Dienstag, 27. September 2011

Wandern mit Hund in Mönchengladbach

Die Hundewiesen alleine sind nicht geeignet, um den meisten Hunden den nötigen Auslauf zu bieten.

Dafür sind die Flächen einfach zu klein und die Gestaltung nicht hundegerecht. Mancher Hund ist auch mit dem ständigen Kontakt zu Fremdhunden einfach überfordert.

So mancher Hund wird auf der Hundewiese zum Mobbingopfer und so mancher Halter, hält dies dann für fröhliches Spiel.

Dem Hund sollte Auslauf geboten werden! Der Hund sollte auch mit anderen Hunden regelmässig Kontakt haben.

Optimal wäre, wenn sich Hundehalter in kleinen Gruppen treffen und Wanderungen mit ihren Hunden unternehmen.

Auf der Suche nach geeigneten Wanderstrecken im Raum Mönchengladbach, habe ich eine wunderbare Webseite gefunden.

Auf www.gpsies.com sind hier Wanderstrecken aus dem Raum MG vorgestellt:

Wanderstrecken im Raum MG


Aus rechtlichen Gründen möchte ich noch darauf hinweisen, dass dies keine reinen Hundefreilaufgebiete sind. Sie müssen also Ihre Hunde auf den Strecken teilweise oder sogar vollständig anleinen. In diesem Zusammenhang sollte Mönchengladbach einmal überlegen, ob bestimmte Strecken nicht vollständig für den Hundefreilauf freigegeben werden können!

Dienstag, 20. September 2011

Hund ist Hund - Eine Demo in Mönchengladbach

Am 22.10.11 um 11:00 Uhr sind alle Hundehalter eingeladen mit Ihren Hunden über die Hindenburgstraße zum alten Markt und zurück zum Stadttheater zu laufen, um für die Abschaffung der Rasselisten im Hundegesetz NRW zu demonstrieren.

Die mögliche Gefährlichkeit eines Hundes ist keine Frage der Rasse. Die Pauschalverurteilung bestimmter Rassen schadet den betroffenen Hunden und Hundehaltern und bringt absolut keinen praktischen Nutzen.

Die Veranstalter wünschen sich rege Teilnahme aller Hunde und nicht nur der Listenhunde. Getreu dem Motto der Demonstration: Hund ist Hund!

Dadurch soll auch das verschobene öffentliche Bild vom fälschlich als Kampfhunde bezeichneten Hunderassen korrigiert werden.

Am Stadttheater werden Redner und Infostände das Thema weiter vertiefen.

Weitere Informationen und Kontakt zum Veranstalter finden Sie hier: www.hundisthund-mg.de

Montag, 12. September 2011

Einzelfelle

Mittlerweile scheint sich herumgesprochen zu haben, dass das Verhalten unserer Hunde das Produkt zahlreicher Faktoren ist. Viele Hundeschulen werben deshalb mit der ganzheitliche Betrachtung des hündischen Problemverhaltens.

Es ist fraglich, ob dieses Werbeversprechen immer eingehalten werden kann!

Der Betreiber einer Hundeschule ist häufig mit Welpenspiel-, Junghundegruppe und Büroarbeit schon völlig ausgelastet. Für die Arbeit mit “Problemhunden“ fehlt häufig die Zeit aber auch das nötige Wissen. Trotzdem wird versucht, den Kunden zu beraten, denn auch mit falschem Rat kann Geld verdient werden!

Die “Überweisung“ an den Spezialisten, wie es beispielsweise in der Humanmedizin normal ist, bleibt im Hundebereich die Ausnahme.

Wie soll aber der problematische Hund ganzheitlich Betrachtet werden, wenn kompetente Ansprechpartner fehlen?

Mit dem Projekt “Einzelfelle“, bieten die Tierärztin Sophie Strodtbeck und der Zoologe Dr. Udo Gansloßer eine Beratung für Halter, Züchter, Tierärzte und Trainer aus verhaltensmedizinischer Sicht an.

Einzelfelle möchte Hundeschulen und Tierarztpraxen dabei unterstützen, Lösungsansätze für ihre Kunden zu finden.

Ein Fallbeispiel
Frau S. lebt mit dem kastrierten vierjährigen Rüden Tom, der einjährigen Hündin Susi und dem intakten Jungrüden Jack in Mönchengladbach.

Der Einzug des 5monatigen Jack in die Familie führte zu einer Störung in der Gruppe.

