Donnerstag, 27. Oktober 2011

Michael Grewe bei Stern-TV

Als am 12.01.2011 Stern-TV über den Angriff eines Rottweilers auf einen Jungen aus Köln berichtete, waren das Opfer und der Innenminister aus Sachsen-Anhalt, Holger Hövelmann eingeladen.


Das Thema wurde von Stern-TV am 26.10.2011 noch einmal aufgegriffen und diesmal wurde neben dem Opfer auch der Hundetrainer und Sachverständige Michael Grewe eingeladen.

Er hat den Rottweiler, der mittlerweile weitervermittelt wurde, getestet. Die Ursache für den Angriff sieht er im fehlgeleiteten Jagdverhalten des Hundes, das wahrscheinlich durch einen Stock ausgelöst wurde, den das Opfer bei sich hatte.

Vor dem Gespräch zeigte Michael Grewe in einem Beitrag, dass der Rottweiler, selbst bei aufdringlicher Berührung im Bauchbereich, keine Aggression zeigt.

Der Hund blieb entspannt und gelassen.

Dieses Verhalten stimmte auch mit der Aussage des Vorbesitzers überein, der gegenüber Stern-TV erklärte:
"Mein Hund hat in den letzten zwei Jahren nie ein anderes Tier oder einen Menschen verletzt."
Das harmonische Bild wurde leider etwas getrübt, als der Hund plötzlich die Hühner in der Umgebung jagte und Michael Grewe vergeblich versuchte ihn zu stoppen.

Der Moment, wo sich der Hund von der Leine befreite wurde im Beitrag nicht gezeigt. Michael Grewe sagte aber im späteren Studiogespräch, er habe einen Fehler gemacht.

Ein totes Huhn später, war das positive Bild vom Rottweiler nun leider etwas angekratzt.

Bei der Diskussion über die Gefährlichkeit von Hunden sollte es aber nicht um eine positive oder negative Darstellung gehen, sondern um eine realistische Einschätzung.

Zahlreiche Hunde können von ihrem Halter nicht kontrolliert werden, wenn das Jagdfieber sie gepackt hat. Entscheidend ist aber, was ein solches Jagdverhalten beim Hund auslösen kann.

Die Familie des Opfers sprach sich für das Einschläfern des Hundes aus und sahen in der Hühnerjagd einen weiteren Beweis dafür, dass der Hund nicht sicher gehalten werden kann. Diese Position der Familie des Opfers ist verständlich und nicht sehr überraschend.

Michael Grewe erklärte, dass der Hund an einen verantwortungsvollen Halter vermittelt wurde. Der Hund wird in der Öffentlichkeit nur noch mit Leine und Maulkorb geführt! Selbst beim versehentlichen Lösen von der Leine, ist der Hund weiter durch den Maulkorb gesichert.


Sehr offen und mutig sprach Michael Grewe das Risiko an, mit dem wir leben müssen, wenn wir uns für ein Leben mit Hunden entscheiden. Ob Menschen, die sich nicht für ein Leben mit Hund entschieden haben, dieses Risiko wirklich tragen wollen, sollte aber auch hinterfragt werden. Der Hinweis auf ein Restrisiko darf aber trotzdem nicht fehlen, wenn keine Augenwischerei betrieben werden soll.

Ich halte es für eine gute Entscheidung, mit dem Hund vor die Kamera zu gehen. Gerade weil der Hund keine Aggression gegenüber Menschen zeigt und deshalb nicht dem typischen Medienbild eines gefährlichen Hundes entspricht. Der Hund knurrt nicht, bellt nicht, zeigt keine Zähne und wurde trotzdem gefährlich. Auf diesen Weg, kann auf versteckte Gefahren hingewiesen werden und der Bestialisierung des Hundes entgegengewirkt werden.

Der ungewollte Zwischenfall mit dem Huhn zeigt aber auch, dass wir alle im Umgang mit Hunden Fehler machen. (TV Hundeexperten sind ja sonst grundsätzlich unfehlbar und können alle Probleme sofort lösen.)

Sinnvoll wäre, wenn sich durch die Sendung von Stern-TV mehr Hundehalter mit dem Thema “fehlgeleitetes Jagdverhalten“ beschäftigen und potentielle Gefahren rechtzeitig erkennen.

