Mittwoch, 18. Dezember 2013

Cesar Millan: Die Glücksformel für den Hund: 98 Tipps vom Hundeflüsterer

Wer diesen Text liest, wird kein eindeutiges Statement bekommen, ob ich Cesar Millan gut finde oder nicht.

Wer Pro oder Contra sucht, wird hier nicht fündig.

Das Buch von Cesar Millan “Die Glücksformel für den Hund: 98 Tipps vom Hundeflüsterer“ ist ein Einblick in Cesars eigene Welt der Hundeerziehung.

Quellangaben fehlen und deshalb ist nicht nachvollziehbar, womit Cesar seine Aussagen begründet.

Seine Thesen, die meist im Zusammenhang mit dem “menschlichen Rudelführer“ stehen, scheinen eher persönliche Interpretation zu sein.

Trotzdem werden die von Cesar beschriebenen Methoden häufig funktionieren.
Vielen Anhängern von Cesar Millan wird es daher egal sein, ob die gelieferten Erklärungen richtig oder falsch sind.

Millan liefert in diesem Buch einfache Rezepte für den Hundehalter, die zum Erfolg führen können. Der Leser bekommt das positive Gefühl, ein Rudelführer zu sein oder einer werden zu können.

“Bewegung, Disziplin, Zuneigung“ lautet die Zauberformel. Diese Faktoren sind nicht neu und auch keine Erfindung von Cesar Millan.
Es gibt kaum einen Hundetrainer, der seinen Kunden nicht dieses Vorgehen empfiehlt.

Die Wirkung wird dadurch erzielt, dass die Veränderung im Umgang mit dem Hund eine soziale Neuorientierung des Hundes erfordert.

In dieser Umorientierungsphase kann der Hundehalter neue Regeln etablieren.

Die längeren Spaziergänge bereichern das Leben des Hundes und schaffen dadurch eine höhere Ausgeglichenheit.
Allerdings gibt es auch immer mehr Hunde, die Überbeschäftigt sind und Ruhe brauchen.

Zuneigung sparsam einsetzen ist ein einfaches Mittel, um den Wert dieser Belohnung zu erhöhen.

Ein Rudelführer, im Sinne einer Rangordnung im Wolfsrudel, wird aber kein Mensch durch die Einhaltung dieser Regeln.


Das teilweise falsche Bild vom Rudelführer ist vermutlich für den Verkauf des Buches wichtig.
Es erzählt die Geschichte vom modernen Dr. Doolittle, der als Rudelführer die Sprache der Tiere spricht. Mit den Techniken aus diesem Buch soll der Leser dies lernen können und dadurch sogar sein Leben verändern. Mich erinnert dies an amerikanische Selbsthilfebücher.

Beobachtungen an Wolfsfamilien im Freiland zeigen, dass die Rangordnung in einer Wolfsgruppe eher mit der Ordnung in einer menschlichen Familie vergleichbar ist.

Es spielt keine Rolle, wer in der Familie als erster ins Haus geht oder wer beim Spaziergang vorne läuft. Wolfsbeobachtungen zeigen, dass selbst Alphatiere im Rudel hinten laufen können ohne ihren Rang zu verlieren. Entsprechende Aussagen im Buch, die das Gegenteil behaupten, sind daher falsch.

Wem die Rangordnungsgeschichten von Cesar Millan gefallen, der darf natürlich an diesem Modell festhalten. Wer sich aber wirklich an der Natur orientieren möchte, der sollte die Bücher von Bloch und/oder Radinger lesen.

Der Wolfsforscher Günther Bloch schlägt vor, sich in der Beziehung zwischen Mensch und Hund mehr an der Beziehung zwischen Wolfseltern und Welpen zu orientieren.

Das “Modell“ der ausgeglichenen Energie, das Cesar Millan beschreibt, kann nützlich und wirkungsvoll sein. Besser fände ich es aber, wenn vom Gemütszustand des Halters gesprochen würde und nicht von einer Energie, die als etwas Übersinnliches oder magisches beschrieben wird.

