Donnerstag, 5. Februar 2015

Tierheim Krefeld - Eine Stadt will Kosten sparen

Die Stadt Krefeld will Steuergelder sparen und wird deshalb in Zukunft das städtische Tierheim selbst führen.

Der Tierschutzverein, der bisher das Tierheim im Auftrag der Stadt führte, wollte für drei Jahre 939000 Euro haben. Die Stadt hat gerechnet und ist davon überzeugt, dass sie ein Tierheim selbst für 804000 Euro führen können.

Immerhin ein jährliche Steuereinsparung von 45000 Euro!

Ein zusätzlicher Vorteil wäre auch, dass die Mitarbeiter des Tierheims dann Angestellte der Stadt Krefeld sind und als solche sicher mehr Geld bekommen.

Ihr Arbeitsplatz wäre auch sicherer, weil die Stadt immer Gehälter zahlen kann. Die Stadt benötigt kein Geld von tierlieben Spendern. Bei der Stadt läuft alles über Steuern und die kann man im Notfall erhöhen. Notfalls holt man das Geld über eine Erhöhung der Hundesteuer wieder rein. Das geht immer!

Auch wenn die Stadt sich verrechnet hat, braucht sie nicht um Geld zu betteln, wie ein Tierschutzverein.

Verrechnen geht schnell, wenn der Einblick in den Tierheimbetrieb fehlt. Häufig ist es dann nicht so einfach, wie es theoretisch sein sollte.

Nicht selten kommen Fundtiere krank ins Tierheim. Der Besitzer ist nicht mehr auffindbar und die Tiere können erst nach medizinischer Behandlung vermittelt werden. Für verhaltensproblematische Tiere ist es nicht einfach, einen geeigneten neuen Halter zu finden.

Solche Tiere bleiben im Durchschnitt 60 bis 90 Tage im Tierheim. Manche Tiere sogar mehrere Jahre!

Die Kosten für die dauerhafte Unterbringung dieser Tiere sind enorm.

Hat die Stadt Krefeld solche Dinge in ihrer Kalkulation berücksichtigt? Hat die Stadt Krefeld berücksichtigt, dass die tatsächlichen Kosten sehr stark davon abhängen, welche Tiere im Tierheim untergebracht werden müssen? Falls nicht, könnte die mögliche Einsparung eine theoretische Einsparung bleiben.

Eventuell käme der Stadt die artgerechte Versorgung der Tiere sogar teurer, weil sie kaum mit Leuten rechnen kann, die ehrenamtlich arbeiten. Fraglich ist auch, ob die Stadt einen Tierarzt findet, der in einem, rein städtischen Betrieb, für eine Pauschale arbeitet.

Spender und freiwillige Helfer sind wichtige Faktoren, die es erst möglich machen, den Tieren mehr zu bieten, als eine vorübergehende Unterbringung mit medizinischer Betreuung.

Genau an dieser Stelle wird das Geldthema auch zu einem Tierschutzthema.

Tierheime können durch Spenden ein Tier auch dann noch beherbergen, wenn es kaum noch Hoffnung auf erfolgreiche Vermittlung gibt.

Ein Tierheim, das alleine von der Stadt geführt wird, wird sich diesen Luxus nicht leisten können.

Ich kann mir vorstellen, dass der wirtschaftliche Druck langfristig auch Auswirkung auf das Wohlergehen der Tiere hat.

Ohne Tierschutzvereine werden sich Haltungsbedingungen verschlechtern, denn alles was über die Vorschriften hinaus in Tierheimen gemacht wird, gehört nicht zum Aufgabenbereich der Stadt. Zwangsläufig kommt zu einer Minimalversorgung.

Die Vorstellung ist für viele Tierschützer schrecklich! Gerade deshalb versuchen die Vereine häufig ihre Dienstleistung den Städten so günstig wie möglich anzubieten.

Eine Einrichtung, die hunderte Tiere beherbergt, Angestellte hat und von Kosten in Höhe von 300000 Euro spricht ist aber kein Hobby mehr.

Jedes mittelgroße Tierheim muss als Unternehmen gesehen werden und ist auch unternehmerisch zu führen.

Monatliche Kostenkontrolle, ein Geschäftsplan, Umsatzsteigerung, kurzfristigen und langfristigen Einsparmöglichkeiten sollten keine Fremdwörter sein.

Nur Zahlen und Statistiken ermöglichen eine wirtschaftliche Bewertung des Betriebs. Solche Zahlen helfen dann auch den Städten beim Kalkulieren und Planen.

Es ist schrecklich, dass Tierheime häufig nicht wie Unternehmen geführt werden und Dienstleistungen auch nicht ausreichend vergütet werden.

Sparen scheint höchstes Ziel zu sein!

Gebäudearbeiten werden gemieden, aus Papierabfall werden kleine Notizzettel geschnitten, EDV soll immer möglichst billig oder kostenlos sein, Personal wird auf ein Minimum reduziert und bekommt kaum mehr als den Mindestlohn.

Tierheime machen aufwändige Aktionen und freuen sich über 1000 Euro mehr in der Kasse. Ein ermüdender Kampf um das kleine Geld, wenn auf der anderen Seite Kosten in Höhe von 300000 Euro lauern.

Profiteure sind die Städte und Gemeinden, die wie in Krefeld dann auch noch glauben, sie könnten es noch billiger machen.

Als wäre es nicht schon billig genug!

Kaum habe ich die letzten Zeilen geschrieben, lese ich im Internet, dass die Stadt Krefeld zumindest noch einen Monat die Hilfe des Tierschutzvereins in Anspruch nimmt. Zumindest bis zum 28.02.2015 und dann? Dann wird bestimmt wieder gerechnet! Oder?

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