Einen guten Beitrag zum Thema:
Falscher Hase
Von Michael Grewe

Quellen: Stern-TV

Freitag, 7. Oktober 2011

Heimwerker in Hundesachen

Die Webseite Dogityourself stellt kreative Ideen von Hundehaltern vor.

Hier finden Sie Bau-, Näh-, Koch- und Baselanleitungen aber auch Anregungen für neue Tricks, die Sie Ihrem Hund beibringen können!

Ein Auszug aus dem Angebot von Dogityourself:

Blumenkisten Spiel (Ein Suchspiel für den Hund)

Das Fallrohr

Thunfisch-Käse-Cracker

Futternapfständer aus Weinkiste

Trick Rückenkratzen

Hundebett aus Kaffeesack


Zahlreiche weitere Ideen auf http://www.dogityourself.com/

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Retten wir Hunde aus dem Ausland?

In einem Interview mit Einzelfelle fragte ich die Tierärztin Sophie Strodtbeck und Dr. Udo Gansloßer nach möglichen Problemen durch den zunehmenden Import von Hunden aus dem Ausland.

Einzelfelle wies in dem Interview auf Krankheiten hin, die zum Teil bereits in Deutschland durch den Import von Auslandshunden ansässig geworden sind. Diese Krankheiten können zur Gefahr für hiesige Hunde aber auch Menschen werden.

Mögliche Probleme für Halter und Hund entstehen, laut Einzelfelle, auch durch andere Lebensraum- und Futterprägung, fehlende Menschenprägung und eine ganz andere Spezialisierung des Hundes.

Einzelfelle betont, dass sich diese Hunde in Deutschland oft ein Leben lang nicht wohlfühlen.

"Tierschutz kennt keine Grenzen", ist ein häufig vorgebrachtes Argument.

Was manchmal im Namen des Tierschutz geschieht, scheint tatsächlich keine Grenzen zu haben!

Selbstverständlich kann auch der Tierschutz im Ausland eine sehr gute Sache sein!
Damit es eine gute Sache wird, ist neben der Liebe zum Tier auch ein enormes Fachwissen erforderlich.


Organisationen, die Hunde zur Vermittlung nach Deutschland importieren, sollten die Tauglichkeit des Hundes berücksichtigen und zukünftige Besitzern ehrlich über mögliche Schwierigkeiten aufklären.

Meist werden die Hunde aus dem Ausland nur über Mitleid an den neuen Besitzer gebracht, der sich dann schnell über das problematische Verhalten des Hundes wundert.

Mit freundlicher Genehmigung von Sophie Strodtbeck veröffentliche ich hier ihren Artikel "Der Canis autisticus" aus dem Buch "Hunde aus dem Ausland".

Das Buch bietet eine gute Möglichkeit sich vor der Anschaffung eines Hundes aus dem Ausland über mögliche Probleme zu informieren.

CANIS AUTISTICUS

Vor mittlerweile 10 Jahren kreuzten sich unsere Wege das erste mal. Zehn Jahre sind eine lange Zeit, und damals war ich noch der Meinung, dass so ein Hund mit Migrationshintergrund doch bestimmt dankbar ist, wenn man ihn in eine Wohnung in der Großstadt steckt, regelmäßig für Nahrung sorgt, mit ihm spazieren geht und ihn mit Liebe überschüttet. Wie naiv mein Denken war, zeigt mir das Dönertier sehr schnell.

Der Canis autisticus war ursprünglich in türkischen Mülltonnen beheimatet, legte einen Zwischenstopp beim „Tierschutz“ ein und wurde mit einem halben Jahr („ist ja noch ein junger Hund“) von mir zwangsexportiert, und genießt seither in hiesigen Gefilden Asylstatus.

Den Wechsel vom "Lebensraum Mülltonne" zum "Lebensraum Couch" hat der Canis autisticus ohne größere Schäden überstanden und fühlt sich seither auf seiner Couch so heimisch, dass er sie nur sehr ungern verlässt. Denn im Gegensatz zu einem eigenen Frauchen und einem Leben in der Zivilisation, fand der Autisticus die Annehmlichkeiten einer Couch und einer Wohnung ganz passabel. Das Leben in der Stadt allerdings nicht, so musste der Autisticus selbst zum täglichen Spaziergang - notfalls unter Androhung von Gewalt!- überredet werden. Dies gelang allerdings nicht immer.

