Montag, 8. August 2011

Hundangriff nach Streit in Mönchengladbach

Am 04.08.2011 wurden in Mönchengladbach zwei Menschen von einem Staffordshire Terrier verletzt.

Die Halterin des Hundes feierte ihren Geburtstag, als es zwischen ihr und ihrem Freund zum Streit kam. Der Hund biss dabei den
Freund der Halterin und verletzte die Halterin schwer, als sie eingreifen wollte.

Die Halterin flüchtete auf den Balkon der Wohnung. Der Freund und ein weiterer Besucher flüchteten in Küche und Bad, wo sie von
der Polizei befreit werden konnten, nachdem die Polizisten das Tier durch die geschlossene Balkontür erschossen hatten.

Quelle:

Pressestelle
Polizei Mönchengladbach



Ein Kommentar:

Dieser Angriff wird von den Medien, als einer der schwersten Hundeangriffe in Mönchengladbach gewertet.

Die RP erinnert in diesem Zusammenhang noch einmal an den Angriff eines Schäferhundes und den Angriff eines Rottweilers in
Mönchengladbach. Dies sind Ereignisse aus den Jahren 2009 und 2004.

(RP Online)


Da das jüngste Ereignis in keinem Zusammenhang mit den früheren Unfällen steht, sollte das Geschehen auch gesondert betrachtet
werden.

Hunde und Menschen bilden - wie auch Menschen untereinander - sehr komplexe Beziehungen. In menschlichen Beziehungen kann es zu
Streit und Gewalt kommen. Durch das immer enger werdende Zusammenleben von Mensch und Hund, sind Hunde immer häufiger bei menschlichen Auseinandersetzungen dabei.

Hunde, die nicht gelernt haben, sich beim Menschenstreit nicht einzumischen, können zur Gefahr werden.

Der Hund kann unsere Worte nicht verstehen. Er ist auf die Deutung unseres Stimmklangs, unserer Körpersprache und unseres Körpergeruchs angewiesen. Hier kann es schnell zur Fehleinschätzung der Situation kommen.

Alle Hunderassen können aggressiv auf Auseinandersetzungen zwischen Menschen reagieren. Dieses Verhalten ist deshalb unabhängig von der Rasse des Hundes zu sehen.

Weshalb ein Sprecher des Umweltministeriums NRW, die Schaffung einer Rasseliste im Landeshundegesetz, gerade mit dem Unfall in
Mönchengladbach untermauert, ist mir unverständlich!

Ob die Intensität des Angriffs vielleicht auch durch bestimmte typische Eigenschaften der Rasse Staffordshire Terrier gefördert wurde, darf sicherlich diskutiert werden. Allerdings wäre dafür eine vorherige genaue Analyse notwendig, die Beziehung, Erziehung, Herkunft, Erfahrungen und eventuelle Krankheiten des Hundes berücksichtigt.

Weshalb ein Hund seinen eigenen Besitzer angreift, mag auf den ersten Blick ein Rätsel sein! Auf dem zweiten Blick ist dieses Verhalten aber mit Menschenverhalten vergleichbar; Schlägereien, bei der Freunde den Angreifer zurückhalten wollen, enden gelegentlich auch mit verletzten Freunden. Es ist doch wahrscheinlich, dass ein Tier sich noch weniger kontrollieren kann, als der Mensch.

Der Hund hatte auch einen für diese Rasse vorgeschriebenen Wesenstest gemacht und bestanden. Damit wurde bestätigt, dass von diesem Hund keine gesteigerte Gefährlichkeit ausging. Allerdings geht die Kritik an Wesenstests, wie sie aktuell in NRW durchgeführt werden, in beide Richtungen. Es werden Gefahren gesehen, wo keine sind und es werden Gefahren nicht erkannt.

Unabhängig von der Halterin des Hundes, wurde mir aber bestätigt, dass der Hund sich im normalen Umgang mit Menschen immer positiv, unauffällig und kontaktfreudig gezeigt hat.

Laut Medienberichten verfügte die Hundehalterin über einen Sachkundenachweis. Der Hund war angemeldet, hatte eine Haftpflichtversicherung und übermäßig Alkohol war auch nicht im Spiel. Das zeugt zumindest von einer verantwortungsvollen Hundehalterin! Bei der Suche nach einer möglichen Ursache, kann nicht einfach von einer schlechten Hundehaltung im asozialen Milieu ausgegangen werden.

Streit kommt bekanntlich auch in den besten Familien vor!

Der Hund soll gerne mit uns in Konflikt treten aber Konflikte zwischen Menschen, hat der Mensch und nicht der Hund zu regeln. Schon der Ansatz sich bei einem Streit einzumischen, sollte unterbunden werden. Ist bei einem Hund bereits bekannt, dass er aggressiv reagiert, wenn Menschen streiten, ist in solchen Situationen erhöhte Vorsicht geboten!

Beziehungen sind komplex und manchmal kann eine Beziehung auch gefährlich werden! Dies gilt für Menschen untereinander, für Hunde untereinander und noch mehr für Beziehungen zwischen Mensch und Hund.

Wir minimieren mögliche Risiken, wenn wir unsere Hunde wieder ernst nehmen, ihnen nötige Freiheiten geben aber auch klare Grenzen setzen.

Dieser schreckliche Unfall, bei dem zwei Menschen verletzt wurden und ein Hund getötet wurde, ist erst einmal als Einzelfall zu sehen, bei dem wir über Ursachen nur spekulieren können.

Jede Woche kommt es in Mönchengladbach zu Schlägereien, bei denen Menschen verletzt werden. Das sind keine Einzelfälle! Der seltene Fall eines Hundes, der Menschen angegriffen hat, findet schneller den Weg in die Zeitung.

Die Zeitungen scheinen zu wissen: Der Mensch fürchtet nur, was er nicht kennt und Angst belebt das Geschäft!

Sachliche Aufklärungen über mögliche Gefahren, sind kaum zu finden.