Donnerstag, 27. Oktober 2011

Michael Grewe bei Stern-TV

Als am 12.01.2011 Stern-TV über den Angriff eines Rottweilers auf einen Jungen aus Köln berichtete, waren das Opfer und der Innenminister aus Sachsen-Anhalt, Holger Hövelmann eingeladen.


Das Thema wurde von Stern-TV am 26.10.2011 noch einmal aufgegriffen und diesmal wurde neben dem Opfer auch der Hundetrainer und Sachverständige Michael Grewe eingeladen.

Er hat den Rottweiler, der mittlerweile weitervermittelt wurde, getestet. Die Ursache für den Angriff sieht er im fehlgeleiteten Jagdverhalten des Hundes, das wahrscheinlich durch einen Stock ausgelöst wurde, den das Opfer bei sich hatte.

Vor dem Gespräch zeigte Michael Grewe in einem Beitrag, dass der Rottweiler, selbst bei aufdringlicher Berührung im Bauchbereich, keine Aggression zeigt.

Der Hund blieb entspannt und gelassen.

Dieses Verhalten stimmte auch mit der Aussage des Vorbesitzers überein, der gegenüber Stern-TV erklärte:
"Mein Hund hat in den letzten zwei Jahren nie ein anderes Tier oder einen Menschen verletzt."
Das harmonische Bild wurde leider etwas getrübt, als der Hund plötzlich die Hühner in der Umgebung jagte und Michael Grewe vergeblich versuchte ihn zu stoppen.

Der Moment, wo sich der Hund von der Leine befreite wurde im Beitrag nicht gezeigt. Michael Grewe sagte aber im späteren Studiogespräch, er habe einen Fehler gemacht.

Ein totes Huhn später, war das positive Bild vom Rottweiler nun leider etwas angekratzt.

Bei der Diskussion über die Gefährlichkeit von Hunden sollte es aber nicht um eine positive oder negative Darstellung gehen, sondern um eine realistische Einschätzung.

Zahlreiche Hunde können von ihrem Halter nicht kontrolliert werden, wenn das Jagdfieber sie gepackt hat. Entscheidend ist aber, was ein solches Jagdverhalten beim Hund auslösen kann.

Die Familie des Opfers sprach sich für das Einschläfern des Hundes aus und sahen in der Hühnerjagd einen weiteren Beweis dafür, dass der Hund nicht sicher gehalten werden kann. Diese Position der Familie des Opfers ist verständlich und nicht sehr überraschend.

Michael Grewe erklärte, dass der Hund an einen verantwortungsvollen Halter vermittelt wurde. Der Hund wird in der Öffentlichkeit nur noch mit Leine und Maulkorb geführt! Selbst beim versehentlichen Lösen von der Leine, ist der Hund weiter durch den Maulkorb gesichert.


Sehr offen und mutig sprach Michael Grewe das Risiko an, mit dem wir leben müssen, wenn wir uns für ein Leben mit Hunden entscheiden. Ob Menschen, die sich nicht für ein Leben mit Hund entschieden haben, dieses Risiko wirklich tragen wollen, sollte aber auch hinterfragt werden. Der Hinweis auf ein Restrisiko darf aber trotzdem nicht fehlen, wenn keine Augenwischerei betrieben werden soll.

Ich halte es für eine gute Entscheidung, mit dem Hund vor die Kamera zu gehen. Gerade weil der Hund keine Aggression gegenüber Menschen zeigt und deshalb nicht dem typischen Medienbild eines gefährlichen Hundes entspricht. Der Hund knurrt nicht, bellt nicht, zeigt keine Zähne und wurde trotzdem gefährlich. Auf diesen Weg, kann auf versteckte Gefahren hingewiesen werden und der Bestialisierung des Hundes entgegengewirkt werden.

Der ungewollte Zwischenfall mit dem Huhn zeigt aber auch, dass wir alle im Umgang mit Hunden Fehler machen. (TV Hundeexperten sind ja sonst grundsätzlich unfehlbar und können alle Probleme sofort lösen.)

Sinnvoll wäre, wenn sich durch die Sendung von Stern-TV mehr Hundehalter mit dem Thema “fehlgeleitetes Jagdverhalten“ beschäftigen und potentielle Gefahren rechtzeitig erkennen.

Einen guten Beitrag zum Thema:
Falscher Hase
Von Michael Grewe

Quellen: Stern-TV