Dienstag, 16. September 2014

Paragraph 11 - Ein (Alb)traum wird wahr?

Über viele Jahre wurde von der Hundefachwelt und von Tierschutzgruppen kritisiert, dass in Deutschland sich jeder Hundetrainer nennen darf.

Vor dreißig Jahren lernten die Hundespezialisten noch ihr Handwerk durch Erfahrung und Austausch mit Wissenschaftlern und Kollegen. Nicht selten war es die Liebe zum Hund aber auch der Zufall, der zur Gründung einer Hundeschule führte.

Unter den Trainern waren natürlich auch “schwarze Schafe“, die hauptsächlich über Schmerzreize trainierten. Im Grunde genommen, war das in Deutschland eine gängige Trainingsstrategie und die Trainer, die Alternativen suchten, wurden häufig belächelt.

Durch die immer stärkere Ausbreitung von Hunden in den Ballungsgebieten der Städte, hatten die Hundehalter auch immer höhere Anforderungen an die Erziehung der Hunde. Die Nachfrage nach Trainern und Hundepensionen stieg an.

Und immer mehr Trainer gingen von Mund zu Mund Propaganda zur Werbung über und schrieben sich ihre Qualifikationen auf die Fahne.

Aus dem Lernen in kleinen Gruppen und dem partnerschaftlichen Austausch mit Wissenschaftlern sind längst große Ausbildungsstätten geworden.
Studiengänge, Fernlehrgänge, Zertifizierungen, Wochenendseminare, Gruppen und Berufsverbände überfluten den Markt mit Hundetrainern.

Als ich im Januar 2010 angefangen habe im Internet über Hunde zu schreiben, war meine Motivation, dass ich zwei Mal von Hundetrainern falsch beraten wurde.
In einer Hundeschule wurde mein Problem übergangen, weil man keinen Trainingsansatz hatte.
Im zweiten Fall wurde mir in tierschutzwidriger Weise das völlige Ignorieren meines Hundes über einen Zeitraum von einer Woche zum vorbereitenden Trainingsaufbau empfohlen.

In beiden Fällen kamen die Trainer aus großen und bekannten Hundetrainerausbildungsbetrieben.

Ich sah deshalb nur die Möglichkeit mich selbst über Hunde zu informieren und diese Informationen auch an andere Hundehalter weiter zu geben, damit schwarze Schafe und falsche Berater von den Hundehaltern möglichst schnell erkannt werden.

Ab dem 01.08.2014 verlangt der Gesetzgeber eine Erlaubnispflicht für die Ausbildung von Hunden und die gewerbsmäßige Anleitung des Tierhalters zur Hundeausbildung.

Die Tätigkeit als Hundetrainer soll nun vom Veterinäramt genehmigt werden und die Sachkunde des Trainers soll durch Prüfungen nachgewiesen werden.

Eigentlich sollte damit genau das erreicht sein, was Tierschützer und Hundeexperten schon lange fordern.

Wenn sich der Gesetzgeber auch überlegt hätte, wer die nötige Bewertung von Hundetrainern durchführen soll und auch durchführen kann.

Teilweise werden bereits im Schnellverfahren Tierärzte geschult und mit der Prüfung erfahrener Hundetrainer beauftragt.
In den Prüfungsgremien einiger Bundesländer soll, nach Aussage einiger geprüfter Trainer, nicht nur Fachwissen, sondern auch Ideologien und Strömungen vertreten sein.
Institutionen verkaufen bereits Seminare, die für viel Geld auf die Prüfung vorbereiten sollen.
Zur intensiven Lobbyarbeit dieser Kursanbieter gehört es, dass sie teilweise selbst in den Prüfungskommissionen sitzen. Die nötige Unabhängigkeit muss hier zumindest stark angezweifelt werden!

