Donnerstag, 18. September 2014

Arbeitsgemeinschaft §11 TierSchG

Am 16.09.2014 habe ich hier im Blog über die Probleme mit dem Paragraph 11 berichtet.

Heute wurde ich auf die Arbeitsgemeinschaft §11 TierschG aufmerksam.

Die Arbeitsgemeinschaft ist ein Team aus unabhängigen und renomierten Hundetrainern, Fachbuchautoren, Tierärzten und Wissenschaftlern.

Nadin Matthews (Fachbuchautorin, Dozentin), Thomas Baumann (Fachbuchautor, Sachverständiger), Sophie Strodtbeck (berat. Tierärztin, Dozentin), Gerd Leder (Hundetrainer, Referent) , PD Dr. Dr. Udo Gansloßer (Zoologe mit Schwerpunkt Verhaltens- und Säugetierbiologie), Mirko Tomasini (Hundetrainer, Fachbuchautor), Normen Mrozinski (Hundetrainer, Autor), Sami El Ayachi, LL.M. (Rechtsanwalt, Hundetrainer), Alexandra Grunow (Fachbuchautorin, Ausbilderin), Rovena Langkau (Fachbuchautorin, Ausbilderin), Anita Balser (Hundetrainerin, Dozentin), Günther Bloch (Kanidenforscher, Fachbuchautor), Angelika Lanzerath (Hundetrainerin, Sachverständige), Michael Eichhorn (Hundetrainer, Dozent), Andrea Kühne (Rechtsanwältin, Fachfrau für Kynotherapie)

(Es ist in meinen Augen etwas besonderes, dass so viele Fachleute aus der Hundewelt sich einig sind.)


Am 16.09.2014 hat diese Arbeitsgemeinschaft einen offenen Brief an den Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft Christian Schmidt verfasst.

Im Kern geht es um zahlreiche Kritikpunkte, was die Umsetzung des Paragraph 11 betrifft. Weiter wird die Überarbeitung gefordert.

Eine Erläuterung zu diesem Brief ist hier veröffentlicht.



Dienstag, 16. September 2014

Paragraph 11 - Ein (Alb)traum wird wahr?

Über viele Jahre wurde von der Hundefachwelt und von Tierschutzgruppen kritisiert, dass in Deutschland sich jeder Hundetrainer nennen darf.

Vor dreißig Jahren lernten die Hundespezialisten noch ihr Handwerk durch Erfahrung und Austausch mit Wissenschaftlern und Kollegen. Nicht selten war es die Liebe zum Hund aber auch der Zufall, der zur Gründung einer Hundeschule führte.

Unter den Trainern waren natürlich auch “schwarze Schafe“, die hauptsächlich über Schmerzreize trainierten. Im Grunde genommen, war das in Deutschland eine gängige Trainingsstrategie und die Trainer, die Alternativen suchten, wurden häufig belächelt.

Durch die immer stärkere Ausbreitung von Hunden in den Ballungsgebieten der Städte, hatten die Hundehalter auch immer höhere Anforderungen an die Erziehung der Hunde. Die Nachfrage nach Trainern und Hundepensionen stieg an.

Und immer mehr Trainer gingen von Mund zu Mund Propaganda zur Werbung über und schrieben sich ihre Qualifikationen auf die Fahne.

Aus dem Lernen in kleinen Gruppen und dem partnerschaftlichen Austausch mit Wissenschaftlern sind längst große Ausbildungsstätten geworden.
Studiengänge, Fernlehrgänge, Zertifizierungen, Wochenendseminare, Gruppen und Berufsverbände überfluten den Markt mit Hundetrainern.

Als ich im Januar 2010 angefangen habe im Internet über Hunde zu schreiben, war meine Motivation, dass ich zwei Mal von Hundetrainern falsch beraten wurde.
In einer Hundeschule wurde mein Problem übergangen, weil man keinen Trainingsansatz hatte.
Im zweiten Fall wurde mir in tierschutzwidriger Weise das völlige Ignorieren meines Hundes über einen Zeitraum von einer Woche zum vorbereitenden Trainingsaufbau empfohlen.

