Freitag, 22. Oktober 2010

Aus einem Dackel einen Schäferhund machen

Die Rheinische Post (MG) berichtete am 21.10.10 über einen Hundehalter aus Mönchengladbach, der seine 16-jährige Dackelhündin nicht an die Leine legen will.

Der Dackel bewegt sich kaum noch und wird vom Halter sogar zur Wiese getragen, wo sie sich dann lösen kann.

Weil der Hund gesundheitliche Probleme mit den Hinterläufen und der Wirbelsäule hat, soll er laut Tierarzt nicht mehr angeleint werden.

Damit kommt der Hundehalter aber in Konflikt mit der in Mönchengladbach bestehenden generellen Anleinpflicht für Hunde, die in ihrer aktuellen Form keine Ausnahmeregelungen erlaubt.


Sieben Bußgeldbescheide hat der Halter der Dackeldame bereits bekommen, weil sein Hund fast regungslos ohne Leine auf einer Wiese gesessen hat.

In Mönchengladbach ahndet der Kommunale Ordnungs- und Servicedienst (KOS) solche Ordnungswidrigkeiten.

Der KOS wurde im Jahre 2007 gegründet, um das Leben, Einkaufen und Arbeiten in Mönchengladbach sicherer und attraktiver zu machen.

Die Fahndung nach einer unangeleinten alten Dackeldamen erhöht aber weder die Sicherheit, noch die Attraktivität der Stadt!


Weshalb muss der KOS gerade hier so massiv durchgreifen?

Der Mönchengladbacher Ordnungsdienst hat genug Arbeit mit der Bekämpfung von Umweltverschmutzung oder Vandalismus! Ein unangeleinter Dackel sollte da im Grunde genommen Nebensache sein.

Die Stadt Mönchengladbach erklärte, als die Rheinische Post nach einer möglichen Befreiung von der Anleinpflicht fragte:

Selbst wenn wir wollten, könnten wir das nicht tun. Dies lässt die Rechtslage nicht zu.

Diese Aussage erweckt fast den Eindruck, die Stadt leide unter den engen juristischen Fesseln.
Die Formulierung mit den anfänglichen Worten: "Selbst wenn wir wollten...", läßt aber dann wieder am Willen der Stadt zweifeln.

Mönchengladbach sollte unbedingt juristisch prüfen, ob zukünftig in einem solchen Fall eine Ausnahmegenehmigungen erteilt werden kann.

Selbstverständlich muß die Stadt sich an bestehende Gesetze halten.
Aber wie frei ist die Stadt in der Entscheidung, ob es zu einer Geldbuße oder zu einer mündlichen Verwarnung kommt, wenn eine Ordnungswidrigkeit begangen wird? Wie sinnvoll wird diese Freiheit in der Praxis umgesetzt?

Da der betroffene Hundehalter nun, laut Urteil des Amtsgerichts Mönchengladbach, eine Geldstrafe von ca. 700 Euro zahlen muss, drängt sich auch die Frage auf, ob er die Dackeldame nicht einfach an eine dünnen Kordel hätte binden sollen. Ordnungshüter hätten dann keinen Grund, aus dieser Mücke einen Elefanten zu machen - oder besser - aus der alten Dackeldame einen wilden Schäferhund!

Quellen:

Artikel der Rheinischen Post online: Leinenstreit um greisen Dackel


Webseite der Stadt Mönchengladbach über den KOS