Hat sich der Autisticus dann doch überreden lassen, so lebt er draußen in der ständigen Angst, der Himmel könnte ihm auf den Kopf fallen. Dass das der Himmel in den letzten 10 Jahren nicht mal ansatzweise getan hat, beruhigt den Autisticus nicht im Geringsten - man kann da nie vorsichtig genug sein, Himmel sind einfach unberechenbar!!!

Aber nun Spaß beiseite, denn Spaß machen ihre Panikattacken weder ihr noch mir. Physiologischer weise trägt der Canis Autisticus seine Rute zwischen den Beinen und läuft sich ständig in alle Richtungen absichernd durch die Gegend. Ausgelassen ist er sehr selten – und nie lange. So können zB ein vibrierendes oder mit ungewohntem Klingelton ausgestattetes Handy, ein Schuß aus dem Wald, oder sonstige unerwarteten und unbekannten Geräusche dafür sorgen, dass der Autisticus komplett in sich zusammen fällt, zittert und schreit, und durch nichts zu beruhigen ist. Ansprechbar ist sie in solchen Situationen überhaupt nicht mehr, ohne Leine würde sie monoton und stereotyp schrill bellend kilometerweit einfach geradeaus laufen. Wohin ist ihr egal, manchmal ist sie dann auch in den Wald gelaufen, dem Schuß entgegen. Das soll einer verstehen... Aber damit nicht genug, nach solchen Vorfällen dauert es meist mindestens ein bis zwei Wochen, bis sie wieder ganz die Alte ist und auf der Couch entspannt, in dieser Zeit bringt sie jede Kleinigkeit völlig aus dem Konzept, selbst Dinge, die eigentlich mittlerweile kein Problem mehr darstellen, und die ersten paar Tage verweigert sie dann komplett jede Nahrung. Außerdem kann ich mir sicher sein, dass sie danach wieder Stereotypieen zeigt und mindestens wieder ein handflächengroßes Stück Fell darunter leiden muss, weil sie dann anfängt, sich aufzubeissen und – zuschlecken.

Ein weiteres großes, und im Alltagsleben nicht unerhebliches Problem stellte das Autofahren dar. Was heißt Auto fahren? So weit kamen wir selten, denn die ersten vier(!) Jahre erbrach sie schon beim Anblick des stehenden Autos in 20 m Entfernung. Man muss aber zu ihrer Entschuldigung dazu sagen, dass sie das erste Auto ihres Lebens auf dem Weg zum Flughafen sah. Der Flug trug dann sein übriges dazu bei, dass zwischen Günes und den Autos wohl nie mehr eine dicke Freundschaft entstehen wird. Ich bin ja schon froh, dass sie nun, mit 10 Jahren, zwar immer noch deutlich zeigt, wie suspekt ihr das alles ist, aber immerhin die Autoputz-Aktionen seltener
geworden sind.

Zu erwähnen ist auch, dass sie, wie so viele ihrer südländischen Mitbürger/innen, massive Gelenkschäden, vermutlich durch die Mangelernährung im Welpenalter, davon getragen hat. Bereits mit 10 Monaten musste sie wegen einer OCD am Ellbogen operiert werden, inzwischen ist ihr nicht vorhandenes Hüftgelenk durch eine Denervation schmerzfrei gestellt worden. Die anderen Gelenke sehen auch nicht besser aus.
Die OCD im Junghundealter wiederum verstärkte ihre sowieso vorhandene Panik vor anderen Hunden, die sie bedrängen. Leider hat sie nämlich offenbar nicht „hier“ geschrien, als die viel gerühmte Sozialverträglichkeit an die Südhunde verteilt wurde. Kein Wunder, denn zwischen Mülltonne und Flug war sie in einem Gehege von „Tierschützern“ untergebracht, zusammen mit Hunden jeden Alters, und wurde ordentlich gemobbt. Das hinterließ in der Prägephase deutliche Spuren und es gab Zeiten, da hatte ein Chihuahua in einem Kilometer Entfernung ein ähnliches Panikverhalten zur Folge wie Autos, Himmel oder Schüsse.