Ein ruhiger und ausgeglichener Gemütszustand ist die Abwesenheit von hoher Erregung. Jede Erregung des Hundehalters wird auf den Hund übertragen und steigert häufig das Problemverhalten. In diesem Zusammenhang sind die Ratschläge von Millan durchaus brauchbar.

Ein Mensch, der Wut, Unsicherheit und Angst zeigt, der gestresst ist, wird im Einwirken auf den Hund kaum das richtige Maß finden und deshalb ist es erforderlich, dass jeder Hundehalter sich in Konfliktsituationen kontrollieren kann.

Cesar Millan gibt Hinweise, wie dieser entspannte Zustand herbeigeführt werden kann. Es werden Techniken vorgestellt, die auch von Schauspielern verwenden werden.

Leider wird die soziale Komplexität der Mensch-Hund-Beziehung durch die Rezeptstuktur des Buches, zu wenig berücksichtigt.

Cesar Millan fordert dazu auf, den Hund erst einmal als Tier zu sehen, dann als Hund, dann als Rasse und erst zum Schluss als Persönlichkeit.

Auch wenn klar wird, was der Autor damit sagen möchte, halte ich dieses Modell für problematisch, denn gerade die komplexe Persönlichkeit des Hundes ist es, die eine Erziehung auf Rezept schwierig machen kann.

Hundehalter sollten es besser umgekehrt machen und erst nach der Persönlichkeit ihres Hundes fragen. Was der Hund allgemein oder die Rasse speziell braucht, wird sich dann automatisch herausstellen.

Wer dafür ein Modell benötigt, der kann überlegen, ob sein Hund ein A-Typ oder ein B-Typ ist. Typ A ist erkundungsfreudiger und Typ B eher abwartend.

Eine weitere nützliche Einteilung ist die drei Klassengesellschaft der Hunde, wie sie Bloch beschreibt.

Da gibt es die Seelchen, das gesellige Mittelfeld und die Kopfhunde.

Im Internet findet sich hier eine gute Beschreibung zu diesen Einteilungen.


Mit wenigen Faktoren kann der Hundehalter seinen Hund Charakterisieren und erfährt sehr viel über seinen Hund, der eben doch erst mal eine Persönlichkeit ist.

Die Suche nach den Ursachen für ein Problemverhalten klammert Cesar Millan weitgehend aus.

Die Formel: “Bewegung, Disziplin, Zuneigung“ plus “ruhige Energie“ können aber nicht jedes Hundeproblem lösen.


Das in diesem Buch vorgestellte Modell kann durchaus eine nützliche Hilfe im Umgang mit dem Hund sein, wenn man es mit Sachverstand liest und nicht blind den Aussagen von Millan vertraut.

Ein Rudelführer, der alles kontrolliert und seine Rudelführerschaft durch ständiges Einschränken festigen muss, braucht keine Mensch-Hunde-Beziehung.

Entspannter geht es mit Kontrolle und Führanspruch, wo es nötig ist, weil der Mensch verantwortlich ist. Einige Regeln, die aufgestellt werden, weil der Mensch es möchte und nicht weil es ein Zeichen von Rudelführerschaft ist, können hilfreich sein.

Weil die Bücher von Cesar Millan nicht losgelöst von seinen Fernsehshows gesehen werden können, möchte ich diesbezüglich sagen, was unbedingt gesagt werden sollte:


Wer die Fernsehserien von Millan gesehen hat, der wird von den schnellen Erfolgen begeistert sein.

Die Warnung, die der Sender bei der Ausstrahlung anbringt, sollte wirklich ernst genommen werden. Ein massives Einwirken auf einen Hund, kann nur - wenn überhaupt – nach eingehender fachlicher Analyse erfolgen und sollte immer entsprechend kompensiert werden.