Als die Hündin Susi bei einem Spaziergang von einem anderen Hund angegriffen und verletzt wurde, veränderte sich die soziale Struktur in der Hundegruppe.

Der erwachsene Rüde Tom übernahm verstärkt die Rolle des Gefahrenabwehrers, was nun häufiger zu Konflikten bei Hundebegegnungen führt.

Dr. Udo Gansloßer bewertete in Kooperation mit Sophie Strodtbeck die Situation aus verhaltensmedizinischer Sicht und sprach Empfehlungen aus.

Vor der Bewertung erfolgte eine Wesenseinschätzung aller Hunde. Grundlage für die Einschätzung waren Auskünfte der Halterin, zum Verhalten der Hunde in bestimmten Situationen.

Verhaltensmedizinischen Empfehlung durch Einzelfelle

Beziehungen, Kastration und Hormone


Beziehungsgefüge unter Hunden oder in gemischten Mensch-Hund Teams sind nach dem Hereinkommen eines weiteren neuen Hundes oftmals über mehrere Monate instabil. Zudem ist Tom als kastrierter Rüde möglicherweise in dieser Situation noch zusätzlich prolaktingesteuert. Das sogenannte Elternhormon Prolaktin, dass insbesondere bei kastrierten Rüden auch in Anwesenheit von Junghunden oder Welpen ausgeschüttet wird, regelt u.a. die Jungtierverteidigungsaggression. Dazu kommt, dass die „Eifersuchtsaggression“, also die Verteidigung der Halterin bei entsprechend gut funktionierender Paarbindung, durch das Vasopressinsystem ebenfalls testosteronunabhängig gesteuert wird, so dass auch hier die Kastration keine besonderen Auswirkungen hat.

Stabilisierung der Gruppe und Gefahrenabwehr durch die Halterin

Zielstellung ist es, die Verhältnisse in dieser Gruppe so zu stabilisieren, dass Tom die Rolle des gefahrenerkennenden und gefahrenabwehrenden Leittiers an die Halterin abgibt, und dadurch, nebenbei bemerkt, auch selbst ein entspannteres Dasein haben wird. Es ist klar ersichtlich, dass er mit dieser sich selbst auferlegten Rolle des Gefahrenabweheres und Beschützers überfordert erscheint.

Ernährung und Verhalten

Tom, der eine Stabilisierung seines Verhaltens vertragen könnte, sollte zukünftig zuverlässig
maisfrei gefüttert werden, wobei zu beachten ist, dass die Bezeichnung Getreide in der
Deklaration meistens Mais bedeutet. Mais enthält ein Enzym, dass den Aufbau des
Serotonins im Gehirn behindert, und Serotonin ist ein wichtiger Gegenspielers des passiven
Stresshormons Cortisol. Zudem sollte, ebenfalls um die Serotoninbildung zu verbessern, die
Aminosäure Tryptophan bei Tom zugefüttert werden, am besten in Form des Produkts Relax Plus der Firma VET Concept, dass auch noch zusätzlich verhaltensstabilisierende B-Vitamine enthält

Die Hündin Susi, die sich als extrem extrovertierte, aber emotional instabile A-Typ Hündin darstellt, sollte dagegen Mais erhalten, um etwas beruhigt zu werden. Zusätzlich sollte bei ihr die Aminosäure Phenylalanin möglichst wenig im Futter vertreten sein, was bedeutet, dass vorwiegend Schwein, Lamm, Schaf, und ggf. ab und zu Pferd oder selten Geflügel im Futter vorhanden sein sollte. Rind, Herz und Innereien sind in dieser Hinsicht kontraindiziert. Als Kohlenhydratträger neben dem genannten Mais wäre für Susi vorwiegend Kartoffeln und Getreideprodukte, etwa Nudeln, anzuregen. Diese enthalten auch sehr wenig Phenylalanin.


Beziehungsbildung und Beziehungsneubildung

Wie bereits erwähnt, ist die Beziehungsneubildung offensichtlich noch nicht abgeschlossen.
Dies liegt einerseits am Status der beiden jüngeren Hunde, die beide noch als Junghunde und wenig stabile Gruppenmitglieder zu betrachten sind. Andererseits ist ohnehin bei Integration eines neuen Hundes in ein bereits eingespieltes Team mit einer mehrmonatigen
Übergangszeit zu rechnen, da in diesen Situationen der Beziehungsneubildung bei allen
Beteiligten das Stresshormon Cortisol leicht ansteigt, ist dies zusammen mit den oben für
Tom dargelegten Verhältnissen nochmals verstärkend im Sinne einer Abwehraggression.
Ganz offensichtlich ist es notwendig, die Führungskompetenz der Halterin deutlich zu stärken. Der Rest der Hunde orientiert sich an Tom, es ist also notwendig, zunächst Tom in diese neue Rolle einzuweisen.