In beiden Fällen kamen die Trainer aus großen und bekannten Hundetrainerausbildungsbetrieben.

Ich sah deshalb nur die Möglichkeit mich selbst über Hunde zu informieren und diese Informationen auch an andere Hundehalter weiter zu geben, damit schwarze Schafe und falsche Berater von den Hundehaltern möglichst schnell erkannt werden.

Ab dem 01.08.2014 verlangt der Gesetzgeber eine Erlaubnispflicht für die Ausbildung von Hunden und die gewerbsmäßige Anleitung des Tierhalters zur Hundeausbildung.

Die Tätigkeit als Hundetrainer soll nun vom Veterinäramt genehmigt werden und die Sachkunde des Trainers soll durch Prüfungen nachgewiesen werden.

Eigentlich sollte damit genau das erreicht sein, was Tierschützer und Hundeexperten schon lange fordern.

Wenn sich der Gesetzgeber auch überlegt hätte, wer die nötige Bewertung von Hundetrainern durchführen soll und auch durchführen kann.

Teilweise werden bereits im Schnellverfahren Tierärzte geschult und mit der Prüfung erfahrener Hundetrainer beauftragt.
In den Prüfungsgremien einiger Bundesländer soll, nach Aussage einiger geprüfter Trainer, nicht nur Fachwissen, sondern auch Ideologien und Strömungen vertreten sein.
Institutionen verkaufen bereits Seminare, die für viel Geld auf die Prüfung vorbereiten sollen.
Zur intensiven Lobbyarbeit dieser Kursanbieter gehört es, dass sie teilweise selbst in den Prüfungskommissionen sitzen. Die nötige Unabhängigkeit muss hier zumindest stark angezweifelt werden!

Denkbar ist sogar, dass beispielsweise der renommierte Hundefachmann und wolfsforscher Günther Bloch, der 1975 in die Hundeszene eingestiegen ist, Schäferhunde gezüchtet hat, sich sein Wissen durch den Austausch mit renommierten Wissenschaftlern wie Eberhard Trumler oder Erik Zimen erworben hat, der bereits 1979 seine Arbeit als Hundetrainer begonnen hat und zahlreiche Bücher über Hunde und Wölfe veröffentlichte, demnächst in Deutschland keine Vorträge und Seminare mehr geben darf.
Es sei denn, er lässt sich von Tierärzten prüfen, die sich ihr nötiges Wissen in einigen Seminaren angeeignet haben und sogar selbst Bücher von Bloch im Regal stehen haben.

Durch dieses Beispiel wird das Problem gut erkennbar:

Da es bisher keinen vorgeschriebenen Werdegang zum Hundetrainer in Deutschland gab, müssen erst einmal gleiche Bedingungen für alle Trainer gelten, was den Nachweis ihrer Qualifikation betrifft.

Es darf nicht sein, dass Trainer, die bestimmten Organisationen oder Berufsverbänden angehören, einen Vorteil bei der Genehmigung haben.
Ich befürchte, die Zeit ist noch nicht reif, für einen Qualitätsstandard.

In den letzten Jahren kam es zu sinnlosen Auseinandersetzungen in der Hundeszene. Es wurde gestritten, ob der Hund besser Geschirr oder Halsband tragen soll, ob man Aggression durch Einwirken am Halti unterbrechen kann oder unerwünschtes Verhalten zu ignorieren ist.
Hundeverhalten wurde nicht analysiert sondern interpretiert und zum angeborenen Schicksal erklärt (Rudelstellung), Trainer wurden als Gewalttäter bezeichnet, wenn sie nur wagten an der Leine zu rucken (Pulsen).
Die ewigen Bedenkenträger, die alles wissen und alles können, schwören auf längst überholte Alphawolftheorien und wollen Probleme über dominantes Auftreten lösen. Der Rudelführer zeigt keine Schwächen!

Wer soll bei dieser Fülle an Strömungen und Uneinigkeiten wen nach welchen Kriterien prüfen?