Dies erfordert ein hohes Fachwissen und viel Erfahrung im Umgang mit Hunden.

Dies ist eine wichtige Warnung für alle, die glauben, sie seien nach dem Lesen des Buches in der Lage mit gefährlichen Hunden zu arbeiten!

Darüber hinaus ist für mich jede Hundeerziehungsshow in erster Linie darauf ausgelegt die Massen zu unterhalten. Für die Unterhaltung der Massen und die damit verbundene Einschaltquote aber auch für den höheren Bekanntheitsgrad der Protagonisten ist scheinbar jedes Mittel erlaubt.

Früher wurden die Raubtierbändiger im Zirkus bejubelt, die ihren Kopf ins Maul des Löwen legten. Heute ist der Hund das Raubtier und man bejubelt die Wunderheilungen im Fernsehen.

Das Volk sollte unbedingt den Unterschied zwischen Realität und Zirkuswelt begreifen. Sonst kann es schnell für Hund und Mensch gefährlich werden.

Montag, 16. Dezember 2013

Zweite Woche auf dem Weg zur Hundetrainerin

Yvonne Wagner hat die zweite Woche auf dem langen Weg zur ausgebildeten Hundetrainerin hinter sich gebracht.

Wer dieses Blog verfolgt, kennt sie schon und hat die erste Woche miterlebt. Voller Zweifel und ganz bei sich selbst und ihrem Hund hat sie nach ihrer ersten Ausbildungswoche vieles hinterfragt, was bisher für sie nicht beachtenswert war.

In die zweite Woche startete sie mit mehr Selbstsicherheit und Freude und endete mit der Gewissheit, wahrscheinlich nie wieder unbefangen einen Hundehalter mit seinem Hund beobachten zu können. Auch die beliebten Hundeerziehungsunterhaltungsshow wird sie nie wieder ohne inneren Aufschrei sehen können.

Besonders groß ist ihr Aufschrei, wenn Erziehungshilfsmittel im Fernsehen, Zeitschriften oder Bücher ohne ausreichende fachliche Anleitung vorgestellt werden. Die Gefahr ist groß, dass ohne Anleitung das Hilfsmittel falsch eingesetzt wird. Nicht selten führt das zu noch größerem Problem beim Hund.

Eine wichtige Aufgabe einer Hundetrainerin besteht darin, die richtige Anwendung eines geeigneten Hilfsmittels dem Kunden zu vermitteln. Das geht nur über praktisches Üben und das kann kein Buch und keine Fernsehserie leisten.

Häufig wird das in Hundeschulen nur unzureichend gemacht und viel mehr auf kundenbindende Maßnahmen gesetzt. Die Kasse klingelt eben länger, wenn der Kunde drei Zehnerkarten Beschäftigungsprogramm kauft, als zwei Einzelstunden, wo dem Kunden der richtige Umgang mit Halti vermittelt wird.

Zugegeben kann dies nicht getrennt werden und die Beschäftigung ist häufig ein wichtiges Element eines ganzheitlichen Trainings. Neben den Hilfsmitteln in der Hundeerziehung ging es deshalb auch um die sinnvolle Auslastung eines Hundes. Sinnvoll ist für viele, eine rassespezifische Beschäftigung, was aber auch nicht immer unkritisch ist. Yvonne hat eine ganz klare Meinung, was bei ihr ein Welpe im ersten Jahr machen sollte. In Stichworten nennt sie: "Ruhe, Entspannung, körperliches Spiel beim und mit dem Menschen, Frust ertragen lernen, Eindrücke in kleine Häppchen sammeln."

Für erwachsene Hunde bevorzugt sie das Longieren und die Fährtenarbeit als geeignete Beschäftigung.

