Freitag, 11. April 2014

Auf dem Weg zum Hundetrainer - Gedanken zu Beschäftigung und Bindung

Alles neu hinterfragen, was bisher gemacht wurde, ist das Fazit, der vergangenen Hundetrainerwoche von Yvonne Wagner.

Als sie Dr. Udo Gansloßer fragte, wann dieses ständige Hinterfragen und Umorientieren denn ein Ende hat, antwortete Dr. Gansloßer mit nur
zwei Worten:

"Hoffentlich nie!"


Im Vortrag und Seminar beleuchtete Gansloßer im Rahmen der Hundetrainerwoche die Themen "Stress beim Hund" und "Bindung / Beziehung zum Hund".

Als Wissenschaftler verzichtet er auf Ansichtssachen und orientiert sich an Fakten, die im Meer der verschiedenen Strömungen mittlerweile schon die Funktion einer Rettungsinsel haben.

Reden schwingen, über fehlende Auslastung und sinnvolle Beschäftigung des Hundes können viele Hundeschulenbetreiber. Dadurch wird ein künstlicher Bedarf erzeugt der mit verschiedenen Beschäftigungsmodellen von den Hundeschulen gedeckt werden.

Wie viel Ruhe und wie viel sinnvolle Auslastung der Hund aber wirklich benötigt, interessiert selten. Mittlerweile warnen schon viele Hundeexperten, dass unsere Hunde überbeschäftigt sind und an fehlender Ruhe leiden.

Yvonne Wagner stellt sich die Frage, ob sie als zukünftige Hundetrainerin an diesem Beschäftigungswahn teilnehmen will.
Schließlich können gerade die beliebten und geldbringenden Gruppenkurse keine individuelle Auslastung für Mensch und Hund gewährleisten.

Rückblickend auf ihre damalige Schäferhündin fragt sich Yvonne, ob diese nicht gerade deshalb so ein normaler Hund war, weil kein Auslastungssport betrieben wurde. Sie war einfach immer dabei!

In einer Gesellschaft, in der Techniken und Hilfsmittel überall benutzt werden, fehlt der natürliche und hundgerechte Umgang mit dem Hund.

Die moderne Hundeschule sollte Antworten auf die Fragen geben:

-wie man mit einem Hund spielt ohne einen Ball in der Tasche zu haben

-wie man für seinen Hund attraktiv wird

-wie ich erkenne was für eine Typ mein Hund ist und wie ich ihm ein Leben mit für ihn angepassten Situationen biete

-wie helfe ich meinem Hund in unserer Gesellschaft klar zu kommen

Diese Fragen lassen sich nicht über klassische oder operante Konditionierung beantworten. Hier hilft die Rütteldose nicht und auch der Spezialist im "Zeigen und Bennenen" wird schnell an seine technischen Grenzen kommen.

Beziehung und Bindung sind kein technisches Problem. Nur mit einer gefestigten Beziehung ist sinnvolle Erziehung machbar.

Wie funktioniert aber diese Beziehung und was macht sie aus?

Yvonne Wagner sagt ganz treffend: " Mir wurde schnell klar, wir verlangen viel und geben wenig."

Vertrauen, Verlässlichkeit, Planbarkeit sind die Schlüsselfaktoren für eine gute Beziehung zum Hund.
Rituale und Regeln braucht der Hund, ab und an was auf die Mütze aber auch viele Freiheiten.

Wir leben miteinander in einer Gemeinschaft und so sollte es sich auch anfühlen.


Diesen Umgang mit Hunden ist älter als jedes Erziehungssystem. Hat der Mensch erst mal wieder einen Zugang zum Hund, wird es auch mit der Beziehung und der Erziehung wieder einfacher werden. Garantiert methoden- und hilfsmittelfrei.

Die Aufgabe einer modernen Hundeschule besteht zu einem großen Teil darin, den Menschen und den Hund zu verstehen. Das geht nicht in Gruppenkursen, weil jedes Mensch-Hund Team anders ist.

Wurde Mensch und Hund in seinen Eigenarten akzeptiert, kann versucht werden einen gemeinsamen Nenner zu finden.

Meist ist es notwendig die Sichtweise des Menschen zu verändern. Dies funktioniert aber nur, wenn der Mensch die Bereitschaft zeigt, sich auf Lösungen einzulassen. Wie schwierig das sein kann, wird jeder wissen, der mal versucht hat mit alten Gewohnheiten zu brechen. Noch schwieriger ist es, einen anderen Menschen von alten Gewohnheiten abzubringen.

Als Augenoptikermeisterin kennt sich Yvonne Wagner mit den Grenzen und Möglichkeiten einer Beratung aus. Überreden bringt nur kurzfristige Erfolge. Langfristig ist der Kunde nur zufrieden, wenn ihm Wahlmöglichkeiten geboten werden und er dann selbst die Entscheidung treffen kann. Auch hier helfen psychologische Techniken wenig, wenn vorher keine Beziehung aufgebaut wurde.

Es gibt keine Rezepte für eine gute Beziehung zum Hund. Es gibt nur einen Hinweis, den auch Günther Bloch immer wieder gibt:

"Wer einen Hund hält, sollte auch Hund leben."

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