Langer Weg zum Ziel

Um die neuen Spielregeln zu etablieren, wird es nötig sein, die Hunde zunächst einzeln und dann in wechselnder Kombination auf die Spaziergänge mitzunehmen. So empfehlen wir dringend, zunächst mit Tom alleine zu gehen und dann die unten genannten Vorschläge umzusetzen. Ist die Führungskompetenz der Halterin gegenüber Tom eindeutig geklärt, sollte Tom mit Jack zusammen geführt werden, und auch dann wieder ähnliche Regelungen
exerziert werden. Danach kommt die Kombination Tom und Susi, und erst wenn auch diese zuverlässig im Sinne der Halterin geführt werden können, sollten die drei Hunde wieder zusammen ausgeführt werden. Während der Ausgänge mit Tom und einem der Junghunde sollten die Junghunde auch auf Erlaubnis der Halterin durchaus mit anderen, freundlichen Hunden Kontakt aufnehmen und auch spielen dürfen, während Tom eindeutig klargemacht wird, dass er diese Situationen nicht zu unterbrechen oder zu regeln hat. Die Regelung zunächst nur mit zwei Hunden statt gleich mit allen dreien zu laufen, trägt auch der Tatsache Recht, dass Dreierbeziehung mindestens 4x so viel Zeit zur Stabilisierung brauchen wie Zweierbeziehungen.

Zur Regelung der neuen Führungsverteilung muss die Halterin selbst glaubhaft signalisieren und kommunizieren, dass sie problematische Situationen im Griff hat. Dazu gehört, wie die beiliegenden Texte zeigen, z.B. ein klares sich positionieren zwischen potentiellen Gefahren und den Hunden und ein zuverlässiges Wegschicken aufdringlicher oder gar bedrohlich erscheinender Hunde auf diese Weise, ggf. schon auf Distanz. Tom selbst sollte mit einem Halti geführt werden, um schon im Ansatz jegliches Verhalten des Fixieren oder des sich aufbauens unterdrücken zu können. Zusätzlich sind klare Abbruchsignale, wobei diese z.B. durch eine Wasserflasche unterstützt werden sollten, Tom gegenüber notwendig. Die klare Kommunikation durch Abbruchsignal und die gleichzeitige Vermittlung der eigenen Fähigkeit zur Gefahrenabwehr, werden einen Hund wie Tom auch sehr schnell überzeugen, dass der die ungeliebte Anführerrolle wieder abgeben kann.

Im Zusammenhang mit den oben genannten Empfehlungen des getrennt Ausführens sei noch betont, dass auch ggf. eine geringeres Auslastungsprogramm bei den Spaziergängen und eine Verkürzung der Spaziergänge auch ausreicht, denn auch soziale Aktivitäten sind für Hunde kopfmässig anstrengend und können zur Auslastung beitragen. Es ist also nicht nötig, jeden Tag zwei Stunden mit Beutelspielen, Clickern und anderen Aktivitäten zu verbringen, wenn dafür die soziale Kompetenz der Hunde gefördert und unterstützt wird.


Interview


Hund-MG freut sich, an dieser Stelle ein Interview mit Dr. Udo Gansloßer
Und Tierärztin Sophie Strodtbeck veröffentlichen zu können, in dem wir Fragen zur Verhaltensmedizin und das spezielle Angebot von Einzelfelle gestellt haben.

Hund-MG:
Herr Dr. Gansloßer, Frau Sophie Strodtbeck, welche Ziele verfolgen Sie mit Einzelfelle?

Einzelfelle:
Zunächst einmal möchten wir vorab betonen dass wir das Besondere an den Einzelfellen in unserer Zusammenarbeit und dem interdisziplinären Ansatz von Tiermedizin und Verhaltensbiologie sehen. Daher sind auch nicht nur unsere Beratungen sondern auch die Antworten auf die folgenden Fragen immer gemeinsam erstellt und nicht auf eine/n von uns zurückführbar!!

Wir verstehen unsere Tätigkeit als Brückenschlag zwischen Tiermedizin und Trainertätigkeit auf medizinischer und zoologisch/verhaltensbiologischer Grundlage.


