Donnerstag, 26. April 2012

Landwirschaftskandal in Mönchengladbach

Stellen Sie sich vor, Sie bringen ein Schild mit der Aufschrift "Privatparkplatz" vor ihrem Haus an und kommen damit in die Zeitung. Die Presse berichtet über die dreisten Autofahrer, die immer wieder ihren Parkplatz benutzen.

Die Vorstellung ist absurd, weil ein solches Thema die Öffentlichkeit nicht interessiert.

Öffentliches Interesse ist scheinbar in Mönchengladbach vorhanden, wenn ein Bauer einige Schilder auf dem Feld aufstellt.

Nun könnte ja der Hinweis, dass hier ein Bauer auf den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft verzichtet oder sich gegen genetisch veränderte Lebensmittel ausspricht, durchaus von öffentlichem Interesse sein.

Es ging aber um die Verunreinigung der Felder durch Hundekot.


Ohne Zweifel, ein persönliches Ärgernis für den Landwirt. Für die Zeitung ist es wahrscheinlich nur ein perfekter Aufhänger, um im Grabenkrieg zwischen Hundehalter und Nichthundehalter für Zündstoff zu sorgen.

Hundekot gehört nicht in Lebens- oder Futtermittel.

Es gibt Gesetze, die das Betreten und Verunreinigen von landwirtschaftlichen Flächen verbieten.

Der Kot des Hundes ist kein Langzeitgift.

Meist wird er, wie das in der Natur üblich ist, sehr schnell biologisch abgebaut. Das "Problem" beschränkt sich also auf die Haufen, die unmittelbar vor der Ernte auf die Felder gebracht werden. Die Konkurrieren aber mit dem Kot anderer Tiere im Wettlauf um die "Verschmutzung" unserer Lebensmittel.

Nicht erst seit EHEC sollten Lebensmittel gewaschen werden, was auch die letzten Spuren möglicher Verunreinigung beseitigen sollte.

Durch Deutschland geistert immer noch das Gerücht, Hundekot im Tierfutter, könne Fehlgeburten bei Rindern auslösen.
Zu diesem Thema hat die Bundestierärztekammer bereits am 15. Mai 2006 die Presseerklärung Streitfall Hundekot herausgegeben.

Hier wird darauf hingewiesen, dass dieses Risiko vielfach überschätzt wird. In der Presseerklärung heißt es:

"Ein geringes Risiko für einen einzelnen Fall eines Rinderaborts besteht danach erst, wenn sich mindestens 87 Hunde während der gesamten Weidesaison auf dem Gründlandareal aufhalten und dort ihren gesamten Kot
absetzen."

Interessante Links über Lebensmittel und Landwirtschaft, die eventuell von öffentlichem Interesse sein könnten aber nicht so sehr polarisieren, wie ein Hundehaufen:

BUND
Viel zu viele Pestizide in der Landwirtschaft


Pestizide in der Landwirtschaft: flächendeckender Gifteinsatz


Mögliche Risiken durch Einsatz von Nanomaterialien in der Landwirtschaft


foodwatch
Klimawirkung der Landwirtschaft in Deutschland
Studie in Auftrag von foodwatch


FAZ
Gespritzt, gedopt, verkümmert


The European Circle
“Wir haben es satt!”
Kritik an deutscher Agrarpolitik

Donnerstag, 19. April 2012

Quotenjagd mit Hundehalter in Mönchengladbach?

Am 05.04.2012 berichtete die RP-Online über einen Vorschlag des Landwirts Reiner Brungs aus Mönchengladbach: Die Jagdgenossenschaft soll Fotos von Hundehaltern machen, deren Hunde wildern oder Saat zerstören.

Dieser Artikel brachte der RP-Online 37 Leserkommentare und der Nachfolgeartikel "Das sagen Leser zur Fotojagd auf Hundehalter" brachte noch einmal 16 Kommentare.
(Stand: 19.04.2012)

Im Vergleich zu den Leserreaktionen auf andere lokale Artikel sind insgesamt 53 Reaktionen wirklich gut.

Sogar das Forum Hundelobby-Mönchengladbach wurde durch diesen Artikel nach langer Zeit wieder etwas belebt.


Für mich ist dieser Artikel ein Sturm im Wasserglas. Hier wird bewusst Wind gesät, um Sturm zu ernten.


Im Grunde genommen, hat der Landwirt Rainer Brungs nur einen Vorschlag gemacht, über den nie ernsthaft diskutiert werden sollte. Es war eventuell nur eine unüberlegte Äußerung, die noch nicht einmal in die Praxis umgesetzt werden kann. Trotzdem wird gerade aus dieser Äußerung eine Überschrift gebastelt, die für den nötigen Sprengstoff sorgt.

Nur die Quote sichert das Überleben einer Zeitung und scheinbar auch das Überleben einer Interessensgemeinschaft. Allerdings wird durch solche Diskussionen aber auch ein pauschalisiertest Bild von Hund, Halter, Landwirt und Jäger in die Öffentlichkeit gebracht. Das fördert nicht die gegenseitige Akzeptanz in Mönchengladbach.

Hundekot auf den Wegen und Feldern, Streit um Hundewiesen oder jagende Hunde, sind Themen, die in Mönchengladbach immer wieder gerne wie die Sau durchs Dorf getrieben werden. Oberflächlich und reißerisch, wie es die BILD Zeitung gelehrt hat.

Wenige Worte können eine Volksmeinung bilden, wenn sie von einer Masse schnell verstanden werden und einprägsam sind. Ein solcher Populismus reduziert den Hund nicht selten auf “Lieber Hund“ und “Böser Hund“. Eine beliebte Variante ist: “Lieber Hundehalter“ und “Böser Hundehalter“.