Es kann doch nicht sein, dass die Gruppen die Standards definieren, die über Jahre die bessere Lobbyarbeit betrieben haben oder einfach nur bereits ein etabliertes Berufsbild vorweisen können (Tierärzte).

Die Beurteilung von Hundetrainern sollte bundesweit einheitlich erfolgen, nachvollziehbar sein und eine wissenschaftliche Grundlage haben.

Um ein solches Beurteilungsverfahren zu schaffen, sollte als erster Schritt ein unabhängiges Gremium gebildet werden, in denen kompetente Hundetrainer, Tierärzte und Wissenschaftler eine bundeseinheitliche Prüfung erarbeiten.
Dazu sollten verschiedene Videoaufnahmen von dieser Expertengruppe gesichtet werden, die dann unabhängig voneinander die Kommunikation Mensch-Hund und Hund-Hund beurteilen.
Nur die Punkte, in denen sich die Experten bei der Beurteilung einig sind, sollten zum Bestandteil der Prüfung werden.
Theoretisches Wissen kann als Multiple Choice Test geprüft werden.
Hierbei sollte vom Expertenrat eine Literaturliste zusammengestellt werden, mit der sich jeder Hundetrainer das nötige Wissen aneignen kann.
Auf aus wissenschaftlicher Sicht fragwürdige Literatur, sollte dabei verzichtet werden.
Abschließend könnten noch verschiedene Kundengespräche aber auch Trainingssequenzen gezeigt werden, um die Kommunikation zwischen Trainer und Hundehalter zu beurteilen. Auch in diesem Bereich sollten die Videos vorher von der Expertengruppe beurteilt werden und nur Ergebnisse zählen, in denen sich die Experten weitgehend einig sind.

Ziel ist es, eine ideologiefreie Prüfung zu schaffen, die eine faire und nachvollziehbare Beurteilung ermöglicht.

Dieser Beurteilung sollten sich dann aber auch alle stellen, die mit Hunden arbeiten und nicht nur die, die damit ihr Geld verdienen. Wenn es wirklich um Tierschutz geht, sollte es konsequent umgesetzt werden.

Dienstag, 2. September 2014

Neues vom Hundetrainerlehrgang mit Yvonne Wagner

Schon vor über einen Monat hat sich Yvonne Wagner bei mir gemeldet, um weiter von ihrer Ausbildung zur Hundetrainerin zu berichten.

Nun habe ich die Zeit gefunden, um Ihre Erzählungen ins Internet zu bringen.

Fangen wir ganz klein an - beim Welpen und dem Sinn und Unsinn von Welpenspielgruppen. Für Hundeschulen ist es sicherlich ein Selbstläufer, wenn der frischgebackene Hundehalter glaubt, sein Hund hätte ohne einen Welpenerziehungskurs keine Chance zum Überleben in unserer Gesellschaft.

Als während der Ausbildung von Yvonne eine Liste mit Dingen erstellt wurde, was ein Hund lernen sollte und was er in einer Welpenspielstunde von den anderen Hunden lernen kann, fand man nur wenige Punkte für die der Welpe andere Welpen braucht. Trotzdem werden in Deutschland immer noch zahlreiche Kurse
angeboten, in denen sich sehr viele Hunde zum ausgelassenen Spiel treffen und die Menschen in dieser Zeit sich mit anderen Hundehaltern austauschen.

Tatsächlich lernen die Welpen ständig und die meiste Zeit außerhalb der Welpenstunde, wenn der Trainer nicht anwesend ist. Deshalb sollte das Unterrichten des Halters erstes Ziel in der Welpengruppe sein und nicht nur das ausgelassenes Spiel mit Sitz, Platz und Fuß.

Kommandos werden immer noch mit Erziehung verwechselt. Teilweise wird in Welpenkursen angestrebt, dass ein Hund mit 15 Wochen ordentlich an der Leine geht und auch fremden Menschen bedingungslos folgt.

