Donnerstag, 18. September 2014

Arbeitsgemeinschaft §11 TierSchG

Am 16.09.2014 habe ich hier im Blog über die Probleme mit dem Paragraph 11 berichtet.

Heute wurde ich auf die Arbeitsgemeinschaft §11 TierschG aufmerksam.

Die Arbeitsgemeinschaft ist ein Team aus unabhängigen und renomierten Hundetrainern, Fachbuchautoren, Tierärzten und Wissenschaftlern.

Nadin Matthews (Fachbuchautorin, Dozentin), Thomas Baumann (Fachbuchautor, Sachverständiger), Sophie Strodtbeck (berat. Tierärztin, Dozentin), Gerd Leder (Hundetrainer, Referent) , PD Dr. Dr. Udo Gansloßer (Zoologe mit Schwerpunkt Verhaltens- und Säugetierbiologie), Mirko Tomasini (Hundetrainer, Fachbuchautor), Normen Mrozinski (Hundetrainer, Autor), Sami El Ayachi, LL.M. (Rechtsanwalt, Hundetrainer), Alexandra Grunow (Fachbuchautorin, Ausbilderin), Rovena Langkau (Fachbuchautorin, Ausbilderin), Anita Balser (Hundetrainerin, Dozentin), Günther Bloch (Kanidenforscher, Fachbuchautor), Angelika Lanzerath (Hundetrainerin, Sachverständige), Michael Eichhorn (Hundetrainer, Dozent), Andrea Kühne (Rechtsanwältin, Fachfrau für Kynotherapie)

(Es ist in meinen Augen etwas besonderes, dass so viele Fachleute aus der Hundewelt sich einig sind.)


Am 16.09.2014 hat diese Arbeitsgemeinschaft einen offenen Brief an den Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft Christian Schmidt verfasst.

Im Kern geht es um zahlreiche Kritikpunkte, was die Umsetzung des Paragraph 11 betrifft. Weiter wird die Überarbeitung gefordert.

Eine Erläuterung zu diesem Brief ist hier veröffentlicht.



Dienstag, 16. September 2014

Paragraph 11 - Ein (Alb)traum wird wahr?

Über viele Jahre wurde von der Hundefachwelt und von Tierschutzgruppen kritisiert, dass in Deutschland sich jeder Hundetrainer nennen darf.

Vor dreißig Jahren lernten die Hundespezialisten noch ihr Handwerk durch Erfahrung und Austausch mit Wissenschaftlern und Kollegen. Nicht selten war es die Liebe zum Hund aber auch der Zufall, der zur Gründung einer Hundeschule führte.

Unter den Trainern waren natürlich auch “schwarze Schafe“, die hauptsächlich über Schmerzreize trainierten. Im Grunde genommen, war das in Deutschland eine gängige Trainingsstrategie und die Trainer, die Alternativen suchten, wurden häufig belächelt.

Durch die immer stärkere Ausbreitung von Hunden in den Ballungsgebieten der Städte, hatten die Hundehalter auch immer höhere Anforderungen an die Erziehung der Hunde. Die Nachfrage nach Trainern und Hundepensionen stieg an.

Und immer mehr Trainer gingen von Mund zu Mund Propaganda zur Werbung über und schrieben sich ihre Qualifikationen auf die Fahne.

Aus dem Lernen in kleinen Gruppen und dem partnerschaftlichen Austausch mit Wissenschaftlern sind längst große Ausbildungsstätten geworden.
Studiengänge, Fernlehrgänge, Zertifizierungen, Wochenendseminare, Gruppen und Berufsverbände überfluten den Markt mit Hundetrainern.

Als ich im Januar 2010 angefangen habe im Internet über Hunde zu schreiben, war meine Motivation, dass ich zwei Mal von Hundetrainern falsch beraten wurde.
In einer Hundeschule wurde mein Problem übergangen, weil man keinen Trainingsansatz hatte.
Im zweiten Fall wurde mir in tierschutzwidriger Weise das völlige Ignorieren meines Hundes über einen Zeitraum von einer Woche zum vorbereitenden Trainingsaufbau empfohlen.