Der Besuch diverser Hundeschulen half leider auch nicht weiter, ich bekam aus heutiger Sicht haar- und fellsträubende Ratschläge. Angefangen bei einem relativ harmlosen „den Hund kann man nicht ändern, den müssen Sie so nehmen, wie er ist - oder abgeben“, bis hin zu einer Liste mit sogenannten
„Dominanzregeln“, die ich mir an den Kühlschrank heften sollte, um sie auch wirklich zu verinnerlichen. Dort hingen sie auch eine Zeit lang, aber zum Glück sagte mir damals schon recht schnell mein gesunder Menschenverstand, dass das nicht der richtige Weg im Umgang mit einem zutiefst verunsicherten Hund sein kann. Warum soll ich einen Hund, der endlich anfängt Vertrauen zu zeigen und meine Nähe auf der Couch sucht, von dieser verbannen? Warum soll ich einen Keks essen, bevor ich dem Hund seinen Napf hinstelle, obwohl ich doch nur froh bin, wenn mein norektischer Hund ein paar Bröckelchen Futter zu sich nimmt? Wie soll ich meinen Status dadurch festigen, vor dem Hund durch die Türe zu gehen, wenn dieser sich sowieso monatelang weigert, seine sichere Wohnung zu verlassen? Und warum soll ich ständig darauf bestehen, dass der tief schlafende Hund mit völlig kaputten Gelenken aufsteht und mir Platz macht, obwohl er dabei jedes mal Schmerzen erleidet und ich eigentlich sehr froh bin, dass er mir inzwischen vertraut und nicht jedes mal hysterisch aufspringt, wenn ich in seine Nähe komme. Natürlich braucht ein solcher Hund klare Regeln und Strukturen, die ihm Sicherheit geben, aber bitte auf der Basis verhaltensbiologischer Erkenntnisse, und nicht durch pauschale und schlichtweg falsche an den Kühlschrank geheftete Kochanleitungen.
So schäme ich mich bis heute furchtbar, dass ich einen anderen „Tipp“ aus Unwissenheit ausprobiert habe. Und zwar, die Ängste des Hundes (die ja angeblich ein Fehlverhalten sind!) zu ignorieren. Was heißt Angst? Im Falle meines Dönertieres war es die pure Panik. Schon der oben erwähnte Chihuahua in einem Kilometer Entfernung reichte aus, dass dieser Hund schreiend, zitternd, mit schneeweißen Schleimhäuten und dem Schock nahe in der Schleppleine hing, während ich auf der Leine stand, den Hund seinem Schicksal überließ und Wolken zählte, um ja nicht auf die Ängste einzugehen und diese zu bestärken. Glücklicherweise war mir auch da schnell klar, dass das nicht zielführend sein kann, und inzwischen weiß ich, dass Gefahrenabwehr Leittiersache ist und versuche stets für meine Hunde ein verlässlicher Partner zu sein.

Inzwischen zählen meine Hunde entspannt Wolken, während ich versuche brenzlige Situationen zu regeln. Na ja, Günes zählt keine Wolken, sondern behält den Himmel im Auge, aber ich habe weit mehr Erfolg, indem ich mich vor meine Hunde stelle, als durch das Kekse essen vor meinen Hunden! Anderen Hunden gegenüber wird sie wohl ihr Leben lang misstrauisch bleiben, aber sie hat mit den Jahren gelernt, dass sie sich auf mich
verlassen kann.

Der Autisticus lebt aber bis heute meist in seiner eigenen Welt, kann Stunden damit verbringen, den Himmel im Auge zu behalten (sicher ist sicher!) oder Regenwürmer auf charmanteste Art und Weise zum Spiel aufzufordern. Dass die Regenwürmer sich auf das Spiel nicht einlassen wollen, kann der Autisticus bis heute nicht verstehen... wie so vieles andere auch...