Diese Entwicklung findet Yvonne völlig verkehrt.

Sie zieht als Dogwalkerin die Konsequenz und wird keine Hunde mehr ausführen, die nicht mindestens vier Monate alt sind.

Yvonne Wagner nutzte die von ihr besuchten Kurse auch zur Sozialstudie und beobachtete das Verhalten von Menschen. Sie sah Hundehalter mit fragenden Gesichtern, Frust, Ärger und häufiges Vergleichen, ob der eigene Hund sich nun besser oder schlechter verhält, als der Hund der anderen Kursteilnehmer.

Guter Hund oder böser Hund - Stolz oder Scham!

Eine der stärksten Fähigkeiten des Menschen, den Humor, findet man kaum. Dabei bietet gerade der Humor, die Möglichkeit sich zu entspannen um mit Fehlverhalten souverän umzugehen.

Was aber ist Fehlverhalten? Der Hund, der dem fremden Kind im Park das Eis klauen will zeigt sicher kein Fehlverhalten im Sinne eines fehlerhaften Verhaltens oder einer Verhaltensstörung.

Da helfen auch Sitz, Fuss und Platz wenig, wenn die Signale nicht verpflichtend für den Hund sind. Ein gutes verpflichtendes Abbruchsignal wird schon
besser funktionieren oder ein schnelles körperliches Eingreifen, durch das der Hund lernen kann, dass dieses Verhalten kein Fehlverhalten ist aber ganz klar unerwünscht.

Die Antwort auf die Frage, welche Kommandos ein Hund können sollte, ist sehr individuell. Der Hund, der im Dorf ohne Leine täglich viele Stunden mit seinem Halter durch das Feld läuft, wird sicher nicht so viel lernen müssen, wie der Hund, der in der Großstadt in allen Situationen seinen Menschen begleitet. Daran sollten sich besonders die Hundeschulen orientieren, die mit individuelle Trainingskonzepte werben.

Denken hilft und neben der Vermittlung von Wissen, ist das Hinterfragen von Gegebenheiten ein wichtiger Bestandteil der Hundetrainerausbildung.

Dabei darf natürlich auch nicht fehlen, über die tragische Rolle des Hundes als Buhmann der Nation nachzudenken.

Vor Jahren fragte der Bürger noch, ob ein Hund lieb oder böse sei. Mittlerweile drückt sich der besorgte Mitbürger sehr fachmännisch aus und erkundigt sich, ob der Hund sich denn aggressiv verhält.

Selbst in amtlichen Gutachten ist zu lesen, dass ein aggressives Verhalten des Hundes nicht ausgeschlossen werden kann. Eine wirklich lächerliche Aussage, denn Aggressionsverhalten gehört zum Normalverhalten des Hundes. Was zählt ist, ob das Verhalten angemessen oder unangemessen ist.

Auch da sind Hundeschulen gefragt, den Haltern zu vermitteln, ob und wie man bei einem unerwünschten Aggressionsverhalten eingreifen soll.

Die vermenschlichende Sicht, die sich eine gesellschaftsfähige grundsätzliche Freundlichkeit wünscht, kann vom Hund nicht geteilt werden.

Vermenschlichende Sicht sorgt häufig auch zum Eskalieren einer Situation, die ohne Eingreifen völlig entspannt verlaufen würde.

Viel zu selten wird auf die Zeichen des Hundes reagiert.

Ein Hund soll bei Fuß gehen und kommt jemand der ihn dazu veranlasst einen Bogen zu machen, dann hat er aus der Sicht seines Besitzers wieder nicht "gehört". Dabei hat er nur ein deeskalatierendes Verhalten gezeigt.

Die Kunst besteht darin, die Aggression und deren Auslöser als Teil hündischen Verhaltens zu verstehen und diese in vertretbare Bahnen zu lenken. Eine gute Beziehung zum Hund und ein grundlegendes Wissen über Hundeverhalten mit der Fähigkeit mit dem Hund wirkungsvoll zu kommunizieren sind die Handwerkzeuge, an
denen Hundeschulen mit ihren Kunden arbeiten sollten.