Am Ende sind aber die Hundehalter die Verlierer in Mönchengladbach, wenn solcher Populismus sich in den Köpfen der Menschen breit macht. Ohne ein hohes Fachwissen über Hundeverhalten kann keine Hundepolitik gemacht werden. Dies gilt für die Politiker in unserem Land, wie es auch für Interessensverbände und Vereine gelten sollte.

Vielleicht schaffen wir es ja eine Diskussion über jagende und Felder zerstörende Hunde in Mönchengladbach zu führen ohne die Parteien in Hundefreunde und Hundehasser aufzuteilen?

Ich erwähne bei solchen Diskussionen immer gerne den bereits verstorbenen Dr. Erik Zimen, der als Jäger und Hundefachmann immer beide Seiten betrachten konnte. Er beschrieb mit dem Satz: "Wölfe gehen auf die Jagd - Hunde jagen", sehr gut die verkümmerte Fähigkeit unserer Hunde wirklich jagen zu gehen. Die meisten Hunde sind Pseudojäger. In meinen sieben Jahren als Hundehalter, auf meinen zahlreichen Spaziergängen, bei denen ich schon viele Hunde getroffen habe, erlebte ich kein einziges Mal, wie ein Hund einen wirklichen Jagderfolg hatte.

Selbstverständlich wird es Hunde geben, die auch mal ein Tier bekommen und töten. Doch wie gering ist die Anzahl der durch Hunde getöteten Tiere im Vergleich zu den durch Autos getöteten Tiere? Ich glaube, solche Fälle sind so selten, dass es kaum lohnt darüber ernsthaft zu diskutieren oder sogar tierschutzrelevante Bedenken anzuführen.

Raubtiere gibt es in Deutschland ja nicht erst seit der Rückkehr des Wolfes und Raubtiere sind auch ein Teil der Natur.

Ein bekanntes Argument der Jäger ist die Notwendigkeit der Jagd mit fehlenden natürlichen Feinden zu begründen. Wieso ist die Aufregung denn dann so groß, wenn der Hund als Pseudofeind mal in das Jagdrevier eindringt?

"Eine kleine Hatz sei erlaubt", sagte auch Zimen und überlegte, ob die damit verbundene Unruhe im Revier nicht sogar vorteilhaft sein könnte. Für Rehe und Hasen sollte es doch zum Leben gehören, Ausschau nach Feinden zu halten und sich nicht nur durchfüttern zu lassen, bis im Herbst und Winter der Mensch als Jäger auftritt, um die hohe Population einzudämmen.

Spaziergänge an der Niers (Fluss in MG) im Frühling zeigen, dass sich die Natur von den zahlreichen freilaufenden Hunden auch nicht wirklich stören lässt, denn überall gibt es Nachwuchs.

Diese Argumente sollten aber kein Freibrief für Hundehalter sein, ihre Hunde zur Jagd zu schicken.


Die Gesetze sind hier ziemlich eindeutig. Bei aller Theorie, die sich für die "kleine Hatz" ausspricht, müssen wir auch die Hundedichte in Mönchegnladbach berücksichtigen. Eine Invasion der Pseudojäger ist sicher nicht wünschenswert.

Gerd Gröne-Gormanns, von der Hundelobby Mönchengladbach, empfiehlt im Artikel der Rheinischen Post den sicheren Rückruf des Hundes zu trainieren, jagende Hunde an der Leine zu führen und bringt in diesem Zusammenhang auch noch mal die Hundewiesen ins Thema ein.

Ich befürchte, diese Ratschläge helfen einem Hundehalter, der ein Problem mit seinem ernsthaft jagenden Hund hat nicht weiter.

Den Rückruf bei einem solchen Hund zu trainieren ist kein Kinderspiel und manchmal fast unmöglich.
Das Leben an der Leine bis zur nächsten Hundewiese ist auch keine tierschutzgerechte Alternative! Die Hundewiesen in Mönchengladbach sind zu klein, nicht hundgerecht gestaltet und es fehlt vor allen Dingen eine Umzäunung. Was sollen die Menschen da mit ihren jagenden Hunden?

Ich rate Welpen- und Junghundehaltern sich mit der Schleppleine und den Ratschlägen von Günther Bloch zu beschäftigen. In Blochs Buch "Der Wolf im Hundepelz" ist das Vorgehen gut beschrieben.

Falls der Hund bereits ein wirklicher Jäger ist, sollte eine Hundeschule das Problem zumindest mindern können.

Wir müssen uns aber vom utopischen Gedanken des perfekten Hundes trennen, der jede Regel in allen Lebenslagen befolgt. Es wird immer mal wieder passieren, dass ein Hund mal auf den Rückruf pfeift und lieber mal eine Runde durchs Feld galoppiert. Erik Zimen beschreibt in seinem Buch "Der Hund" sehr schön, wie ihn seine Hunde regelmäßig ausgetrickst haben und er wusste ziemlich viel über das Verhalten und die Erziehung des Hundes.

Falls der sonst wohlerzogene Hund mal ins frische Feld läuft, kann ein Kommando wie “Raus da!“ sehr hilfreich sein. Entgegen der Aussage im Artikel können Hunde lernen, zwischen Weg und Feld zu unterscheiden.

Ist der Hundehalter bemüht seinen Hund vom Acker zu holen und vermeidet auch unkontrolliertes Jagen, dann dürfte es kaum noch ernste Streitigkeiten zwischen Bauern, Jägern und Hundehaltern geben.

In den seltenen Fällen, in denen ein Hund dann doch mal über das Feld läuft, sollten Bauern und Jäger besser zähneknirschend die Faust in der Tasche machen, als nach einem Fotoapparat zu suchen. In einem solchen Fall ist der bemühte Hundehalter sicher selbst schon stinksauer darüber, dass sein Köter nicht gehört hat.