Beim täglichen Spaziergang- wenn er denn stattfindet!- läuft der Autisticus aus Prinzip mindestens 100 Meter hinter seinem Frauchen (bzw seiner Couch- Mitbewohnerin, denn ein "Frauchen" hat der Autisticus nicht (nötig)!). Das einzige, was ihn dann aus der Reserve locken kann sind, abgesehen von Regenwürmern, vermeintliche alte Bekannte, sprich völlig unbekannte Menschen, die vom Autisticus begrüßt werden, als würde sie ihre besten alten Freunde nach 20 Jahren wieder treffen, was meist sehr erstaunte Blicke bei den betroffenen Personen erzeugt. Das diese begeisterte "Wiedersehens"freude von den meist nicht sehr Hunde-begeisterten Auserwählten nur sehr selten erwidert wird, stößt den Autisticus vor den Kopf und er fällt danach wieder in stundenlange
Depressionen.

Für meine Beagles allerdings ist der Autisticus eine große Bereicherung, denn während die planlosen Beagles öfters an Büschen vorbei strahlen, in denen sich ganze Rudel von Rehen befinden, fängt der Autisticus, der Rehe annähernd so spannend findet wie Regenwürmer, unvermittelt an das Gebüsch anzuspielen. Während das Frauchen in diesen Fällen noch erstaunt reinschaut (obwohl einen mit den Jahren eigentlich nichts mehr, was der Autisticus tut, verwundert), springt das Rudel Rehe aus dem Gebüsch, die Beagles hinterher, und zurück bleibt ein schreiendes Frauchen und ein zu Tode beleidigter Autisticus, der überhaupt nicht verstehen kann, dass Rehe solche Spielverderber sind.

Im Vergleich zu vielen Südhunden, die ich kenne, habe ich da wohl richtig Glück gehabt, denn einen ausgeprägten Jagdtrieb hat Günes nicht. Na ja, dafür habe ich ja noch zwei Beagles...

Der Autisticus hat es aber auch oft nicht leicht, manchmal verschwört sich die ganze Welt (und der Himmel?) gegen ihn. So kam es, dass der arme Autisticus eines Tages an der Isar aus heiterem Himmel (nein, der böse Himmel schon wieder!) anfing wie am (Döner-)Spieß schrill zu schreien und völlig hysterisch durch die Gegend zu rennen. Alle Versuche ihn einzufangen scheiterten kläglich, der Autisticus war dermaßen durch den Wind, als wäre ihm soeben der Himmel persönlich erschienen. Langsam kam auch in mir die Panik hoch, denn es hörte sich an, als befände sich der Autisticus gerade im Todeskampf. Es blieb mir aber nichts anderes übrig, als den gesitteten Rückzug nach Hause anzutreten- in der Hoffnung, dass der Autisticus mir folgen würde, um in Ruhe auf der Couch zu sterben. Nach gefühlten Stunden wurde es dem Autisticus draußen tatsächlich zu bedrohlich, weil sich inzwischen besorgte Menschenmassen eingefunden hatten, die sich dieses Naturschauspiel nicht entgehen lassen wollten. Zu Hause war es dann endlich möglich den Autisticus, der inzwischen nur noch leise vor sich hin wimmerte, eingehend zu untersuchen- um festzustellen, dass ihm ein KAUGUMMI zwischen den Ballen klebte...!!!

Der Autisticus fühlte sich nach dieser prägenden Erfahrung übrigens in seinem prinzipiellen Misstrauen gegen die Welt bestätigt.

Eine andere Bedrohung sucht den Autisticus allmorgendlich heim. Es ist sein tägliches Yoga-Ritual jeden Tag mit ausgiebigen Streckübungen zu beginnen, wenn er sich denn endlich mal dazu durch gerungen hat wirklich die Couch zu verlassen. Einer Katze gleich wird der Autisticus dabei fast drei Meter lang und jeden Morgen entweicht seinem Popöchen dabei ein ganz leises "Pffffffft". Und auch jeden Morgen erschreckt sich der Autisticus dabei furchtbar vor sich selbst, schreit, nimmt den Schwanz zwischen die Beine, so dass er vorne wieder raus kommt und rennt entsetzt ins nächste Eck, um von dort aus misstrauisch jeden Winkel des Zimmers zu beäugen. Danach wird wieder der Himmel abgesucht...

