Dienstag, 2. September 2014

Neues vom Hundetrainerlehrgang mit Yvonne Wagner

Schon vor über einen Monat hat sich Yvonne Wagner bei mir gemeldet, um weiter von ihrer Ausbildung zur Hundetrainerin zu berichten.

Nun habe ich die Zeit gefunden, um Ihre Erzählungen ins Internet zu bringen.

Fangen wir ganz klein an - beim Welpen und dem Sinn und Unsinn von Welpenspielgruppen. Für Hundeschulen ist es sicherlich ein Selbstläufer, wenn der frischgebackene Hundehalter glaubt, sein Hund hätte ohne einen Welpenerziehungskurs keine Chance zum Überleben in unserer Gesellschaft.

Als während der Ausbildung von Yvonne eine Liste mit Dingen erstellt wurde, was ein Hund lernen sollte und was er in einer Welpenspielstunde von den anderen Hunden lernen kann, fand man nur wenige Punkte für die der Welpe andere Welpen braucht. Trotzdem werden in Deutschland immer noch zahlreiche Kurse
angeboten, in denen sich sehr viele Hunde zum ausgelassenen Spiel treffen und die Menschen in dieser Zeit sich mit anderen Hundehaltern austauschen.

Tatsächlich lernen die Welpen ständig und die meiste Zeit außerhalb der Welpenstunde, wenn der Trainer nicht anwesend ist. Deshalb sollte das Unterrichten des Halters erstes Ziel in der Welpengruppe sein und nicht nur das ausgelassenes Spiel mit Sitz, Platz und Fuß.

Kommandos werden immer noch mit Erziehung verwechselt. Teilweise wird in Welpenkursen angestrebt, dass ein Hund mit 15 Wochen ordentlich an der Leine geht und auch fremden Menschen bedingungslos folgt.

Diese Entwicklung findet Yvonne völlig verkehrt.

Sie zieht als Dogwalkerin die Konsequenz und wird keine Hunde mehr ausführen, die nicht mindestens vier Monate alt sind.

Yvonne Wagner nutzte die von ihr besuchten Kurse auch zur Sozialstudie und beobachtete das Verhalten von Menschen. Sie sah Hundehalter mit fragenden Gesichtern, Frust, Ärger und häufiges Vergleichen, ob der eigene Hund sich nun besser oder schlechter verhält, als der Hund der anderen Kursteilnehmer.

Guter Hund oder böser Hund - Stolz oder Scham!

Eine der stärksten Fähigkeiten des Menschen, den Humor, findet man kaum. Dabei bietet gerade der Humor, die Möglichkeit sich zu entspannen um mit Fehlverhalten souverän umzugehen.

Was aber ist Fehlverhalten? Der Hund, der dem fremden Kind im Park das Eis klauen will zeigt sicher kein Fehlverhalten im Sinne eines fehlerhaften Verhaltens oder einer Verhaltensstörung.

Da helfen auch Sitz, Fuss und Platz wenig, wenn die Signale nicht verpflichtend für den Hund sind. Ein gutes verpflichtendes Abbruchsignal wird schon
besser funktionieren oder ein schnelles körperliches Eingreifen, durch das der Hund lernen kann, dass dieses Verhalten kein Fehlverhalten ist aber ganz klar unerwünscht.

Die Antwort auf die Frage, welche Kommandos ein Hund können sollte, ist sehr individuell. Der Hund, der im Dorf ohne Leine täglich viele Stunden mit seinem Halter durch das Feld läuft, wird sicher nicht so viel lernen müssen, wie der Hund, der in der Großstadt in allen Situationen seinen Menschen begleitet. Daran sollten sich besonders die Hundeschulen orientieren, die mit individuelle Trainingskonzepte werben.

Denken hilft und neben der Vermittlung von Wissen, ist das Hinterfragen von Gegebenheiten ein wichtiger Bestandteil der Hundetrainerausbildung.

Dabei darf natürlich auch nicht fehlen, über die tragische Rolle des Hundes als Buhmann der Nation nachzudenken.

Vor Jahren fragte der Bürger noch, ob ein Hund lieb oder böse sei. Mittlerweile drückt sich der besorgte Mitbürger sehr fachmännisch aus und erkundigt sich, ob der Hund sich denn aggressiv verhält.

Selbst in amtlichen Gutachten ist zu lesen, dass ein aggressives Verhalten des Hundes nicht ausgeschlossen werden kann. Eine wirklich lächerliche Aussage, denn Aggressionsverhalten gehört zum Normalverhalten des Hundes. Was zählt ist, ob das Verhalten angemessen oder unangemessen ist.

Auch da sind Hundeschulen gefragt, den Haltern zu vermitteln, ob und wie man bei einem unerwünschten Aggressionsverhalten eingreifen soll.

Die vermenschlichende Sicht, die sich eine gesellschaftsfähige grundsätzliche Freundlichkeit wünscht, kann vom Hund nicht geteilt werden.

Vermenschlichende Sicht sorgt häufig auch zum Eskalieren einer Situation, die ohne Eingreifen völlig entspannt verlaufen würde.

Viel zu selten wird auf die Zeichen des Hundes reagiert.

Ein Hund soll bei Fuß gehen und kommt jemand der ihn dazu veranlasst einen Bogen zu machen, dann hat er aus der Sicht seines Besitzers wieder nicht "gehört". Dabei hat er nur ein deeskalatierendes Verhalten gezeigt.

Die Kunst besteht darin, die Aggression und deren Auslöser als Teil hündischen Verhaltens zu verstehen und diese in vertretbare Bahnen zu lenken. Eine gute Beziehung zum Hund und ein grundlegendes Wissen über Hundeverhalten mit der Fähigkeit mit dem Hund wirkungsvoll zu kommunizieren sind die Handwerkzeuge, an
denen Hundeschulen mit ihren Kunden arbeiten sollten.

Natürlich nicht verbissen, sondern mit einem großen Anteil Spaß und Humor

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