Donnerstag, 20. Februar 2014

Der Maulkorb im Kopf

Im Film "Schweigen der Lämmer" wurde der gefährliche Psychopath “Hannibal Lector“ mit Zwangsjacke und Maulkorb für den sicheren Transport gefesselt.

Hollywood weiß es: Maulkörbe sind Symbol für das Unberechenbare und Gefährliche.
Ein Maulkorb löst bei vielen Menschen schlechte Gefühle aus.

Die tief sitzende Abneigung führt zu vielen Probleme mit Hunden, die einen Maulkorb tragen oder tragen sollten:

Menschen wechseln die Straßenseite und sprechen von Euthanasie, sobald sie einem Hund mit Maulkorb begegnen.

Tierheimhunde sind kaum vermittelbar, wenn das Wort "Maulkorb" im Vermittlungsgespräch ausgesprochen wird.

Der Maulkorb wird von einigen Tierschützern als Folterinstrument gesehen.

Einige Hundetrainer warnen pauschal vor eingeschränkter Kommunikationsmöglichkeit und sprechen davon, dass sich der Hund nicht wehren kann, wenn er angegriffen wird.


Daniela Sommerfeld, Leiterin der Hundepension auf der Hund-Farm Eifel, hat da ganz andere Erfahrungen mit Maulkörben gemacht:


In unserer Hundepension praktizieren wir seit 1977 die Gruppenhaltung von Hunden.

Durch unsere Erfahrung mit verschiedenen Hundetypen können wir sagen, dass Hunde die einen Maulkorb tragen, sehr gut damit zurecht kommen.

Maulkorbhunde zeigen in der Regel keine Auffälligkeiten in der Kommunikation mit anderen Hunden.

Sie meistern Konflikte mit anderen Hunden sehr gut, denn Hunde benötigen dafür nicht unbedingt ihre Zähne. Gerade der Maulkorb bietet
die Möglichkeit hündische Kommunikation ohne Angst auch mal gelassen zu betrachten.

In einer wissenschaftlichen Untersuchung, die von Nicole Elsing und Ivonne Spitzley (mit Unterstützung von Dr. Udo Gansloßer) durchgeführt wurde, konnte kein erhöhter Cortisolwert (Stresshormon) bei Maulkorbhunden festgestellt werden.

Es kann also davon ausgegangen werden, dass ein Maulkorb nicht zur erhöhten Belastung bei Hunden führt.

Voraussetzung ist natürlich, dass der Hund langsam und fachgerecht an den Maulkorb gewöhnt wurde. Ziel der Gewöhnung ist, dass der Hund den Maulkorb so selbstverständlich trägt, wie sein Halsband.

Diese Argumente sollten aber nicht als Argumente für eine generelle Maulkorbpflicht missbraucht werden.

Durch den Maulkorb wird zumindest das mimische Ausdrucksverhalten beim Hund eingeschränkt. Kampfspiele und Maulringen sind durch den Korb nur noch eingeschränkt möglich.

Schon deshalb sollte von einer generellen Maulkorbpflicht, wie sie immer wieder von schlecht informierten Politikern gefordert wird, Abstand genommen werden.

Jenseits solcher hysterischen Forderungen ist der Maulkorb aber ein nützliches Hilfsmittel.

Stress und Schmerzen können dazu führen, dass ein Hund beim Tierarzt den behandelnden Arzt oder auch seinen Besitzer beißt. Dies ist ein völlig normales und nachvollziehbares Hundeverhalten.

Leider benutzen Tierärzte zur Absicherung sehr häufig Röhren aus Nylon, die über den Fang des Hundes gezogen werden. Diese Röhren drücken den Fang zusammen und erschweren die Atmung.

Viel einfacher wäre es, wenn der Hundehalter mit seinem Hund vorbeugend und rechtzeitig ein Maulkorbtraining macht und der Hund den Korb auch schon mal in erfreulichen Sitzationen tragen würde.

Diese vorbeugende Maßnahme erleichtert auch den Umgang mit dem Hund im Falle einer plötzlich auftretenden Verhaltensveränderung.
Beißt der Hund plötzlich, dann kann erst der Maulkorb die nötige Sicherheit im Umgang mit dem Hund gewährleisten.

Am Ende ist es häufig so, dass nicht die Angst vor dem Hund, sondern die Angst vor dem Maulkorb zur unnötigen Abgabe oder sogar zur Euthanasie eines Hundes führt.

Tierheimhunde, die einen Maulkorb tragen müssen, sind schwer vermittelbar.
Der Grund dafür ist häufig noch nicht einmal Problemverhalten des Hundes, sondern die Tatsache, dass der Hund in manchen Situationen einen Maulkorb tragen soll.
Der gleiche Hund könnte häufig ohne Hinweis auf einen Maulkorb schneller vermittelt werden.

Wie sollen Tierheime einen Hund rechtssicher vermitteln, wenn der nötige Hinweis auf den Maulkorb schon abschreckt? Wie soll ein Hund, der sich erfolgreich durch Beißen durchsetzen kann, ein neues Verhalten lernen?

Nach dem ersten Schnappen reicht dann meist schon ein leichtes Drohen, um den Hundehalter in Angst zu versetzen. Am Ende kommt der Hund mit seiner aggressiven Kommunikation zum Ziel und das Verstärkt sein aggressives Verhalten.
Erst durch den Maulkorb wird diese Form der Kommunikation nicht mehr zum Erfolg führen und der Hund hat die Möglichkeit ein Alternativverhalten zu lernen oder sich an eine, als bedrohlich empfundene Situation, zu gewöhnen.

Viele Hunde, die beispielsweise nie gelernt haben, ihre Impulse zu kontrollieren, könnten mit Maulkorb sicher geführt werden.

Hunde, die im häuslichen Bereich bestimmte Ressourcen verteidigen, könnten sicher an neue Regeln im Haushalt gewöhnt werden.

Die Frage, wer auf dem Sofa liegt, könnte mit Hausleine und Maulkorb schnell beantwortet werden.


Es ist der Maulkorb im Kopf, der uns davon abhält dieses Hilfsmittel im Alltag so selbstverständlich zu nutzen, wie Leine oder Halsband.

Umdenken ist nötig, um erzieherisch eine unangemessene aggressive Reaktion des Hundes frühzeitig zu unterbinden. Das Verletzungsrisiko kann durch einen Maulkorb und einen guten Berater minimiert werden.

Sollte diese Erziehung bei einigen Hunden nicht hundertprozentig zum Ziel führen, könnten diese Hunde durch die Sicherung mit Maulkorb trotzdem noch ein glückliches Leben führen.

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