Montag, 14. Februar 2011

Ein Besuch auf der Eberhard Trumler Station

Am 12.02.11 besuchte ich mit einer Gruppe der Hundelobby Mönchengladbach die Eberhard Trumler Station.

Der Biologe Dirk Roos führte uns durch die Station und sprach mit viel Fachwissen darüber, wie aus dem Wolf der Hund wurde und wie der Hund zum Mensch bzw. der Mensch auf den Hund gekommen ist.

Auf die Hunde wollen die Forscher so wenig wie möglich Einfluss nehmen, damit ein unverfälschtes Bild natürlichen Hundeverhaltens beobachtet
werden kann.
Um eine medizinische Versorgung der Tiere zu gewährleisten wird auf Menschenkontakt im Welpenalter der Hunde aber nicht ganz verzichtet. Die
gerade geborenen Dingowelpen werden täglich von Frau Trumler hochgenommen. Diese Erfahrung wird dazu führen, dass sich die Hunde später auch nur von Frau Trumler anfassen lassen. Das macht deutlich, wie sehr doch die Erfahrungen des Welpen, mit einer Prägung vergleichbar sind.

Dirk Roos sprach in diesem Zusammenhang auch darüber, wie wenige Hunderassen wirklich als Familienhunde geeignet sind und wie wichtig es ist, dass die Tiere von einem guten Züchter kommen.

Spannend ist es auch, einmal zu sehen, wie die Hunde auf der Eberhard Trumler Station gehalten werden. Die Hunde werden nur durch rohes Fleisch ernährt! Schlachthof und Bauernhöfe sind die Lieferanten! Es gibt keine Berechnung von Anteile Gemüse, Getreide und Fleisch im Futter, wie es manche Barfer machen und wie es unsere Futtermittelindustrie macht. Beschäftigung für die Hunde, ist die Gruppenhaltung. Künstliche Beschäftigungsprogramme gibt es nicht. Medizinisch wird nur eingegriffen, wenn es notwendig ist. Die Gehege waren teilweise durch den vielen Regen matschig und weiße Stellen im Fell waren kaum noch zu erkennen. Ausstellungen wären mit diesen Hunden ganz sicher nicht zu gewinnen. Ich dachte, als ich die Hunde sah, an die Pauschalkritiker, die im Namen des Tierschutz, nur zu gerne von armen Hunden sprechen, wenn ihre Vorstellung einer zivilisierten Hundehaltung nicht umgesetzt wird.

Die Hunde auf der Eberhard Trumler Station sind aber nicht arm! Sie zeigen keine Verhaltensstörungen, wie viele unserer Zivilisationshunde und werden sogar fünfzehn bis zwanzig Jahre alt.

Wir sahen uns das Gehege der Schabrakenschakale, der Dingos, der türkischen Straßenhunde und der Saudi-arabischen Hunde an. Dirk Roos erzählte sehr viel über diese Hundearten und klärte auch über typisches Verhalten der Hunde auf. Der Dingo könnte als Haushund gehalten werden, ist aber anspruchsvoll in der Erziehung, bei den türkischen Straßenhunde hat man schon bis zu 60 Hunde in einem kleinen Gehege gehabt, was bei den saudi-arabischen Hunden, nicht funktioniert.

Da die Hunde der Eberhard Trumler Station nicht erzogen wurden, war es auch sehr schön zu sehen, wie natürlich Mensch und Hund auch ohne aufwendige Erziehungsprogramme miteinander kommunizieren können, wenn die Anforderungen an den Hund nicht zu extrem sind.

Es ist auch erstaunlich zu sehen, wie die Esel der Station mit den Hunden umgehen. Mit zwei Dalmatinern nehmen die Esel sogar Körperkontakt auf.

Einer der Hunde macht sich regelmäßig einen Spaß daraus, die Stute zu ärgern und der Hengst reagiert darauf mit einer sehr deutlichen Erziehungsmaßnahme. Wieso haben immer mehr Menschen Probleme mit der Erziehung eines Hundes, wenn selbst ein Esel das kann?

Da drängt sich mir die Frage auf, ob wir unsere Hunde durch Übererziehung und zu starker Bindung an den Menschen und Pressung in unseren Lebensraum nicht manchmal zu Unhunden machen.

Der Besuch und die Führung auf der Eberhard Trumler Station sind kostenlos.

Eine freiwillige Spende ist da angebracht, denn es gibt in Deutschland kaum noch Gelegenheiten Hundeverhalten zu beobachten, dass der Mensch kaum beeinflusst hat.