Natürlich nicht verbissen, sondern mit einem großen Anteil Spaß und Humor

Freitag, 11. April 2014

Auf dem Weg zum Hundetrainer - Gedanken zu Beschäftigung und Bindung

Alles neu hinterfragen, was bisher gemacht wurde, ist das Fazit, der vergangenen Hundetrainerwoche von Yvonne Wagner.

Als sie Dr. Udo Gansloßer fragte, wann dieses ständige Hinterfragen und Umorientieren denn ein Ende hat, antwortete Dr. Gansloßer mit nur
zwei Worten:

"Hoffentlich nie!"


Im Vortrag und Seminar beleuchtete Gansloßer im Rahmen der Hundetrainerwoche die Themen "Stress beim Hund" und "Bindung / Beziehung zum Hund".

Als Wissenschaftler verzichtet er auf Ansichtssachen und orientiert sich an Fakten, die im Meer der verschiedenen Strömungen mittlerweile schon die Funktion einer Rettungsinsel haben.

Reden schwingen, über fehlende Auslastung und sinnvolle Beschäftigung des Hundes können viele Hundeschulenbetreiber. Dadurch wird ein künstlicher Bedarf erzeugt der mit verschiedenen Beschäftigungsmodellen von den Hundeschulen gedeckt werden.

Wie viel Ruhe und wie viel sinnvolle Auslastung der Hund aber wirklich benötigt, interessiert selten. Mittlerweile warnen schon viele Hundeexperten, dass unsere Hunde überbeschäftigt sind und an fehlender Ruhe leiden.

Yvonne Wagner stellt sich die Frage, ob sie als zukünftige Hundetrainerin an diesem Beschäftigungswahn teilnehmen will.
Schließlich können gerade die beliebten und geldbringenden Gruppenkurse keine individuelle Auslastung für Mensch und Hund gewährleisten.

Rückblickend auf ihre damalige Schäferhündin fragt sich Yvonne, ob diese nicht gerade deshalb so ein normaler Hund war, weil kein Auslastungssport betrieben wurde. Sie war einfach immer dabei!

In einer Gesellschaft, in der Techniken und Hilfsmittel überall benutzt werden, fehlt der natürliche und hundgerechte Umgang mit dem Hund.

Die moderne Hundeschule sollte Antworten auf die Fragen geben:

-wie man mit einem Hund spielt ohne einen Ball in der Tasche zu haben

-wie man für seinen Hund attraktiv wird

-wie ich erkenne was für eine Typ mein Hund ist und wie ich ihm ein Leben mit für ihn angepassten Situationen biete

-wie helfe ich meinem Hund in unserer Gesellschaft klar zu kommen

Diese Fragen lassen sich nicht über klassische oder operante Konditionierung beantworten. Hier hilft die Rütteldose nicht und auch der Spezialist im "Zeigen und Bennenen" wird schnell an seine technischen Grenzen kommen.

Beziehung und Bindung sind kein technisches Problem. Nur mit einer gefestigten Beziehung ist sinnvolle Erziehung machbar.

Wie funktioniert aber diese Beziehung und was macht sie aus?

Yvonne Wagner sagt ganz treffend: " Mir wurde schnell klar, wir verlangen viel und geben wenig."

Vertrauen, Verlässlichkeit, Planbarkeit sind die Schlüsselfaktoren für eine gute Beziehung zum Hund.
Rituale und Regeln braucht der Hund, ab und an was auf die Mütze aber auch viele Freiheiten.

Wir leben miteinander in einer Gemeinschaft und so sollte es sich auch anfühlen.


Diesen Umgang mit Hunden ist älter als jedes Erziehungssystem. Hat der Mensch erst mal wieder einen Zugang zum Hund, wird es auch mit der Beziehung und der Erziehung wieder einfacher werden. Garantiert methoden- und hilfsmittelfrei.

