhaltung der Tiere eingeführt. Die Gehege und die Käfige wurden stark vergrößert und für mehr Flächen haben wir mit der Stadt richtig kämpfen müssen. Wir haben ein Nagergehege! Die Umsetzung war nicht einfach. Es gab viele Bedenken im Vorstand. Wir
haben über jeden Einwand mit einem Spezialisten gesprochen und das Nagergehege geschaffen. In Absprache mit dem Amtstierarzt können wir unseren Katzen den Freilauf ermöglichen. Die Katzen kommen und gehen wann sie wollen. Für Katzen die erst nachts zurück kommen wurden Schlafplätze auf dem Tierheimgelände aufgestellt. Sicherlich besteht die Gefahr, dass eine Katze nicht mehr
zurück kommt oder sogar überfahren oder vergiftet wird. Es ist aber kein Tierschutz eine Katze, die immer frei rumlaufen konnte aus Sicherheitsbedenken einzusperren. Mal ganz davon abgesehen, dass wir für so viele Katzen keinen Platz hätten.



Wo wollen Sie hin? Was ist ihr Traum?

C.K.
Haltung der Hunde in noch größeren Gruppen!


Frau Kaufmann, was möchten Sie abschließend unseren Leserinnen und Lesern noch sagen?

C.K.
Erst einmal freut es mich, wie voll das Tierheim am Samstag war. Die Leute glauben doch nicht alles blind, was sie im Internet oder in der Zeitung lesen.

Unser Tierheim wird vom Veterinäramt kontrolliert. Wir haben die Vorgänge im Verein von der Rechtsabteilung des Deutschen Tierschutzbund prüfen lassen, die weder an der Satzung noch an dem Geld, was ich in meiner Funktion als Leiterin des Tierheims erhalten habe etwas auszusetzen hatte.
Wir sind auch gerne bereit, alle Vorwürfe von offizieller Stelle prüfen zu lassen, wenn dieser Schritt notwendig wird.

Die Vorstandsmitglieder sind von mir nicht abhängig. Kein Vorstandsmitglied ist meine Putze!
Es gibt auch Abstimmungen im Vorstand, bei denen ich meine Vorstellungen nicht durchsetzen konnte!

Mein Führungsstil ist schnörkellos. Ich mache klare Ansagen und verlange auch eine gewisse Disziplin. Als Chef muss ich nicht darauf achten mich immer nur beliebt zu machen. Am Ende muss ich verantworten, was im Tierheim passiert und nicht die Mitarbeiter. Es ist ganz normal, wenn Mitarbeiter über ihren Chef schimpfen.

Ich habe an den Deutschen Tierschutzbund geschrieben und um Unterstützung gebeten. Der Deutsche Tierschutzbund soll zwei Personen für unseren Vereinsvorstand stellen und darüber hinaus auch
Kontrollen im Tierheim übernehmen. Bekommen wir eine Zusage dann haben wir den Deutschen Tierschutzbund, das Veterinäramt, unseren behandelnden Arzt und unsere Bilanzprüfer.

Natürlich kann denen auch Abhängigkeit oder schlechtes Arbeiten nachgesagt werden. Vor solchen Vorwürfen kann sich ein Verein und ein Tierheim wirklich nicht schützen.

Die Öffentlichkeit hat natürlich das Recht mit Unterschriftaktionen und Demonstrationen gegen den Verein und mich als Vorsitzende vorzugehen. Von der Stadt kann die Öffentlichkeit auch verlangen das Tierheim in andere Hände zu geben. Ich möchte trotzdem um Beweise bitten, wenn Vorwürfe gemacht werden. Der Verein und ich haben auch Rechte! Gegen haltlose Vorwürfe und Beleidigungen dürfen wir uns auch wehren.



Vielen Dank, Frau Dickmanns und Frau Kaufmann! Ich werde weiter verfolgen, was passiert und berichten, wenn erste Entscheidungen getroffen werden.