In beiden Fällen kamen die Trainer aus großen und bekannten Hundetrainerausbildungsbetrieben.

Ich sah deshalb nur die Möglichkeit mich selbst über Hunde zu informieren und diese Informationen auch an andere Hundehalter weiter zu geben, damit schwarze Schafe und falsche Berater von den Hundehaltern möglichst schnell erkannt werden.

Ab dem 01.08.2014 verlangt der Gesetzgeber eine Erlaubnispflicht für die Ausbildung von Hunden und die gewerbsmäßige Anleitung des Tierhalters zur Hundeausbildung.

Die Tätigkeit als Hundetrainer soll nun vom Veterinäramt genehmigt werden und die Sachkunde des Trainers soll durch Prüfungen nachgewiesen werden.

Eigentlich sollte damit genau das erreicht sein, was Tierschützer und Hundeexperten schon lange fordern.

Wenn sich der Gesetzgeber auch überlegt hätte, wer die nötige Bewertung von Hundetrainern durchführen soll und auch durchführen kann.

Teilweise werden bereits im Schnellverfahren Tierärzte geschult und mit der Prüfung erfahrener Hundetrainer beauftragt.
In den Prüfungsgremien einiger Bundesländer soll, nach Aussage einiger geprüfter Trainer, nicht nur Fachwissen, sondern auch Ideologien und Strömungen vertreten sein.
Institutionen verkaufen bereits Seminare, die für viel Geld auf die Prüfung vorbereiten sollen.
Zur intensiven Lobbyarbeit dieser Kursanbieter gehört es, dass sie teilweise selbst in den Prüfungskommissionen sitzen. Die nötige Unabhängigkeit muss hier zumindest stark angezweifelt werden!

Denkbar ist sogar, dass beispielsweise der renommierte Hundefachmann und wolfsforscher Günther Bloch, der 1975 in die Hundeszene eingestiegen ist, Schäferhunde gezüchtet hat, sich sein Wissen durch den Austausch mit renommierten Wissenschaftlern wie Eberhard Trumler oder Erik Zimen erworben hat, der bereits 1979 seine Arbeit als Hundetrainer begonnen hat und zahlreiche Bücher über Hunde und Wölfe veröffentlichte, demnächst in Deutschland keine Vorträge und Seminare mehr geben darf.
Es sei denn, er lässt sich von Tierärzten prüfen, die sich ihr nötiges Wissen in einigen Seminaren angeeignet haben und sogar selbst Bücher von Bloch im Regal stehen haben.

Durch dieses Beispiel wird das Problem gut erkennbar:

Da es bisher keinen vorgeschriebenen Werdegang zum Hundetrainer in Deutschland gab, müssen erst einmal gleiche Bedingungen für alle Trainer gelten, was den Nachweis ihrer Qualifikation betrifft.

Es darf nicht sein, dass Trainer, die bestimmten Organisationen oder Berufsverbänden angehören, einen Vorteil bei der Genehmigung haben.
Ich befürchte, die Zeit ist noch nicht reif, für einen Qualitätsstandard.

In den letzten Jahren kam es zu sinnlosen Auseinandersetzungen in der Hundeszene. Es wurde gestritten, ob der Hund besser Geschirr oder Halsband tragen soll, ob man Aggression durch Einwirken am Halti unterbrechen kann oder unerwünschtes Verhalten zu ignorieren ist.
Hundeverhalten wurde nicht analysiert sondern interpretiert und zum angeborenen Schicksal erklärt (Rudelstellung), Trainer wurden als Gewalttäter bezeichnet, wenn sie nur wagten an der Leine zu rucken (Pulsen).
Die ewigen Bedenkenträger, die alles wissen und alles können, schwören auf längst überholte Alphawolftheorien und wollen Probleme über dominantes Auftreten lösen. Der Rudelführer zeigt keine Schwächen!

Wer soll bei dieser Fülle an Strömungen und Uneinigkeiten wen nach welchen Kriterien prüfen?