Die Aufgabe einer modernen Hundeschule besteht zu einem großen Teil darin, den Menschen und den Hund zu verstehen. Das geht nicht in Gruppenkursen, weil jedes Mensch-Hund Team anders ist.

Wurde Mensch und Hund in seinen Eigenarten akzeptiert, kann versucht werden einen gemeinsamen Nenner zu finden.

Meist ist es notwendig die Sichtweise des Menschen zu verändern. Dies funktioniert aber nur, wenn der Mensch die Bereitschaft zeigt, sich auf Lösungen einzulassen. Wie schwierig das sein kann, wird jeder wissen, der mal versucht hat mit alten Gewohnheiten zu brechen. Noch schwieriger ist es, einen anderen Menschen von alten Gewohnheiten abzubringen.

Als Augenoptikermeisterin kennt sich Yvonne Wagner mit den Grenzen und Möglichkeiten einer Beratung aus. Überreden bringt nur kurzfristige Erfolge. Langfristig ist der Kunde nur zufrieden, wenn ihm Wahlmöglichkeiten geboten werden und er dann selbst die Entscheidung treffen kann. Auch hier helfen psychologische Techniken wenig, wenn vorher keine Beziehung aufgebaut wurde.

Es gibt keine Rezepte für eine gute Beziehung zum Hund. Es gibt nur einen Hinweis, den auch Günther Bloch immer wieder gibt:

"Wer einen Hund hält, sollte auch Hund leben."

Donnerstag, 20. Februar 2014

Der Maulkorb im Kopf

Im Film "Schweigen der Lämmer" wurde der gefährliche Psychopath “Hannibal Lector“ mit Zwangsjacke und Maulkorb für den sicheren Transport gefesselt.

Hollywood weiß es: Maulkörbe sind Symbol für das Unberechenbare und Gefährliche.
Ein Maulkorb löst bei vielen Menschen schlechte Gefühle aus.

Die tief sitzende Abneigung führt zu vielen Probleme mit Hunden, die einen Maulkorb tragen oder tragen sollten:

Menschen wechseln die Straßenseite und sprechen von Euthanasie, sobald sie einem Hund mit Maulkorb begegnen.

Tierheimhunde sind kaum vermittelbar, wenn das Wort "Maulkorb" im Vermittlungsgespräch ausgesprochen wird.

Der Maulkorb wird von einigen Tierschützern als Folterinstrument gesehen.

Einige Hundetrainer warnen pauschal vor eingeschränkter Kommunikationsmöglichkeit und sprechen davon, dass sich der Hund nicht wehren kann, wenn er angegriffen wird.


Daniela Sommerfeld, Leiterin der Hundepension auf der Hund-Farm Eifel, hat da ganz andere Erfahrungen mit Maulkörben gemacht:


In unserer Hundepension praktizieren wir seit 1977 die Gruppenhaltung von Hunden.

Durch unsere Erfahrung mit verschiedenen Hundetypen können wir sagen, dass Hunde die einen Maulkorb tragen, sehr gut damit zurecht kommen.

Maulkorbhunde zeigen in der Regel keine Auffälligkeiten in der Kommunikation mit anderen Hunden.

Sie meistern Konflikte mit anderen Hunden sehr gut, denn Hunde benötigen dafür nicht unbedingt ihre Zähne. Gerade der Maulkorb bietet
die Möglichkeit hündische Kommunikation ohne Angst auch mal gelassen zu betrachten.

In einer wissenschaftlichen Untersuchung, die von Nicole Elsing und Ivonne Spitzley (mit Unterstützung von Dr. Udo Gansloßer) durchgeführt wurde, konnte kein erhöhter Cortisolwert (Stresshormon) bei Maulkorbhunden festgestellt werden.

Es kann also davon ausgegangen werden, dass ein Maulkorb nicht zur erhöhten Belastung bei Hunden führt.

Voraussetzung ist natürlich, dass der Hund langsam und fachgerecht an den Maulkorb gewöhnt wurde. Ziel der Gewöhnung ist, dass der Hund den Maulkorb so selbstverständlich trägt, wie sein Halsband.