Auch das Freßverhalten des Autisticus ist erwähnenswert: der „ach so dankbare Straßenhund“ verweigerte jegliche Nahrung (ich wusste bis dato nicht einmal, wie viele verschiedene Hundefuttersorten es gibt) und magerte immer mehr ab. Das Hungerzentrum scheint zugunsten des Angstzentrums zurück gedrängt worden zu sein und ist nur sehr rudimentär ausgebildet. So erntet man vom Autisticus nur angewiderte Blicke, wenn man versucht ihn mit Wienerle oder Ähnlichem aus der Reserve zu locken - während die Beagles daneben versuchen neue Rekorde in der Länge der
Sabberfäden aufzustellen. Der Autisticus fängt auf der Stelle das peicheln und Schmatzen an, verzieht die Nase und tut gerade so, als wolle man ihn vergiften. Mit einem Autisticus kann es auch passieren, dass einem wildfremde Leute mitleidig Geld für Hundefutter in die Hand drücken und man übelst als Tierquäler beschimpft wird, was bei einem Hund in Schäferhundgröße mit einem Kampfgewicht von 11 kg auch nicht weiter verwundert... Von Futterprägung hatte ich bis dahin noch nie etwas gehört -inzwischen weiß ich, dass sie für einen Döner alles stehen und liegen lässt und sogar vorübergehend ihre Angst vor dem Himmel vergisst. Aber nur vorübergehend!

Dafür lernt man mit solch einem Hund, sich über Kleinigkeiten, die für viele selbstverständlich sind (und es bis dahin für mich auch waren) riesig zu freuen. Niemals werde ich vergessen, wie der Autisticus mit ca. vier Jahren in eine Brombeerhecke gelaufen ist und sich einen Dorn in die Pfote eingetreten hat. Ich rechnete schon mit dem Schlimmsten, siehe Kaugummi, aber was machte Günes? Sie kam zu mir, hielt mir ihre Pfote hin und schaute mich mit einem „mach das weg Blick“ an – und mir kullerten vor Rührung die Tränchen über's Gesicht. Das war das erste mal, dass sie auf mich zukam und mir vertraute! Wie toll doch so eine matschige Hundepfote sein kann...

Lange habe ich gezweifelt, ob es damals richtig war, sie aus ihrem Lebensraum zu reißen und sie hier einzubürgern, in eine Welt, die ihr vollkommen fremd war und die sie komplett überforderte.
Einen Gefallen habe ich ihr damals sicherlich nicht getan, auch wenn ich, wie so viele andere auch, nur die besten Absichten hatte. Aber ich habe sie mitgebracht und da blieb nur, das beste daraus zu machen und zu versuchen, ihr die Angst zu nehmen, und das Leben hier so angenehm wie möglich zu machen. Dafür musste sie viel lernen - ich aber auch. Und zwar, mich mit dem Verhalten von Hunden auseinanderzusetzen (danke, Günes!), auch kleine Fortschritte schätzen zu lernen, und zu akzeptieren, dass man vieles nicht ändern kann, sondern es hinnehmen muss. Ich habe meine Ansprüche runter gefahren und eingesehen, dass sie niemals der Kumpelhund sein wird, der mit mir durch dick und dünn geht, und dadurch sehr viel Druck von uns beiden genommen. Sie ist anders, aber das ist für mich in Ordnung. Sie lebt bei uns, und selten auch mit uns. Aber sie wird im Kopf immer ein unabhängiger und zutiefst traumatisierter Straßenhund bleiben. Klar, hätte ich sie nicht mitgenommen, dann würde sie sicherlich längst nicht mehr leben – aber im Hinterkopf bleibt die Frage nach der Lebensqualität, denn die Lebensquantität ist sicher nicht alles. Doch inzwischen hat sie eine Lebensqualität, da bin ich sicher. Nicht immer, aber immer öfter! Hat ja auch fast 10 Jahre gedauert...

Aber – und zwar großes ABER! - ich halte es mit dem kleinen Prinzen: man ist zeitlebens für das verantwortlich, was man sich vertraut gemacht hat. Und so war für mich immer klar, dass ich alles geben muss, um diesem Hund ein möglichst angenehmes Leben zu bieten, denn ich war ja schließlich Schuld an seinem neuerlichen Elend. Und „alles“ war wirklich alles! Angefangen beim verzweifelten Versuch, mein Auto in gesellschaftsfähigem Zustand zu halten, über immense Kosten für die diversen Operationen, für den meist nicht sehr hilfreichen, aber trotzdem teuren Besuch vieler Hundeschulen, für den Kauf unzähliger verschmähter Futtersäcke, bis hin zu Unmengen an Zeit, die ich zwar gerne investiert habe, die aber sehr viele Nerven und Tränen gekostet haben.