Es kann doch nicht sein, dass die Gruppen die Standards definieren, die über Jahre die bessere Lobbyarbeit betrieben haben oder einfach nur bereits ein etabliertes Berufsbild vorweisen können (Tierärzte).

Die Beurteilung von Hundetrainern sollte bundesweit einheitlich erfolgen, nachvollziehbar sein und eine wissenschaftliche Grundlage haben.

Um ein solches Beurteilungsverfahren zu schaffen, sollte als erster Schritt ein unabhängiges Gremium gebildet werden, in denen kompetente Hundetrainer, Tierärzte und Wissenschaftler eine bundeseinheitliche Prüfung erarbeiten.
Dazu sollten verschiedene Videoaufnahmen von dieser Expertengruppe gesichtet werden, die dann unabhängig voneinander die Kommunikation Mensch-Hund und Hund-Hund beurteilen.
Nur die Punkte, in denen sich die Experten bei der Beurteilung einig sind, sollten zum Bestandteil der Prüfung werden.
Theoretisches Wissen kann als Multiple Choice Test geprüft werden.
Hierbei sollte vom Expertenrat eine Literaturliste zusammengestellt werden, mit der sich jeder Hundetrainer das nötige Wissen aneignen kann.
Auf aus wissenschaftlicher Sicht fragwürdige Literatur, sollte dabei verzichtet werden.
Abschließend könnten noch verschiedene Kundengespräche aber auch Trainingssequenzen gezeigt werden, um die Kommunikation zwischen Trainer und Hundehalter zu beurteilen. Auch in diesem Bereich sollten die Videos vorher von der Expertengruppe beurteilt werden und nur Ergebnisse zählen, in denen sich die Experten weitgehend einig sind.

Ziel ist es, eine ideologiefreie Prüfung zu schaffen, die eine faire und nachvollziehbare Beurteilung ermöglicht.

Dieser Beurteilung sollten sich dann aber auch alle stellen, die mit Hunden arbeiten und nicht nur die, die damit ihr Geld verdienen. Wenn es wirklich um Tierschutz geht, sollte es konsequent umgesetzt werden.

Dienstag, 2. September 2014

Neues vom Hundetrainerlehrgang mit Yvonne Wagner

Schon vor über einen Monat hat sich Yvonne Wagner bei mir gemeldet, um weiter von ihrer Ausbildung zur Hundetrainerin zu berichten.

Nun habe ich die Zeit gefunden, um Ihre Erzählungen ins Internet zu bringen.

Fangen wir ganz klein an - beim Welpen und dem Sinn und Unsinn von Welpenspielgruppen. Für Hundeschulen ist es sicherlich ein Selbstläufer, wenn der frischgebackene Hundehalter glaubt, sein Hund hätte ohne einen Welpenerziehungskurs keine Chance zum Überleben in unserer Gesellschaft.

Als während der Ausbildung von Yvonne eine Liste mit Dingen erstellt wurde, was ein Hund lernen sollte und was er in einer Welpenspielstunde von den anderen Hunden lernen kann, fand man nur wenige Punkte für die der Welpe andere Welpen braucht. Trotzdem werden in Deutschland immer noch zahlreiche Kurse
angeboten, in denen sich sehr viele Hunde zum ausgelassenen Spiel treffen und die Menschen in dieser Zeit sich mit anderen Hundehaltern austauschen.

Tatsächlich lernen die Welpen ständig und die meiste Zeit außerhalb der Welpenstunde, wenn der Trainer nicht anwesend ist. Deshalb sollte das Unterrichten des Halters erstes Ziel in der Welpengruppe sein und nicht nur das ausgelassenes Spiel mit Sitz, Platz und Fuß.

Kommandos werden immer noch mit Erziehung verwechselt. Teilweise wird in Welpenkursen angestrebt, dass ein Hund mit 15 Wochen ordentlich an der Leine geht und auch fremden Menschen bedingungslos folgt.

Diese Entwicklung findet Yvonne völlig verkehrt.

