Montag, 16. Dezember 2013

Zweite Woche auf dem Weg zur Hundetrainerin

Yvonne Wagner hat die zweite Woche auf dem langen Weg zur ausgebildeten Hundetrainerin hinter sich gebracht.

Wer dieses Blog verfolgt, kennt sie schon und hat die erste Woche miterlebt. Voller Zweifel und ganz bei sich selbst und ihrem Hund hat sie nach ihrer ersten Ausbildungswoche vieles hinterfragt, was bisher für sie nicht beachtenswert war.

In die zweite Woche startete sie mit mehr Selbstsicherheit und Freude und endete mit der Gewissheit, wahrscheinlich nie wieder unbefangen einen Hundehalter mit seinem Hund beobachten zu können. Auch die beliebten Hundeerziehungsunterhaltungsshow wird sie nie wieder ohne inneren Aufschrei sehen können.

Besonders groß ist ihr Aufschrei, wenn Erziehungshilfsmittel im Fernsehen, Zeitschriften oder Bücher ohne ausreichende fachliche Anleitung vorgestellt werden. Die Gefahr ist groß, dass ohne Anleitung das Hilfsmittel falsch eingesetzt wird. Nicht selten führt das zu noch größerem Problem beim Hund.

Eine wichtige Aufgabe einer Hundetrainerin besteht darin, die richtige Anwendung eines geeigneten Hilfsmittels dem Kunden zu vermitteln. Das geht nur über praktisches Üben und das kann kein Buch und keine Fernsehserie leisten.

Häufig wird das in Hundeschulen nur unzureichend gemacht und viel mehr auf kundenbindende Maßnahmen gesetzt. Die Kasse klingelt eben länger, wenn der Kunde drei Zehnerkarten Beschäftigungsprogramm kauft, als zwei Einzelstunden, wo dem Kunden der richtige Umgang mit Halti vermittelt wird.

Zugegeben kann dies nicht getrennt werden und die Beschäftigung ist häufig ein wichtiges Element eines ganzheitlichen Trainings. Neben den Hilfsmitteln in der Hundeerziehung ging es deshalb auch um die sinnvolle Auslastung eines Hundes. Sinnvoll ist für viele, eine rassespezifische Beschäftigung, was aber auch nicht immer unkritisch ist. Yvonne hat eine ganz klare Meinung, was bei ihr ein Welpe im ersten Jahr machen sollte. In Stichworten nennt sie: "Ruhe, Entspannung, körperliches Spiel beim und mit dem Menschen, Frust ertragen lernen, Eindrücke in kleine Häppchen sammeln."

Für erwachsene Hunde bevorzugt sie das Longieren und die Fährtenarbeit als geeignete Beschäftigung.

Wichtig ist ihr aber auch, dass Beschäftigung nicht immer Sport sein muss. Beim normalen Spaziergang kann vieles den Familienhund sinnvoll beschäftigen und es sollte auch keine Dauerbeschäftigung betrieben werden. Das Bedürfnis nach Ruhe und langen Schlafphasen vergessen viele Menschen, die davon überzeugt wurden, dass ihr Hund nicht ausgelastet sei.

Das Thema Beschäftigung ist ein Reizthema! Schließlich leben sehr viele Leute von Beschäftigungsangebote für Hunde(halter). Vereine haben sich gegründet und Wettbewerbe werden ausgetragen, um Hunde im Alltag zu beschäftigen. Solange es nur um harmloses Hürdenlaufen oder Treibball geht, bleibt die breite Masse beim Thema Hundesport noch unberührt. Geht es aber um die Hobbyausbildung eines Schutzhundes, dann erhitzen sich die Gemüter sehr schnell.

Noch emotionaler wird es, wenn über Hunderassen kontrovers diskutiert wird. Über Kampfhunde darf von Hundeleuten nur positiv gesprochen werden, um nicht noch Wasser auf die Idiotienmühlen mancher Politiker zu gießen. Von Qualzuchten wollen Zuchtvereine und Rassenliebhaber auch nichts wissen. Die Dinge sind aber nun mal so, wie sie sind und wenn Hunde ohne tägliche pflege oder frühe medizinische Hilfe nicht lange überleben könnten, dann handelt es sich nicht mehr um gesunde Hunde.

Welche Rasse ist denn nun die geeignete Familienrasse?

Erste Informationen bekommen zukünftige Hundebesitzer aus dem Internet. Da gibt es eine Mischung aus guten Ratschlägen, Vorurteilen und pauschale Regeln für den Welpenkauf. Der Golden Retriever gilt als der leicht erziehbare Familienhund. Yvonne ist aber davon überzeugt, dass sie einen Schäferhund aus guter Zucht viel eher in eine Familie stecken würde.

Pauschal kann wahrscheinlich keine Entscheidung alleine nach Rasse getroffen werden und bestimmt reichen einige Stunden im Internet oder der Ratschlag von Freunden nicht aus.

Häufig wird das Aussehen des Hundes und der persönliche Geschmack eine große Rolle spielen. Wichtig ist aber dann eben auch, dass die Familie die spezifischen Eigenarten einer Rasse kennt und darauf achtet, dass die Zucht gesund ist und nicht zu den Qualzuchten gehört.

Eine Woche ist vergangen, in der sch Yvonne mit unterschiedlichen Hunderassen und deren Eigenarten, mit zahlreichen Hilfsmitteln und deren Verwendung und mit dem Thema Beschäftigung auseinandergesetzt hat. Viele ihrer Ansichten zu den Themen sind kritischer geworden. Manchmal verliert sie den unbeschwerten Blick auf die Hundewelt und schnell werden ständige Kritiker zum unbeliebten Querulanten. Das ist eine große Gefahr! Leute lieben die einfachen Rezepte, die in vielen Hundeschulen, im Fernsehen oder über Bücher angeboten bekommen. Als zukünftiger Hundetrainer ist man auch gefordert, diese Beratungsgespenster wieder aus den Köpfen der Leute zu bekommen. Wie erstaunt ist mancher Kunde, wenn die Trainerin dem Border erst einmal Zwangsruhe verordnet, obwohl im Fernsehen die Sportart Treibball empfohlen wurde.

Yvonne hat keine Zweifel daran, dass sie in naher Zukunft als Hundetrainerin tätig sein wird. Das ist sie den Hunden schuldig. Wer sich das nötige Wissen angeeignet hat, sollte es nicht für sich behalten. Allerdings ist sie skeptisch, ob sie die Hundehalter überzeugen kann. Denn viele Menschen sehen die Dinge einfach anders, als ein Hundetrainer. Für diese Menschen sind die Ansichten wohl nur schwer verständlich.

Doch bevor sie sich darum Gedanken macht, macht sie erst einmal ihre Ausbildung zu Ende.

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