Wichtig ist ihr aber auch, dass Beschäftigung nicht immer Sport sein muss. Beim normalen Spaziergang kann vieles den Familienhund sinnvoll beschäftigen und es sollte auch keine Dauerbeschäftigung betrieben werden. Das Bedürfnis nach Ruhe und langen Schlafphasen vergessen viele Menschen, die davon überzeugt wurden, dass ihr Hund nicht ausgelastet sei.

Das Thema Beschäftigung ist ein Reizthema! Schließlich leben sehr viele Leute von Beschäftigungsangebote für Hunde(halter). Vereine haben sich gegründet und Wettbewerbe werden ausgetragen, um Hunde im Alltag zu beschäftigen. Solange es nur um harmloses Hürdenlaufen oder Treibball geht, bleibt die breite Masse beim Thema Hundesport noch unberührt. Geht es aber um die Hobbyausbildung eines Schutzhundes, dann erhitzen sich die Gemüter sehr schnell.

Noch emotionaler wird es, wenn über Hunderassen kontrovers diskutiert wird. Über Kampfhunde darf von Hundeleuten nur positiv gesprochen werden, um nicht noch Wasser auf die Idiotienmühlen mancher Politiker zu gießen. Von Qualzuchten wollen Zuchtvereine und Rassenliebhaber auch nichts wissen. Die Dinge sind aber nun mal so, wie sie sind und wenn Hunde ohne tägliche pflege oder frühe medizinische Hilfe nicht lange überleben könnten, dann handelt es sich nicht mehr um gesunde Hunde.

Welche Rasse ist denn nun die geeignete Familienrasse?

Erste Informationen bekommen zukünftige Hundebesitzer aus dem Internet. Da gibt es eine Mischung aus guten Ratschlägen, Vorurteilen und pauschale Regeln für den Welpenkauf. Der Golden Retriever gilt als der leicht erziehbare Familienhund. Yvonne ist aber davon überzeugt, dass sie einen Schäferhund aus guter Zucht viel eher in eine Familie stecken würde.

Pauschal kann wahrscheinlich keine Entscheidung alleine nach Rasse getroffen werden und bestimmt reichen einige Stunden im Internet oder der Ratschlag von Freunden nicht aus.

Häufig wird das Aussehen des Hundes und der persönliche Geschmack eine große Rolle spielen. Wichtig ist aber dann eben auch, dass die Familie die spezifischen Eigenarten einer Rasse kennt und darauf achtet, dass die Zucht gesund ist und nicht zu den Qualzuchten gehört.

Eine Woche ist vergangen, in der sch Yvonne mit unterschiedlichen Hunderassen und deren Eigenarten, mit zahlreichen Hilfsmitteln und deren Verwendung und mit dem Thema Beschäftigung auseinandergesetzt hat. Viele ihrer Ansichten zu den Themen sind kritischer geworden. Manchmal verliert sie den unbeschwerten Blick auf die Hundewelt und schnell werden ständige Kritiker zum unbeliebten Querulanten. Das ist eine große Gefahr! Leute lieben die einfachen Rezepte, die in vielen Hundeschulen, im Fernsehen oder über Bücher angeboten bekommen. Als zukünftiger Hundetrainer ist man auch gefordert, diese Beratungsgespenster wieder aus den Köpfen der Leute zu bekommen. Wie erstaunt ist mancher Kunde, wenn die Trainerin dem Border erst einmal Zwangsruhe verordnet, obwohl im Fernsehen die Sportart Treibball empfohlen wurde.

Yvonne hat keine Zweifel daran, dass sie in naher Zukunft als Hundetrainerin tätig sein wird. Das ist sie den Hunden schuldig. Wer sich das nötige Wissen angeeignet hat, sollte es nicht für sich behalten. Allerdings ist sie skeptisch, ob sie die Hundehalter überzeugen kann. Denn viele Menschen sehen die Dinge einfach anders, als ein Hundetrainer. Für diese Menschen sind die Ansichten wohl nur schwer verständlich.

Doch bevor sie sich darum Gedanken macht, macht sie erst einmal ihre Ausbildung zu Ende.