Donnerstag, 23. Februar 2012

Berlin bald ohne Rasseliste?

In Berlin wird bei Pitbull, Staffordshire und Co. eine Gefährlichkeit vermutet.
Das ist in Berlin nicht anders, als in vielen anderen Bundesländern. Hunde bestimmter Rassen müssen erst durch einen Wesenstest beweisen, dass es normale Hunde sind.

Seit Einführung der Rasselisten in Deutschland im Jahr 2000, fordern Hundesachverständige diese Listen wieder zu streichen. Wissenschaftler sind sich weitgehend einig, dass allein aufgrund der Rasse keine Gefährlichkeit angenommen werden kann.

Nach zwölf Jahren ist dieses Wissen nun auch in der Politik angekommen und nun will auch Berlin die Rasseliste abschaffen.

Darüber sind sich die Fraktionen sogar einig.

Das neue Berliner Modell sieht einen Hundeführerschein für alle Hundebesitzer vor, deren Hund größer als 40 cm oder schwerer als 20 kg ist.

Das kann zusätzliches Geld in die Landeskassen bringen, wenn der Hundeführerschein gebührenpflichtig wird. Die Einnahmequelle "Kampfhund" versickert langsam oder stirbt aus. Viele Hunde dieser Rassen sitzen in Tierheimen und mit Nachwuchs ist auch nicht mehr zu rechnen. Überlegungen, die populären Rassen, wie den deutschen Schäferhund als gefährlich zu listen, scheitert an der großen Lobby der Hundehalter und Züchter.

Gegen zusätzliche Einnahmen ist erst einmal nichts Negatives zu sagen, wenn der Hundeführerschein Gefahren minimiert und die Rasselisten wegfallen.

Es kann mit dem neuen Gesetz auch schlimmer für Hund und Halter werden.


In Berlin wird schon von einem allgemeinen Leinenzwang gesprochen. Es gibt aber auch Vorschläge theoretisches Wissen in Kursen mit anschließender Prüfung zu vermitteln.

Davon sollen aber wieder einmal nur die Halter großer Hunde betroffen sein.

Jedes Tier hat aber doch ein grundsätzliches Recht auf einen sachkundigen Besitzer. Da sollte alleine schon der Tierschutzgedanke greifen.

Was die Gefahrenminimierung betrifft, ist nicht verständlich weshalb nur große Hunde als gefährlich gelten sollen.
Besonders Kinder können auch von kleinen Hunden empfindlich verletzt werden. Solche Hundeangriffe sind nur nicht spektakulär genug, um die Titelseite einer Zeitung zu füllen. Vielleicht schafft es aber mal ein schwerer Verkehrsunfall, der von einem Dackel verursacht wurde, neben das nackte Mädchen auf der ersten Seite.

Hat der Halter erst einmal seinen Hund erworben, sind wichtige Entscheidungen bereits getroffen. Die Rasse und die Herkunft des Hundes stehen fest. Je nach Zeitpunkt hat der Hund auch schon seine sensible Phase hinter sich, die fast prägenden Einfluss auf das spätere Verhalten des Hundes hat.

Deshalb finde ich eine Beratung VOR dem Hundekauf sinnvoll. Hier sollte grundlegendes Wissen über Rasse, Zucht, Entwicklung, Erziehung und Haltung des Hundes vermittelt werden.

Bessere Aufklärung durch Medien, Schulen und Kindergärten halte ich auch für wichtig.

Kontrollen, Bußgelder und behördliche Auflagen sollten zusätzlich eingesetzt werden und der Gefahrenminimierung dienen.

Deutschland kann, nach zwölf Jahren, auf eine lange Tradition haarsträubender Hundepolitik zurückblicken:

Wir vermuten pauschal die Gefährlichkeit bestimmter Rassen, obwohl dies wissenschaftlich nicht nachweisbar ist.

Wir verlangen eine Haftpflichtversicherung ausschließlich für die Halter großer Hunde.

Wir verlangen einen Sachkundenachweis ausschließlich für Halter großer Hunde.

Unsere Sachkundenachweise bescheinigen bei manchen "richtigen" Antworten eher das Unwissen des Halters.

Wir verordnen Leinen- und Maulkorbzwang für Hunde bestimmter Rasse.

Wir haben Verfahren geschaffen, die das Wesen und die Gefährlichkeit eines Hundes beurteilen sollen, über die Wissenschaftler nur lachen können.

Wir haben verschiedene Gesetze, Sachkundenachweise, Wesentests und gelistete Rassen in den einzelnen Bundesländern. Rassen, bei denen in NRW pauschal eine Gefährlichkeit vermutet wird, gelten in Sachsen als harmlos. Hunde, die in NRW beim Wesenstest durchfallen, würden in Hessen bestehen. Diese Tatsache alleine zeigt schon, wie willkürlich und grundlagenlos unsere Hundegesetze sind.


Was in Deutschland in den letzten zwölf Jahren mit Hunden veranstaltet wurde, zeigt deutlich die fehlende Sachkunde vieler Politiker. Dies in Kombination mit Beratungsresistenz und politischen Machtkämpfen führte zu dem, mit dem Hundehalter heute leben müssen und was dem Rest der Bevölkerung als Schutz präsentiert wird.

Ich hoffe, es wird sich hier noch einiges ändern.

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