Hund-MG:
Könnte der Hundehalter nicht einfach auch seinen Tierarzt fragen, wenn es um die verhaltensmedizinische Beurteilung des Hundes geht?

Einzelfelle:
Zunächst muss man bedenken, dass sich ein Tiermediziner bei sehr vielen Tierarten gut auskennen muss, ohne dafür wesentlich länger zu studieren als ein Humanmediziner. Und dann sind wir mit unserer Tätigkeit ja in Gebieten, die im Humanbereich noch mal von anderen Berufsgruppen, also zB Psychologen, Pädagogen und Neurophysiologen abgedeckt würden. Gerade das Verhalten kommt im Tiermedizin- wie auch im Humanmedizinstudium viel zu kurz, und daher ist ein Ansatz unter Einbeziehung anderer Forschungsdisziplinen hier sehr wichtig. Deshalb arbeiten wir eben auch mit niedergelassenen Tierärzt/in/en genauso zusammen wie mit Trainer/innen.


Hund-MG:
Wie wird das Angebot von Einzelfellen derzeit von Tierärzten, Trainern, Haltern und Züchtern angenommen?

Einzelfelle:
Sehr gut. Man hat das Gefühl dass wir hier durch unseren neuen Ansatz eine Lücke gefunden haben und viele auf dieses Angebot gewartet haben.


Hund-MG:
Die Hundehalter geben Ihnen vorher Informationen über den Hund. Dazu verschicken Sie einen Fragebogen. Durch die Auswertung dieser Fragen können Sie die Persönlichkeit des Hundes bestimmen. Das finde ich spannend! Können Sie uns mehr Informationen zu diesen “Wesenstest“ geben?

Einzelfelle:
Zunächst mal, das ist kein „Wesenstest“. Der Fragebogen den wir zur Einschätzung der Persönlichkeit nutzen wurde in der Budapester Forschungsgruppe von Prof. Miklosi entwickelt, und ist Bestandteil mehrerer sehr hochrangiger wiss. Veröffentlichungen. Wir verwenden ihn auch nicht für die Problemanalyse – dafür haben wir Zusatzfragen, sondern nur für die Einschätzung der Grundpersönlichkeit. Und es ist immer wieder erstaunlich dass die Ergebnisse, obwohl ja die Fragen sehr speziell gestellt sind, in der Gesamtbewertung dann sehr gut das Bild des Halters vom Hund im breiten Perönlichkeitstest widerspiegeln.


Hund-MG:
Einzelfelle sieht sich auch als unterstützendes Angebot für Hundeschulen.
Ihre medizinische Beratung ergänzen Sie auch mit Hinweisen zum Umgang mit dem Hund. Ihre Kunden bekommen zusätzlich lesenswerte Texte kompetenter Hundetrainer. Befürchten Sie nicht den Unmut, der Hundeschulen, wenn in den Artikeln Empfehlungen ausgesprochen werden, die nicht mit der Trainingsphilosophie der Hundeschule im Einklang zu bringen sind.

Einzelfelle:
Wir arbeiten primär immer im Sinne des Hundes. Und wenn ein renommierter Trainerkollege schon zu einem Thema etwas Erklärendes geschrieben hat, was dem Halter hilft, warum soll man das nicht nutzen??
Wir arbeiten ideologie- und philosophiefrei und individuell, und daher können wir eigentlich schon definitionsgemäß nicht irgendjemandes Ideologie oder Trainingsphilosophie widersprechen.


Hund-MG:
In unserem Fallbeispiel sprechen Sie sich im Falle von Tom für eine maisfreie Ernährung aus. Susis Futter sollte Mais enthalten und zusätzlich viel Schwein, Lamm, Schaf gefüttert werden, da diese Fleischsorten sehr phenylalaninarm sind. Für andere Hunde, würden Sie sicher wieder ganz andere Empfehlungen aussprechen! Entstehen die Probleme nicht überwiegend durch eine zu einseitige Ernährung des Hundes? Würde es nicht häufig auch ausreichen, verschiedene Küchenabfälle und täglich verschiedene Fleischsorten zu füttern?