Diese Argumente sollten aber nicht als Argumente für eine generelle Maulkorbpflicht missbraucht werden.

Durch den Maulkorb wird zumindest das mimische Ausdrucksverhalten beim Hund eingeschränkt. Kampfspiele und Maulringen sind durch den Korb nur noch eingeschränkt möglich.

Schon deshalb sollte von einer generellen Maulkorbpflicht, wie sie immer wieder von schlecht informierten Politikern gefordert wird, Abstand genommen werden.

Jenseits solcher hysterischen Forderungen ist der Maulkorb aber ein nützliches Hilfsmittel.

Stress und Schmerzen können dazu führen, dass ein Hund beim Tierarzt den behandelnden Arzt oder auch seinen Besitzer beißt. Dies ist ein völlig normales und nachvollziehbares Hundeverhalten.

Leider benutzen Tierärzte zur Absicherung sehr häufig Röhren aus Nylon, die über den Fang des Hundes gezogen werden. Diese Röhren drücken den Fang zusammen und erschweren die Atmung.

Viel einfacher wäre es, wenn der Hundehalter mit seinem Hund vorbeugend und rechtzeitig ein Maulkorbtraining macht und der Hund den Korb auch schon mal in erfreulichen Sitzationen tragen würde.

Diese vorbeugende Maßnahme erleichtert auch den Umgang mit dem Hund im Falle einer plötzlich auftretenden Verhaltensveränderung.
Beißt der Hund plötzlich, dann kann erst der Maulkorb die nötige Sicherheit im Umgang mit dem Hund gewährleisten.

Am Ende ist es häufig so, dass nicht die Angst vor dem Hund, sondern die Angst vor dem Maulkorb zur unnötigen Abgabe oder sogar zur Euthanasie eines Hundes führt.

Tierheimhunde, die einen Maulkorb tragen müssen, sind schwer vermittelbar.
Der Grund dafür ist häufig noch nicht einmal Problemverhalten des Hundes, sondern die Tatsache, dass der Hund in manchen Situationen einen Maulkorb tragen soll.
Der gleiche Hund könnte häufig ohne Hinweis auf einen Maulkorb schneller vermittelt werden.

Wie sollen Tierheime einen Hund rechtssicher vermitteln, wenn der nötige Hinweis auf den Maulkorb schon abschreckt? Wie soll ein Hund, der sich erfolgreich durch Beißen durchsetzen kann, ein neues Verhalten lernen?

Nach dem ersten Schnappen reicht dann meist schon ein leichtes Drohen, um den Hundehalter in Angst zu versetzen. Am Ende kommt der Hund mit seiner aggressiven Kommunikation zum Ziel und das Verstärkt sein aggressives Verhalten.
Erst durch den Maulkorb wird diese Form der Kommunikation nicht mehr zum Erfolg führen und der Hund hat die Möglichkeit ein Alternativverhalten zu lernen oder sich an eine, als bedrohlich empfundene Situation, zu gewöhnen.

Viele Hunde, die beispielsweise nie gelernt haben, ihre Impulse zu kontrollieren, könnten mit Maulkorb sicher geführt werden.

Hunde, die im häuslichen Bereich bestimmte Ressourcen verteidigen, könnten sicher an neue Regeln im Haushalt gewöhnt werden.

Die Frage, wer auf dem Sofa liegt, könnte mit Hausleine und Maulkorb schnell beantwortet werden.


Es ist der Maulkorb im Kopf, der uns davon abhält dieses Hilfsmittel im Alltag so selbstverständlich zu nutzen, wie Leine oder Halsband.

Umdenken ist nötig, um erzieherisch eine unangemessene aggressive Reaktion des Hundes frühzeitig zu unterbinden. Das Verletzungsrisiko kann durch einen Maulkorb und einen guten Berater minimiert werden.

Sollte diese Erziehung bei einigen Hunden nicht hundertprozentig zum Ziel führen, könnten diese Hunde durch die Sicherung mit Maulkorb trotzdem noch ein glückliches Leben führen.