Und da stellt sich mir die durchaus berechtigte Frage, wie viele Menschen bereit gewesen wären, all das mit zu machen. Viele Leute, die einen „ach so dankbarer und sozialverträglicher Straßenhund“ versprochen wird, wären bestimmt nicht bereit gewesen, all das auf sich zu nehmen, bzw. hätten sie
gar nicht die Möglichkeiten. Günes' Weg wäre, wie der vieler Südhunde, vorprogrammiert gewesen.
Sie wäre zwar bestimmt schnell vermittelt worden, denn sie ist ein sehr hübsches Unikum, aber genauso schnell wäre sie vermutlich im nächsten Tierheim gelandet. Das Spiel hätte sich wahrscheinlich noch ein paar mal wiederholt, und dann wäre der Hund an seinem Streß, bzw. dem daraus resultierenden Organversagen, gestorben.

Die Tierschutzorganisationen, mit denen ich in all den Jahren zu tun hatte, kümmern sich nämlich nach der Vermittlung in den seltensten Fällen um die Tiere, sondern lassen sie, gemeinsam mit den dazugehörigen Besitzern, im Regen stehen.
Hauptsache der Hund ist „gerettet“, ob er will oder nicht. Günes stellt bestimmt ein Extrembeispiel dar, aber trotzdem ist sie symptomatisch für viele Hunde aus dem Ausland mit ungewisser Vergangenheit. Viele Hunde, die, wenn man sie fragen würde, sicherlich nicht begeistert ihre Koffer packen würden, um hier Asyl zu beantragen. Tierschutz sollte, wie schon das Wort sagt, im Sinne der Tiere sein. Und genau da ist der Haken beim derzeit oft praktizierten Auslandstierschutz – und an der Situation der Tiere dort ändern auch die großzügig verteilten Flugtickets nach Deutschland nichts, denn das ist nichts anderes als der Tropfen auf dem
heißen Stein. Solange die Strategie nicht geändert, und endlich angefangen wird, zu sterilisieren und die dortige Bevölkerung aufzuklären, ändert sich auch an der Situation der Hunde nichts.

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Giftködermeldungen auf hund-moenchengladbach

Zahlreiche Internetportale berichten über Giftköder.

Auch hund-moenchengladbach.de hat sich zur Aufgabe gemacht, über Gift zu informieren.

Um aktuell und schnell die Leser zu informieren, ist es aber notwendig, alle möglichen Quellen ständig zu beobachten. Umgekehrt ist es auch notwendig Giftfunde möglichst vielen Plattformen mitzuteilen.

Der Aufwand ist sehr hoch!

Wünschenswert und sinnvoll wäre es, wenn zumindest die großen Portale, wie Giftköder-Alarm.de und Giftwarnung.info immer genutzt werden.

So können zentrale Internetportale entstehen, wo über Gefahren durch Giftköder aktuell und schnell informiert wird.

(Darüber hinaus können selbstverständlich auch andere Internetplattformen und die klassischen Medien informiert werden.)

Giftwarnungen im Internet:


Giftköder-Alarm.de

Giftköder-Alarm (NRW)

Giftköder-Alarm veröffentlicht Meldungen auf einer Webseite und verschickt einen wöchentlichen Newsletter.

Auf google Map können hier Giftmeldungen aus Mönchengladbach eingesehe werden!


Giftwarnung.info

Giftwarnung.info


Informiert über Giftmeldungen aus Österreich, Deutschland, Schweiz und Luxenburg.

Alle Giftwarnungen sind über eine Google Maps Karte einsehbar

Giftwarnungen Raum Mönchengladbach


Es gibt zusätzlich eine mobile Giftwarnkarte für Smartphones.


Die Karten von "Giftköder-Alarm" und "Giftwarnkarte" werde ich hier im Blog fest einbinden. Über aktuelle Meldungen aus Mönchengladbach werde ich so schnell wie möglich berichten!