Einzelfelle:
Eine Ration sollte immer bedarfsdeckend sein, wenn das der Fall ist, kann man einem Hund natürlich auch das füttern, was bei der menschlichen Ernährung übrig bleibt, solange es nicht stark gewürzt ist!
Aber meist ist es ja umgekehrt. Fälle bei denen eklatante Fehlfütterungen das Verhaltensproblem erzeugen sind ja zum Glück recht selten. Wir denken da etwa an Trennkost, oder zu hohen Eiweißgehalt oder unausgewogene Rationen. Meist aber hat der Hund ein Problem durch andere Bereiche einer nicht verhaltensgerechten Haltung oder Aufzucht, zB als Tierschutzhund, vom Billigvermehrer produziert, oder durch mangelnde Führkompetenz des Halters/in. Und dann kann eine Futteränderung helfen ihn für die weitergehende Trainings- und Erziehungsarbeit ansprechbarer zu machen. Letztlich vertreten wir auch in Bezug auf Fütterung KEINE Philosophie oder Ideologie, außer eben der Bedarfsdeckung. Leider ist aber eben genau die bei vielen selbst zusammengestellten Rationen nicht gegeben, so dass wir hier auf jeden Fall eine Rationsberechnung empfehlen würden.


Hund-MG:
Sie beschreiben einen Zusammenhang zwischen Ernährung und Verhalten. Im Bereich der Hundeernährung gibt es viele unterschiedliche Ansichten und auch viel Streit. Die Verwirrung ist groß, wie der Hund denn nun ernährt werden soll. Können Sie zur Ernährung des Hundes etwas Grundsätzliches sagen?

Einzelfelle:
Eigentlich nur, dass der Hund, ideologiearm und bedarfsdeckend ernährt werden sollte. Zuviel Protein ist schädlich, und viele Leute glauben immer noch, weil der Hund von einem Carnivoren abstammt, muss man ihm massenweise Fleisch reinschieben. Daraus resultieren viele Verhaltensprobleme. Kohlenhydrate sind ja oft sehr umstritten, stellen aber für den Hund eine wichtige schnelle Energiequelle dar. Ansonsten, wenn der Hund ein spezielles Problem hat, muss man auf ihn individuell zugeschnitten eine Lösung suchen und ggf berechnen lassen.


Hund-MG:
Verhalten und Ernährung, Verhalten und Entwicklung, Verhalten und Genetik. Was macht das Verhalten des Hundes aus und welche Gewichtung haben die einzelnen Faktoren?

Einzelfelle:
Da gibt es in Bezug auf Gene und Umwelt ein schönes Beispiel des britischen Verhaltensökologen Richard Dawkins: Die Frage, wie viel die Gene, und wie viel die Umwelt am Verhalten eines Tieres ausmacht, sei etwa so sinnvoll wie die Frage wie viel Prozent am Gelingen eines Kuchens das Rezept und wie viel Prozent die Qualität der Zutaten betragen würden. All die genannten Faktoren wirken zusammen, beeinflussen sich gegenseitig, und erzeugen letztlich ein Individuum.


Hund-MG:
Ich wurde mal gefragt, weshalb der Labrador ständig auf der Suche nach Futter ist. Eine Frage, die ich gerne an Sie weitergeben möchte! Gibt es einen Zusammenhang zwischen Fressverhalten und Rasse?

Einzelfelle:
Es gibt natürlich solche Zusammenhänge. Um zwei als besonders verfressen verrufene Rassen dafür zu verwenden: Wer als Meutehund, etwa Beagle, mit mehreren Dutzend Artgenossen auf engem Raum gefüttert wird, muss schnell alles reinschaufeln, und das ohne Futterneid. Und wer als Labrador (er heißt ja nicht umsonst so, Labrador liegt nicht gerade in den Tropen) im Winter geschossene Enten aus dem Eiswasser holen muss, verbraucht dabei zunächst mal viel Energie, die er hinterher in relativ kurzer Zeit wieder anfressen muss, und tut auch gut daran eine Speckschicht zur Isolation zu haben.


Hund-MG:
Gibt es eine Futterprägung? Was würden Sie im Hinblick auf die Welpenfütterung empfehlen?

Einzelfelle:
Gibt es. Daher sollten gerade Welpen und Junghunde sehr abwechslungsreich gefüttert werden, damit sie hier keinen Tunnelblick bekommen. Ansonsten: Weder Turbomast noch großhungern sind sinnvoll. Wichtig ist auch hier, ein Futter zu wählen, dass den Bedarf eines Hundes im Wachstum deckt.


Hund-MG:
Es wird empfohlen den Hund auch einmal hungern zu lassen, weil das der natürlichen Ernährung des Hundes entspricht oder weil über das Hungern lassen die Wertigkeit des Futters für mögliche Futterbelohnung erhöht werden soll. Wie kann Fasten sich auf das Verhalten des Hundes auswirken und kann es zu Problemen im Zusammenhang mit
Belohnung über Futtergabe kommen?