Sie zieht als Dogwalkerin die Konsequenz und wird keine Hunde mehr ausführen, die nicht mindestens vier Monate alt sind.

Yvonne Wagner nutzte die von ihr besuchten Kurse auch zur Sozialstudie und beobachtete das Verhalten von Menschen. Sie sah Hundehalter mit fragenden Gesichtern, Frust, Ärger und häufiges Vergleichen, ob der eigene Hund sich nun besser oder schlechter verhält, als der Hund der anderen Kursteilnehmer.

Guter Hund oder böser Hund - Stolz oder Scham!

Eine der stärksten Fähigkeiten des Menschen, den Humor, findet man kaum. Dabei bietet gerade der Humor, die Möglichkeit sich zu entspannen um mit Fehlverhalten souverän umzugehen.

Was aber ist Fehlverhalten? Der Hund, der dem fremden Kind im Park das Eis klauen will zeigt sicher kein Fehlverhalten im Sinne eines fehlerhaften Verhaltens oder einer Verhaltensstörung.

Da helfen auch Sitz, Fuss und Platz wenig, wenn die Signale nicht verpflichtend für den Hund sind. Ein gutes verpflichtendes Abbruchsignal wird schon
besser funktionieren oder ein schnelles körperliches Eingreifen, durch das der Hund lernen kann, dass dieses Verhalten kein Fehlverhalten ist aber ganz klar unerwünscht.

Die Antwort auf die Frage, welche Kommandos ein Hund können sollte, ist sehr individuell. Der Hund, der im Dorf ohne Leine täglich viele Stunden mit seinem Halter durch das Feld läuft, wird sicher nicht so viel lernen müssen, wie der Hund, der in der Großstadt in allen Situationen seinen Menschen begleitet. Daran sollten sich besonders die Hundeschulen orientieren, die mit individuelle Trainingskonzepte werben.

Denken hilft und neben der Vermittlung von Wissen, ist das Hinterfragen von Gegebenheiten ein wichtiger Bestandteil der Hundetrainerausbildung.

Dabei darf natürlich auch nicht fehlen, über die tragische Rolle des Hundes als Buhmann der Nation nachzudenken.

Vor Jahren fragte der Bürger noch, ob ein Hund lieb oder böse sei. Mittlerweile drückt sich der besorgte Mitbürger sehr fachmännisch aus und erkundigt sich, ob der Hund sich denn aggressiv verhält.

Selbst in amtlichen Gutachten ist zu lesen, dass ein aggressives Verhalten des Hundes nicht ausgeschlossen werden kann. Eine wirklich lächerliche Aussage, denn Aggressionsverhalten gehört zum Normalverhalten des Hundes. Was zählt ist, ob das Verhalten angemessen oder unangemessen ist.

Auch da sind Hundeschulen gefragt, den Haltern zu vermitteln, ob und wie man bei einem unerwünschten Aggressionsverhalten eingreifen soll.

Die vermenschlichende Sicht, die sich eine gesellschaftsfähige grundsätzliche Freundlichkeit wünscht, kann vom Hund nicht geteilt werden.

Vermenschlichende Sicht sorgt häufig auch zum Eskalieren einer Situation, die ohne Eingreifen völlig entspannt verlaufen würde.

Viel zu selten wird auf die Zeichen des Hundes reagiert.

Ein Hund soll bei Fuß gehen und kommt jemand der ihn dazu veranlasst einen Bogen zu machen, dann hat er aus der Sicht seines Besitzers wieder nicht "gehört". Dabei hat er nur ein deeskalatierendes Verhalten gezeigt.

Die Kunst besteht darin, die Aggression und deren Auslöser als Teil hündischen Verhaltens zu verstehen und diese in vertretbare Bahnen zu lenken. Eine gute Beziehung zum Hund und ein grundlegendes Wissen über Hundeverhalten mit der Fähigkeit mit dem Hund wirkungsvoll zu kommunizieren sind die Handwerkzeuge, an
denen Hundeschulen mit ihren Kunden arbeiten sollten.

Natürlich nicht verbissen, sondern mit einem großen Anteil Spaß und Humor