Denkbar ist sogar, dass beispielsweise der renommierte Hundefachmann und wolfsforscher Günther Bloch, der 1975 in die Hundeszene eingestiegen ist, Schäferhunde gezüchtet hat, sich sein Wissen durch den Austausch mit renommierten Wissenschaftlern wie Eberhard Trumler oder Erik Zimen erworben hat, der bereits 1979 seine Arbeit als Hundetrainer begonnen hat und zahlreiche Bücher über Hunde und Wölfe veröffentlichte, demnächst in Deutschland keine Vorträge und Seminare mehr geben darf.
Es sei denn, er lässt sich von Tierärzten prüfen, die sich ihr nötiges Wissen in einigen Seminaren angeeignet haben und sogar selbst Bücher von Bloch im Regal stehen haben.

Durch dieses Beispiel wird das Problem gut erkennbar:

Da es bisher keinen vorgeschriebenen Werdegang zum Hundetrainer in Deutschland gab, müssen erst einmal gleiche Bedingungen für alle Trainer gelten, was den Nachweis ihrer Qualifikation betrifft.

Es darf nicht sein, dass Trainer, die bestimmten Organisationen oder Berufsverbänden angehören, einen Vorteil bei der Genehmigung haben.
Ich befürchte, die Zeit ist noch nicht reif, für einen Qualitätsstandard.

In den letzten Jahren kam es zu sinnlosen Auseinandersetzungen in der Hundeszene. Es wurde gestritten, ob der Hund besser Geschirr oder Halsband tragen soll, ob man Aggression durch Einwirken am Halti unterbrechen kann oder unerwünschtes Verhalten zu ignorieren ist.
Hundeverhalten wurde nicht analysiert sondern interpretiert und zum angeborenen Schicksal erklärt (Rudelstellung), Trainer wurden als Gewalttäter bezeichnet, wenn sie nur wagten an der Leine zu rucken (Pulsen).
Die ewigen Bedenkenträger, die alles wissen und alles können, schwören auf längst überholte Alphawolftheorien und wollen Probleme über dominantes Auftreten lösen. Der Rudelführer zeigt keine Schwächen!

Wer soll bei dieser Fülle an Strömungen und Uneinigkeiten wen nach welchen Kriterien prüfen?

Es kann doch nicht sein, dass die Gruppen die Standards definieren, die über Jahre die bessere Lobbyarbeit betrieben haben oder einfach nur bereits ein etabliertes Berufsbild vorweisen können (Tierärzte).

Die Beurteilung von Hundetrainern sollte bundesweit einheitlich erfolgen, nachvollziehbar sein und eine wissenschaftliche Grundlage haben.

Um ein solches Beurteilungsverfahren zu schaffen, sollte als erster Schritt ein unabhängiges Gremium gebildet werden, in denen kompetente Hundetrainer, Tierärzte und Wissenschaftler eine bundeseinheitliche Prüfung erarbeiten.
Dazu sollten verschiedene Videoaufnahmen von dieser Expertengruppe gesichtet werden, die dann unabhängig voneinander die Kommunikation Mensch-Hund und Hund-Hund beurteilen.
Nur die Punkte, in denen sich die Experten bei der Beurteilung einig sind, sollten zum Bestandteil der Prüfung werden.
Theoretisches Wissen kann als Multiple Choice Test geprüft werden.
Hierbei sollte vom Expertenrat eine Literaturliste zusammengestellt werden, mit der sich jeder Hundetrainer das nötige Wissen aneignen kann.
Auf aus wissenschaftlicher Sicht fragwürdige Literatur, sollte dabei verzichtet werden.
Abschließend könnten noch verschiedene Kundengespräche aber auch Trainingssequenzen gezeigt werden, um die Kommunikation zwischen Trainer und Hundehalter zu beurteilen. Auch in diesem Bereich sollten die Videos vorher von der Expertengruppe beurteilt werden und nur Ergebnisse zählen, in denen sich die Experten weitgehend einig sind.

Ziel ist es, eine ideologiefreie Prüfung zu schaffen, die eine faire und nachvollziehbare Beurteilung ermöglicht.

Dieser Beurteilung sollten sich dann aber auch alle stellen, die mit Hunden arbeiten und nicht nur die, die damit ihr Geld verdienen. Wenn es wirklich um Tierschutz geht, sollte es konsequent umgesetzt werden.

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