Einzelfelle:
Zunächst mal: Hungern lassen ist nicht nötig. Diese, aus der Großraubtierhaltung im Zoo stammende Empfehlung verkennt die völlig andere Nahrungssuchstrategie des Hundes und wohl auch seiner unmittelbaren Vorfahren, die eben nicht mehr Großwildjäger waren. Wichtig ist bei Nutzung von Futter zur Motivation: Erpressung schadet nur. Selbst ein Hund von > 1 Jahr sollte sich nie ALLES, also nicht seine gesamte Tagesration erarbeiten müssen. Und für Hunde unter 12 Monaten ist diese Vorgehensweise, den Hund nur für „Wohlverhalten“ und Kooperation mit dem Menschen zu belohnen und sonst hungern zu lassen, unbiologisch, hochgradig schädlich und bisweilen auch gefährlich.


Hund-MG:
Der Trend geht zur Mehrhundehaltung! In unserem Fallbeispiel waren drei Hunde im Haushalt. Wo sehen Sie die besonderen Schwierigkeiten bei der Mehrhundehaltung und was ist zu beachten, wenn ein neuer Hund in eine bestehende Hundegruppe aufgenommen wird?

Einzelfelle:
Man kann da nicht viel Allgemeines sagen, man muss das jeweilige Rudel und die beteiligten Persönlichkeiten kennen. Nur soviel: Der Mensch soll zwar klar das Leittier sein und klare Regeln vorgeben, aber wenn er sich in die Beziehungen der Hunde untereinander einmischt in dem er z B ein Tier bei Ärger mit den anderen ständig bevorzugt oder schützt, muss er damit rechnen, dass er instabile Beziehungen schafft, die irgendwann in seiner Abwesenheit umgedreht werden.


Hund-MG:
Ein weiterer Trend ist der Import von Hunden aus dem Ausland! Unsere Susi, aus dem Fallbeispiel, ist auch ein Auslandsimport. Welche Probleme kann der zunehmende Import mit sich bringen?

Einzelfelle:
Viele. Von importierten Krankheiten, die z T schon bei uns ansässig geworden sind, eine Gefahr für heimische Hunde und als Zoonoseerreger zT auch für Menschen dar (es gibt mittlerweile Leishmaniose- und Babesiose-positive Hunde, die noch nie im Ausland waren. Dank der Klimaerwärmung steigt die Gefahr einer Endemisierung der übertragenden Erreger in Deutschland). Ein oft großes Problem für die Hunde und ihre Halter ist die andere Lebensraum- und Futterprägung, fehlende Menschenprägung, die oft ganz andere Spezialisierung der Hunde im Herkunftsgebiet…. Oft sind diese Hunde keineswegs dankbar dafür, dass sie zwangsadoptiert wurden, und wohlfühlen tun sie sich auch oft ein Leben lang nicht.


Hund-MG:
Die Hundeszene ist voller Informationen von kynologischen Bauernfängern und Märchenerzähler! Sie leisten mit Ihren Büchern, Vorträgen und natürlich auch mit Einzelfelle einen Beitrag zur Aufklärung des Hundehalters.
Wird das Ursprüngliche Team Lanzerath, Baumann, Bloch und Gansloßer auch ohne die PetGroup gemeineinsam für Aufklärung sorgen?

Einzelfelle:
Zunächst sind die Einzelfelle ja von P-G völlig unabhängig, und werden weiterhin für Hund & Mensch tätig sein. Was das ursprüngliche Team betrifft – wir werden alle in wechselnden Kombinationen und unterschiedlichen Bereichen, durch Seminare und Projekte tätig bleiben. So schnell kriegt man uns nicht los! ;-)


Vielen Dank für das Interview!

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Webseite: www.einzelfelle.de

Für eine Beratung nehmen Sie bitte direkt mit Sophie Strodtbeck oder Dr. Udo Gansloßer Kontakt auf.

Fress-Kultur sucht Mitarbeiter

Wer Freude an der alternativen Ernährung von Hunden und Katzen hat und einen Job sucht, kann sich jetzt bei fress-kultur bewerben.

Fress-Kultur ist ein Laden in Mönchengladbach Eicken, der Frischfleisch für Hunde und Katzen anbietet. Dieser Laden sucht noch eine Verkäuferin bzw. einen Verkäufer.


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